weather-image
12°

Fleischesfrust und Veggielust?

3.0
3.0
Bildtext einblenden
»Fleisch schmeckt halt besser als Gemüse«, sagt der Pädagoge Martin Huber.
Bildtext einblenden
Regina Maier.
Bildtext einblenden
Schaut locker 20 Jahre jünger aus: der fast 80-jährige Jürgen Geilich.
Bildtext einblenden
Fritz Hanke.
Bildtext einblenden
Christian Hofreiter.
Bildtext einblenden
Tobias Dollinger.
Bildtext einblenden
Wenig Fett, viel Radlfahren und den »Berchtesgadener Anzeiger« lesen: Dann geht es Gastwirt Peppi Haslinger gut.
Bildtext einblenden
Isst, was ihm schmeckt: Sarhat Yildiran vom Grillstüberl. (Fotos: Wechslinger)
Bildtext einblenden
Bezeichnet sich als ausgewogenen Allesesser: Christian Leitner.

Berchtesgaden – Veganer, Vegetarier, Fruktarier, Atkins-Anhänger, Low-Carb-Esser oder Omnivoren: Die »richtige« Ernährung ist zum Fetisch, ja zum Statussymbol geworden. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat sich im Talkessel umgehört, in was die Einheimischen am liebsten reinbeißen. Und welchem Ernährungskult sie huldigen. Einig sind sich die Befragten in einem Punkt: Ohne körperliche Bewegung bringt die beste Diät nichts.


Der ehemalige Skispringer, Fußballer und Trainer in beiden Sportarten Helmut Kurz ist noch im 81. Lebensjahr topfit. Er führt das zum einen darauf zurück, dass er immer im Training geblieben ist und des Weiteren auf eine ausgewogene Ernährung, die bei ihm aus einer Mischkost aus Fleisch- und Wurstwaren sowie Gemüse, Salat und Obst besteht. Für Skispringer ist Ernährung ein ganz wichtiges Thema. Sie dürfen ja kein Gramm zu viel wiegen, um der Luft möglichst wenig Widerstand zu bieten und möglichst weit zu fliegen. Und so wissen die Skisprung-Trainer viel über eine Ernährung, die schmeckt, nicht zu viele Kalorien hat und auch noch gesund ist.

Anzeige

Nachwuchstrainer Christian Hofreiter vom Olympiastützpunkt am Kälberstein war in seiner Jugend ein hoffnungsvoller Skispringer. Er ist immer noch fit und hat seine Figur gehalten. Hofreiter führt das neben sportlicher Betätigung auch auf seine Ernährung zurück, die am Morgen mit einem warmen Haferbrei beginnt, der für den ersten Energieschub sorgt. Statt Zucker nimmt der Trainer Honig und Zimt, denn Zucker ist als ein großer Vitaminräuber bekannt. Fleisch ist am Tisch des Trainers eher die Ausnahme. Wenn Fleisch, dann kommt ein Salat mit Putenstreifen auf den Tisch. Fisch steht weniger auf dem Speisezettel: »Viele Gewässer sind doch dermaßen verseucht, dass der Fisch auch nicht gesund sein kann«, befindet der Ernährungsbewusste. Weil Geflügel oft gespritzt ist, sind auch Hühnchen und dergleichen beim Trainer eher die Ausnahme. Insgesamt müsse man sich einfach bewusst ernähren und vor allem am Abend alle kohlehydrathaltigen Speisen ganz weglassen, befindet Hofreiter, der eine Lanze für Fleisch bricht. »Wer gar kein Fleisch isst, dem fehlt etwas, schließlich braucht der Mensch auch tierisches Eiweiß.«

Der Leiter des Skispringer-Stützpunktes, Christian Leitner, bezeichnet sich als Allesesser in einer ausgewogenen Mischung. Wenn Leitner mit seiner Mannschaft unterwegs ist, gibt es einen Ernährungsplan, an den sich auch er hält. Dabei wird mit der Küche genau abgesprochen, was auf den Tisch kommt. »Der Speiseplan müsse ausgewogen und vitaminreich sein und am Abend darf nichts gegessen werden, was Kohlehydrate enthält«, erklärt Leitner.

Fritz Hanke hat bis ins Alter seine Figur gehalten. das liegt an viel sportlicher Betätigung und ausgewogener Ernährung. »Leider musste ich auf Grund eines Unfalls mein Sportprogramm vom Laufen aufs Fahrrad verlegen, was mich ein paar Kilo zunehmen ließ«, bedauert der ehemalige Berchtesgadener Kurdirektor. »Ich bin 30 Jahre lang zwei- bis dreimal pro Woche durch die Almbachklamm gelaufen und hatte da bei einer ganz normalen Ernährung kein Problem, meine Figur zu halten, weil der Stoffwechsel gestimmt hat. Doch das Fahrradfahren bringt mir nicht so viel und so muss ich halt jetzt beim Essen aufpassen«, erklärt Hanke, der es jedoch noch nicht gelernt hat, sich beim Essen so einzuschränken, dass er wieder sein altes Gewicht erreicht. »Man sollte alles ausgewogen in einer entsprechenden Mischung essen, dann isst man gesund und auch figurbewusst«, so Hanke, der auch weiß, dass in einer ausgewogenen Ernährung alles enthalten ist, was der menschliche Körper braucht, um zu funktionieren. So isst er genauso gerne ein Steak wie ein Gemüsegericht.

Fleisch oder Gemüse? Stimmen Sie ab bei der »Berchtesgadener Anzeiger«-Facebook-Umfrage:

 

Sarhat Yildiran vom Grillstüberl isst, was ihm schmeckt. Nur fleischlos zu essen, wäre dem Berchtesgadener mit türkischen Wurzeln zu einseitig. Fleischloses Essen hält der Koch für falsch, weil dem Körper dann etwas fehlt, was durch nichts zu ersetzen ist. »Viele essen Nahrungsergänzungsmittel, was ein totaler Quatsch ist, weil alles in einer richtigen Ernährung enthalten ist«, findet Yildiran. Für genauso unsinnig hält er fleischlose Produkte, die nach Fleisch schmecken.

Es müsse nicht immer Fleisch auf den Tisch kommen, aber es gehöre einfach zu einem ausgewogenen Speiseplan, sagt Regina Maier. Es solle jeder so machen, wie er meine, dennoch hält sie von einer veganen Lebensweise nichts. Großen Wert legt Maier darauf, beim Einkauf zu wissen, woher die Produkte kommen. Daher sieht man sie auch immer am Freitag beim Wochenmarkt auf dem Weihnachtsschützenplatz, wo heimische Produkte angeboten werden.

»Wer abnehmen möchte, muss sich regelmäßig sportlich betätigen, dazu reicht der Speiseplan nicht«, ist sich der 35-jährige Tobias Dollinger sicher, der immer noch eine sehr sportliche Figur hat. »Ein Steak mit Salat ist schon etwas ganz Besonderes«, so Dollinger.

»Meine Frau sorgt dafür, dass wir uns gesund ernähren«, berichtet der Pädagoge Martin Huber, vielen Berchtesgadenern als Direktor des Zirkus »Azebu« bekannt. »Ich müsste mehr Gemüse essen, aber Fleisch und Wurst schmecken halt besser«, so Huber zu seinen Essgewohnheiten.

Weltenbummler Jürgen Geilich, dem man nicht ansieht, dass er bald im neunten Lebensjahrzehnt ist, schwört auf eine Vier-Säulen-Theorie. Eine davon ist das gesunde, maßvolle, nährstoff- und ballaststoffreiche Essen.

Multi-Sportfunktionär und Ex-Fußballtrainer Hannes Schneider hält sich durch eine ausgewogene Ernährung fit. »Nach unserer letzten Schiffsreise stehen jetzt wieder mehrere Trainingseinheiten auf meinem Plan. Dann schmeckt das Essen noch einmal so gut. Dabei kommt alles auf den Tisch, was die Natur uns bietet. Ich esse sowohl Fleisch als auch Gemüse und Salat sehr gerne«, verrät Schneider.

Der Wirt des Gasthauses »Goldener Bär«, Peppi Haslinger, muss als Koch seine Speisen selbst probieren. Er legt Wert darauf, gutes Fleisch und guten Fisch – nicht zu fett gebraten – mit viel Gemüse und Salat zu essen, sonst müsse er noch mehr radfahren, als Haslinger es ohnehin schon praktiziert. »Im Frühjahr lasse ich mir jedoch auch einmal eine pfundige Brotzeit mit Radi, Radieserl und Liptauer schmecken. Des Weiteren nimmt Haslinger gerne vitaminreiche Smoothies zu sich und trinkt nur mäßig Alkohol. Christian Wechslinger