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Fichten vernichten, Tannen auslichten

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Ringel-Reigen: An die 50 Fichten am Hintersee wurden so wie dieser »geringelt«, damit sie absterben. (Foto: privat)

Ramsau – Waren es böse Biber? Wildgewordene Waldfrevler? Oder führt die Nationalparkverwaltung etwas im Schilde? Mehrere Ramsauer sind besorgt und fragen sich, was es mit den entrindeten Bäumen am Hintersee auf sich hat. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat nachgefragt.


Geht man derzeit am Klausbach am Hintersee spazieren, sieht man immer wieder mit roten Zeichen markierte Bäume, deren Rinde oberhalb der Wurzel auf einer Länge von etwa einem halben Meter maschinell entfernt wurde. Selbst dem Laien ist klar: Das kann nicht gesund sein. Mehrere Ramsauer Bürger haben den »Berchtesgadener Anzeiger« über das Phänomen informiert. Verschwörungstheorien tauchten auf: Lässt der Nationalpark die Bäume bewusst absterben, um einen Urwald entstehen zu lassen? Um den Borkenkäfern ein Festmahl zu bereiten?

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In einem Punkt stimmt Parkmanagerin Kathrin Rinneberg auf »Anzeiger«-Nachfrage zu. »Die Maßnahme dient dazu, die Bäume absterben zu lassen.« Beim sogenannten »Ringeln« wird die Rinde des Baumes im unteren Bereich entfernt. Dadurch wird der Nährstofftransport unterbrochen, der Baum trocknet aus und stirbt schließlich ab.

Aber warum das Ganze? »Um einen gesunden Mischwald zu haben, brauchen wir Fichten, Tannen, Buchen und Bergahorn«, erklärt Rinneberg. Das Problem aber sei, dass Fichten viel schneller wachsen als Tannen, deren Anteil erhöht werden soll. Doch die Fichten würden den kleinen, drei bis fünf Meter Tannen das Licht nehmen, das sie zum Wachsen brauchen. Was die Waldverjüngung erheblich beeinträchtigen würde

»Normalerweise sägen wir die Fichten einfach um«, sagt die Parkmanagerin. Doch in den betreffenden Fällen sei das nicht möglich, weil die Fichten sonst auf die Tannenbäumchen fallen würden. Deshalb habe sich der Revierleiter für das Ringeln entschieden. Betroffen sind an die 50 Bäume mit einer Höhe von etwa 15 Metern und einem Durchmesser von ungefähr 15 Zentimetern. Laut Rinneberg ein reiner Pflegeeingriff, der fachlich sinnvoll sei. Wenn auch nicht gerade sehr publikumswirksam, wie sie zugibt.

Kathrin Rinneberg betont weiter, dass diese Maßnahme nicht dafür gedacht sei, Totholz zu erzeugen. »Dafür sind die Bäume viel zu klein.« Christian Fischer