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Finanzierungslücke von 9 Millionen Euro beim Jennerbahnbau

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Rund um die Mittelstation, die am 4. August für den Betrieb der unteren Bahnsektion eröffnet werden soll, gibt es noch einiges zu tun. (Foto: Wechslinger)
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Die Projektverantwortlichen auf der Hauptversammlung (v.l.): Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Hannes Rasp, Vorstand Michael Emberger sowie die Investoren Peter Hettegger, Georg Hinterleitner und Martin Harlander. (Foto: Kastner)

Schönau am Königssee – Kritische Fragen von Aktionären mussten sich Vorstand und Aufsichtsrat der Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) gestern auf der Hauptversammlung im Gasthof »Unterstein« gefallen lassen. Schließlich hatte Vorstand Michael Emberger zuvor bekannt gegeben, dass sich die Projektkosten von bislang geschätzten 47,7 Millionen Euro auf 56,7 Millionen Euro erhöhen werden. Vorstand und Aufsichtsrat wurden dennoch ohne Gegenstimme entlastet.


In Anbetracht der Kostenexplosion, von der Vorstand Michael Emberger unter dem Punkt »Laufende Situation« berichtete, trat der Geschäftsbericht für den Zeitraum vom 1. November 2016 bis 31. Oktober 2017 etwas in den Hintergrund. Verantwortlich für die Kostensteigerung um 9 Millionen Euro machte der Vorstand unter anderem die angezogene Konjunktur, die durch den extremen Winter erschwerten Bauarbeiten inklusive Baustillstandszeiten, die Notwendigkeit zusätzlicher Gutachten, einen Mehraufwand durch Planung und Ausführung der neu hinzugekommenen Nationalpark-Ausstellung, die geologischen Verhältnisse mit Felsvorkommen, zusätzliche Personalkosten wegen der verlängerten Bauzeit und einen Mehraufwand für die Gastronomie.

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Finanzierungsgespräche mit den Hauptaktionären

Um die Finanzierungslücke von aktuell 9 Millionen Euro zu decken, hat man nun zwei Möglichkeiten: Entweder eine Aktienaufstockung oder zusätzliche Gesellschafterdarlehen. »Wir sind aktuell in Gesprächen mit den Hauptaktionären«, versicherte Michael Emberger. Das sind die Hotel Edelweiß GmbH (25 Prozent Aktienanteil, vertreten durch Peter Hettegger), die Harlander Baumanagement GmbH (15 Prozent, Martin Harlander) und die Spiluttini Bau GmbH (15 Prozent, Georg Hinterleitner).

Dass die Aktionäre grundsätzlich zu dem Bauprojekt stehen, betonte Stephan Berninger von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Dennoch bezeichnete er die zeitliche Verzögerung des Projekts als bedauerlich und kritisierte die permanente Kostensteigerung von einst 30 Millionen Euro auf zwischenzeitlich 40 und 47,7 Millionen Euro auf nunmehr 56,7 Millionen Euro. »Wir hoffen, dass das Projekt bald zuende ist, sonst gibt es noch eine Verdoppelung der Kosten«. Laut Berninger hätte man die Probleme mit dem Birkhuhn doch auch früher erkennen können. »Oder ist der Naturschutz sensibler geworden?«

Als »krachend rot« bezeichnete Stephan Berninger das Jahresergebnis des 70. Geschäftsjahres, das fast bei minus 2,9 Millionen Euro lag. »Werden wir heuer wieder Verluste schreiben und ab wann rechnen Sie wieder mit schwarzen Zahlen?«, fragte der Aktionärsvertreter. Der zeigte sich nach eigenen Worten »skeptisch, dass das in absehbarer Zeit gelingen wird«. Ein anderer Aktionär sprach das mittlerweile vollständig aufgebrauchte Eigenkapital an. Nach seiner Ansicht gibt es dafür eine Meldeplicht.

Keine Meldepflicht

Nach weiteren Fragen von Aktionären zogen sich Vorstand und Aufsichtsrat erst einmal zur Beratung zurück. Michael Emberger ließ die Aktionäre, die 87,98 Prozent des Grundkapitals vertraten, dann unter anderem wissen, dass er in vier bis fünf Jahren wieder mit schwarzen Zahlen rechne. Eine Meldepflicht wegen des aufgebrauchten Eigenkapitals sah er nicht, da die 13,2 Millionen Euro Gesellschafterdarlehen laut Regierung als Eigenkapital zu sehen seien.

Die aktuelle Situation bei der Talstation bewertete Michael Emberger als positiv. Aktuell arbeite man mit Hochdruck am Innenausbau. Bei der Mittelstation würden aktuell die Außenanlagen fertig gestellt, auch beim Innenausbau gehe es dem Ende zu. Anders sehe es bei der Bergstation aus, wo niedrige Temperaturen und viel Neuschnee im Winter den Baufortschritt erheblich verzögert hätten. »Auch die Lawinensituation in der Schönauer Rinne mit Bedrohung der Baustraße mussten wir immer im Auge behalten«, so der Vorstand.

In der Sektion eins zwischen Tal- und Mittelstation soll die Bahn jedoch am 4. August den Betrieb aufnehmen. Geplant sind am Samstag und Sonntag »Tage der offenen Tür«, bei denen »jeder soviel bezahlt wie ihm die erste Fahrt wert ist«. Den offiziellen Eröffnungsfestakt wird es aber erst im nächsten Jahr geben. Davor soll in der kommenden Wintersaison noch der Winterbetrieb in der unteren Sektion, am Krautkaser und bei der neuen Jennerwiesenbahn aufgenommen werden. Nicht genau festlegen wollte sich Michael Emberger, wann die Bahn auch im oberen Teil in Betrieb gehen soll. »Wenn die Bedingungen im Winter passen und es sonst keine außergewöhnlichen Ereignisse gibt, dann rechnen wir im Mai oder Juni mit dem Gesamtstart«, sagte der Vorstand.

Thomas Hettegger und die neue Jenneralm GmbH

Die Aktionäre erfuhren außerdem, dass man für das operative Geschäft der Jenner-Gastronomie mit der Jenneralm GmbH eine eigene Gesellschaft gegründet habe. Es handelt sich um eine hundertprozentige Tochter der BBAG, deren Geschäftsführer der »Hotel Edelweiß«-Chef Thomas Hettegger sein wird. Hettegger wird damit auch Chef der Gaststätten in Mittel- und Bergstation sowie des Jennershops werden. Das Restaurant »Halbzeit« in der Mittelstation mit 80 Sitzplätzen innen und 65 Sitzplätzen außen wird laut Thomas Hettegger bereits zum 4. August in Betrieb gehen.

Bereits zu Beginn der Versammlung hatte Michael Emberger den Bericht über das Geschäftsjahr 2016/2017 gegeben. Weil der Bahnbetrieb wegen des Neubaues bereits zum 5. März 2017 eingestellt worden war, sanken die Umsatzerlöse bei der Bahn gegenüber dem Vorjahr um 78,4 Prozent auf 751 000 Euro und bei der Gastronomie um 74,5 Prozent auf 188 000 Euro. Unter Berücksichtigung des Zinsergebnisses (minus 1,3 Millionen Euro) ergab sich ein Jahresfehlbetrag von fast 2,9 Millionen Euro. Unter Einberechnung des Gewinnvortrags von 127 000 Euro ergibt sich ein Bilanzverlust von 2,744 Millionen Euro, der auf neue Rechnung vorgetragen wird.

Vorstand und Aufsichtsrat wurden ohne Gegenstimme entlastet. Und den Willen zum Sparen signalisierte man auch schon mal: Die Entschädigung für die Aufsichtsräte fällt nach einer Satzungsänderung jetzt weg. Das bringt immerhin rund 8 000 Euro jährlich. Ulli Kastner