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»Fischotter-Entnahme muss möglich sein«

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Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber will der Ausbreitung des Fischotters in Bayern entgegentreten. Das kündigte sie in Bad Reichenhall an. (Foto: Pfeiffer)

Bad Reichenhall – Ihren ersten offiziellen Auftritt als Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in der Heimat hatte Michaela Kaniber am Donnerstagabend beim Fischotter-Symposium vor 250 Gästen im Bad Reichenhaller Gasthaus »Bürgerbräu«. Dort kündigte sie an, den bayernweiten Fischotter-Management-Plan deutlich zu erweitern. »Die Entnahme von Fischottern muss in definierten Bereichen möglich werden.« Bei Vertretern des Landesfischereiverbands Bayern und des Landesjagdverbands Bayern stieß ihr Vorstoß auf breite Zustimmung.


Seit einer Woche ist Staatsministerin Michaela Kaniber nun im Amt. »Es war eine arbeitsreiche Woche«, sagte sie. Natürlich hat sie sich intensiv mit der Fischotterthematik beschäftigt, mit jenem bestens ans Wasser angepassten Landraubtier, das vor allem den Fischern und Anglern derzeit großes Kopfzerbrechen bereitet. Denn der streng geschützte Fischotter ist auf dem Vormarsch, vor allem in der Oberpfalz und in Niederbayern. Mittlerweile wurde das zu den Mardern zählende Tier aber auch mehrfach im Berchtesgadener Land gesichtet. Teiche sind sein bevorzugtes Jagdgebiet, aber auch vor Fließgewässern macht er nicht Halt.

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Fischotterberater Martin Maschke aus Niederbayern sagt, dass es schon mehrfach zu Schlachtszenarien gekommen sei, bei denen Fischotter, die oft in der Gruppe unterwegs sind, mehrere Hundert Fische auf einmal getötet hatten. Das bis zu 1,3 Meter lange Tier bewies dabei »perfekte Raubtierfähigkeiten.«

Staatsministerin Kaniber ist sich der Ausbreitung des Fischotters durchaus bewusst. Als Fischereiministerin sei es ihr wichtig, »dass ich heute an diesem Symposium teilnehmen darf.« Aus ihrer Sicht sei die Problematik ein »brisantes und äußerst belastendes Thema.« Zumal die Schäden, die der Fischotter in letzter Zeit angerichtet hatte, ein großes Ausmaß erreicht hätten. Für das vergangene Jahr rechnet das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit Schäden in der Teichwirtschaft in Höhe von 900 000 Euro. »Das ist dreimal so viel wie im Jahr 2016«, sagte Kaniber. Deshalb sei es ihr ein Anliegen, »darüber zu reden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.«

Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten setzt seit nun zwei Jahren einen Fischotter-Managementplan um, der drei Säulen umfasst und in naher Zukunft durch eine weitere vierte Säule ergänzt werden soll. Die erste Säule befasst sich mit der Prävention durch den Bau von Abwehrzäunen, »dort, wo sie sinnvoll und wirksam sind«, sagte die Ministerin. Der Zaunbau für Teichwirte wird in der Regel über den Europäischen Meeres- und Fischereifonds mit rund 50 Prozent bezuschusst. Als zweite Säule gilt die Arbeit der wenigen ausgebildeten Otterberater, die vor allem in Niederbayern unterwegs sind. Allerdings zunehmend auch in Oberbayern. »Seit gut einem Jahr sind zwei weitere Otterberater in der Oberpfalz tätig«, sagte Kaniber. Deren Aufgabe: Die Beratung von Betrieben hinsichtlich wirksamer Schutzmaßnamen sowie der Unterstützung, wenn es um Entschädigungszahlungen geht.

Entschädigungen entsprechen der dritten Säule des Managementplans. »Ursprünglich war dafür ein Budget von 100 000 Euro vorgesehen«, so die Ministerin, »angesichts der gemeldeten Schäden wurde das Budget auf 250 000 Euro aufgestockt.« Bis zu 80 Prozent der erlittenen Einbußen von Teichbesitzern werden aus diesem Topf erstattet. Dennoch ist Kaniber fest davon überzeugt, dass Entschädigungszahlungen auf Dauer keine Lösung seien. »Denn die Schäden nehmen stetig zu.« Allein im Laufe eines Jahres hätten sich diese verdreifacht. Der Vormarsch des Fischotters sei in vollem Gang.

Derzeit werden die meisten Schäden aus der Oberpfalz gemeldet. Das Landwirtschaftsministerium hat dort deshalb ein Monitoring eingerichtet. »Wir wollen die Populationsgröße und Ausbreitung genauer dokumentieren«, informierte Kaniber. In der Tat gibt es keine handfesten Zahlen über die Verbreitung des Fischotters. Michaela Thiel vom Landesfischereiverband in Bayern sagt, dass die einstmals erhobenen Zahlen (240) nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Fischotter-Population darstellten. Fischerei-Vertreter gehen von vierstelligen Otter-Beständen aus.

»Allein in Bad Reichenhall, wo das Problem noch gering ist«, so Veranstaltungsorganisator Michael Dorrer vom Bezirksfischereiverein Saalachtal, »sind bereits drei Otter von Autos zusammengefahren worden.« Für ihn Hinweis genug, dass es auch in Oberbayern und der südöstlichen Ecke Bayerns eine große Zahl der Mardertiere gibt.

»Ich könnte mir vorstellen, dass wir den Fischotter-Managementplan um eine vierte Säule erweitern, in der auch die Entnahme der Tiere in definierten Bereichen möglich wird«, sagte Michaela Kaniber. Bei Kormoran und Biber sei es in Bayern bereits gelungen, »Konfliktpotenzial abzubauen.« Deshalb müsse dies auch beim Fischotter gelingen – und zwar »so bald wie möglich.« Dennoch wolle sie zunächst den Flora-Fauna-Habitat-Bericht abwarten. Nach ihrem jetzigen Kenntnisstand dürfte der Erhaltungszustand des Fischotters »voraussichtlich für ganz Bayern als günstig eingestuft werden.« Den Fischereivertretern gab Kaniber ihr Wort, »euch in dieser Sache nicht allein zu lassen.« Kilian Pfeiffer

Ein ausführlicher Bericht über die angeregte Fischotterdiskussion zwischen den Vertretern der Landesverbände, den örtlichen Fischern und Teichbesitzern folgt in einer der nächsten Ausgaben.