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»Fitnesskur« für das Sportleistungszentrum Götschen

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Der Speicherteich am Götschen ist desolat und zu klein. Er soll saniert und auf ein Fassungsvermögen von 15 000 Kubikmetern vergrößert werden. (Foto: Wechslinger)

Bischofswiesen – »Fitnesskur« für das Sportleistungszentrum Götschen: Mit einer rund 2,6 Millionen Euro teuren Sanierungsmaßnahme soll vor allem die desolate und laut Expertenmeinung mittlerweile sogar gefährliche Beschneiungstechnik wieder auf einen modernen Stand gebracht werden.


Der Gemeinderat Bischofswiesen beschloss die Maßnahme am Dienstag gegen die vier Stimmen von Grünen und UBB grundsätzlich. Immerhin werden für das Projekt Zuschüsse zwischen 80 und 100 Prozent durch Bund und Land erwartet, sodass die finanzielle Belastung für die Gemeinde laut Bürgermeister Thomas Weber ziemlich gering bleiben soll.

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Wie weit es bei der aktuellen Beschneiungstechnik am Götschen fehlt, stellte Christian Weiler vom renommierten Schneeanlagenplaner Klenkhart & Partner aus Tirol in seinem Vortrag unmissverständlich heraus. Die Beschneiungsanlage, die im Jahr 1998 durch die Gemeinde errichtet worden war und für die es eine Betriebsvereinbarung mit dem Deutschen Skiverband (DSV) gibt, »entspricht bei Weitem nicht mehr dem Stand der Technik«, sagte Weiler. Vor allem gebe es gravierende Mängel bei der Sicherheit und bei der Betriebssicherheit.

Ein Hauptaugenmerk muss nach Ansicht des Ingenieurs dem Speicherteich gelten, bei dem die Abdichtungsfolie wegen des fehlenden UV-Schutzes desolat ist. Mit dem Einbau von Kontrolldrainagen am Teichboden soll auch eine Teichüberwachung installiert werden, um Undichtigkeiten sofort feststellen zu können. Weil der Teich schon damals mit einem Fassungsvermögen von 3 800 Kubikmetern viel zu klein angelegt worden war, hält der Experte eine Erweiterung auf eine Größe von rund 15 000 Kubikmetern für erforderlich.

»Je größer der Puffer, desto unwahrscheinlicher ist es, dass in niederschlagsarmer Zeit Wasser aus dem nahe gelegenen Schwarzecker Bach entnommen werden muss«, sagte Weiler. Das hatte nämlich bereits mehrfach zu Ärger mit den Fischern geführt. Die Deichkrone müsste dafür lediglich an einer Stelle aufgebrochen werden, dann könnte der Teich in Richtung Osten erweitert werden.

Kurzschlüsse an der Tagesordnung

Während die Gebäude der Pumpstation noch in Ordnung sind, ist die Technik ein Sanierungsfall. Weiler hält einen Austausch der 20 Jahre alten Pumpen für erforderlich. Statt der hier fälschlicherweise verwendeten Horizontalpumpen sollten nun Vertikalpumpen zum Einsatz kommen, die auch eine höhere Leistung haben müssten. Neue Technik ist auch in der Druckerhöhungsstation erforderlich. Vor allem schlug der Ingenieur insgesamt die Trennung von Hydraulik und Elektrotechnik vor. »Kurzschlüsse und Leitungsbrüche sind hier aktuell an der Tagesordnung. Für Personal und Kunden besteht Lebensgefahr«, warnte Christian Weiler. Ausreichend große Schneischächte seien erforderlich, um die gesamte Technik ordnungsgemäß zu platzieren.

Realisiert werden sollte im Zuge des Projekts nach Meinung des Experten die vom Landratsamt bereits genehmigte Beschneiungsanlage für die neuen Sportarten. Dafür sind neun Schneischächte und 500 Meter Schneileitungen erforderlich. Wenn die Leitung dann noch 200 Meter nach oben verlängert würde, könnte man die neue Schneileitung mit der Bestandsleitung verbinden und die Förderleistung damit auch im oberen Pistenteil erheblich erhöhen.

»Die Schneizeiten würden sich damit stark reduzieren«, sagte Weiler. Der wusste auch, dass für die Speicherteicherweiterung ein Planfeststellungsverfahren nach Wasserrecht, für die Pumpstation ein Plangenehmigungsverfahren notwendig ist. Wenn die Genehmigung bis Frühjahr 2019 vorliegen würde, könnte die neue Anlage im Optimalfall Ende 2019 in Betrieb gehen.

Jährliche Belastung maximal 27 000 Euro

Bürgermeister Thomas Weber bezifferte die geschätzten Bruttokosten für das Projekt auf rund 2,6 Millionen Euro. »Wir erwarten dazu aber mindestens eine Förderung von 80 Prozent durch Bund und Land«, sagte der Rathauschef, der entsprechende Vorgespräche bereits geführt hatte. Im schlechtesten Fall verblieben bei der Gemeinde also rund 520 000 Euro. Auf 20 Jahre gerechnet, stelle dies eine jährliche Belastung von maximal 27 000 Euro dar. »Im Optimalfall könnten es aber auch nur 10 000 Euro sein«, so Weber. Der gab zu bedenken, dass aktuell jährlich sogar über 30 000 Euro an Reparaturkosten für die Anlage anfielen. Und Weber bekräftigte, dass man eine Summe von rund 1,4 Millionen Euro ohnehin in die Hand nehmen müsste, um die Sicherheit wieder gewährleisten zu können. Diese Maßnahme müsste man dann aber alleine bezahlen.

In der Diskussion stellten viele Gemeinderäte wie Thomas Resch (Freie Wähler), Hans Metzenleitner (SPD), Sepp Angerer (SPD) und Josef Pletzer (CSU) die Bedeutung der Anlage auch als Familienskigebiet für Einheimische heraus. Klar wurde auch, dass die Lokalpolitiker eine extrem hohe Förderung durch Bund und Land erwarten. »Die könnte sogar nahe bei 100 Prozent sein, weil es sich um eine nationale Aufgabe handelt«, betonte Metzenleitner.

Warnung vor Klimawandel

Doch nicht alle Gemeinderäte konnten sich mit den vorgestellten Sanierungsmaßnahmen anfreunden. So wies Michael Sturm von den Grünen darauf hin, dass das Skigebiet bereits auf einer Höhe von 880 Metern beginne, was es in Zeiten des Klimawandels zu bedenken gebe. Sturm verwies auf die nahe gelegenen Skigebiete am Jenner und am Rossfeld, die auch von Bischofswiesen aus leicht zu erreichen seien. »So viel Geld für ein paar Hundert Übernachtungen im Winter mehr auszugeben halte ich für sinnlos«, betonte Sturm. Der war der Ansicht, dass man das Skigebiet auch heuer schon nicht mehr aufsperren dürfe, wenn dort tatsächlich Lebensgefahr bestünde.

Ähnlich sah es Paul Grafwallner (UBB), der wegen der finanziellen Sachzwänge, aber vor allem auch wegen des Klimawandels nicht zustimmen wollte. »Mir wäre es am liebsten, wenn wir den Lift an den Betreiber übergeben können«, sagte Grafwallner. Bürgermeister Weber wollte nicht bestreiten, dass der Klimawandel fortschreitet. »Der kommt aber nicht von heute auf morgen. Erst in den Jahren ab 2040 werden wir uns über andere Themen als über Beschneiungsanlagen unterhalten müssen.«

Grünes Licht für das Projekt kam von 16 Gemeinderäten. Dagegen stimmten Michael Sturm und Marlies Moderegger von den Grünen sowie Paul Grafwallner und Sepp Stangassinger von der UBB. Ulli Kastner