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Fleißige Holzfäller und leidenschaftliche Fischjäger

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Diese Biber-Fraßstelle hat Walter Klusmann an der Berchtesgadener Ache neben der Bundesstraße 305 unweit der Breitwiesenbrücke entdeckt. (Foto: Klusmann)

Berchtesgaden – Die Uferbereiche der Berchtesgadener und Ramsauer Ache sind seit einigen Jahren Biberland. Aktuell deuten wieder mehrere abgenagte Baumstämme in den Uferbereichen auf das Vorkommen des geschützten Nagetiers hin. Während der Biber hierzulande aber bislang keinerlei Probleme macht, verärgert ein anderes zugewandertes Tier vor allem die Eigentümer von Fischteichen: der Fischotter.


Antje Trinks, Walter Klusmann und Gerhard Benischke haben dem »Berchtesgadener Anzeiger« zuletzt mehrere Fotos von abgenagten Baumstämmen an der Berchtesgadener Ache unweit des Gymnasiums geschickt. Das Fraßbild ist eindeutig: Hier ist mindestens ein Biber am Werk. Wie viele sich dort tatsächlich tummeln, ist ohnehin nicht bekannt. Vermutlich ist aber jenes Tier dabei, das vor zweieinhalb Jahren schon einmal im Mühlbach für Unruhe gesorgt hatte. Mitarbeiter des Hofbrauhauses und des hiesigen Fischereivereins Berchtesgaden-Königssee konnten den Nager damals aber vertreiben.

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Antje Trinks hat darüber hinaus Biberspuren auch im Bereich der Ramsauer Ache nahe Stangenwald entdeckt. Einen Baum hat das Tier dort bereits zu Fall gebracht. Auch im Bereich der Kläranlage war bereits vor zwei Jahren ein Biber am Werk.

Bis zu 250 Biber im Landkreis

Beim Landratsamt Berchtesgadener Land, wo Mathias Kringer für das Thema Biber zuständig ist, weiß man aufgrund einzelner Hinweise aus der Bevölkerung, dass es entlang der Berchtesgadener Ache einzelne Biber gibt. »Wo dort genau und in welcher Anzahl ist uns nicht bekannt. Eine dauerhafte Ansiedlung halten wir für eher unwahrscheinlich«, teilt Pressesprecher Andreas Bratzdrum auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« mit.

Während der Biber im südlichen Landkreis also nur sehr vereinzelt vorkommt, gibt es im Norden und der umliegenden Region größere Populationen, vor allem in den Flussauen. So kommen Biber unter anderem in der Marzoller Au, in den Saalach- und Salzach-Auen, entlang der Sur und der Stoißer Ache inklusive Nebengewässern vor. Schätzungen gehen von einem Biberbestand von 200 bis 250 Tieren im Landkreis aus.

Wiederansiedelung seit den 70er Jahren

Beim Landratsamt geht man davon aus, dass es im gesamten Landkreis schon zu früherer Zeit Biber gab. Darauf deuten unter anderem Gewässernamen wie Bibersbach (Triebenbacher Au) oder Bibersgraben (im Surtal bei Sillersdorf) hin. In der Neuzeit begann die Wiederansiedlung des Bibers in den 70er Jahren. Damals hatte man in Bayern und im angrenzenden Österreich (am unteren Inn) Biber ausgesetzt. Um 1985 erreichten Biber den Salzach-Auwald zwischen Laufen und Sur-Mündung, von wo aus die Besiedelung der Flussläufe Sur und Saalach mit deren Nebengewässern erfolgte. Aufgrund umfangreicher Fließgewässerkorrekturen wie Gewässerbegradigungen oder Ausbaumaßnahmen und der Nutzungsintensivierung vieler gewässernaher Flächen in den letzten 150 Jahren war die ehemals günstige Lebensraumsituation für den Biber im Norden des Landkreises erheblich eingeschränkt worden. Dadurch kann es heute zu Konflikten mit Forst- und Landwirtschaft kommen.

Aufgrund der hier extremen Lebensraumbedingungen (Wildbäche und Großachen mit starkem Längsgefälle, entsprechender Fließgeschwindigkeit und hohen Wasserspiegelschwankungen) sind die Gewässer im südlichen Landkreis als Lebensraum für Biber weniger geeignet. »Hier werden sich Biber nur dann ansiedeln, wenn sie sonst keine für sie besseren Orte finden«, heißt es aus dem Landratsamt. Deshalb weiß man bislang auch nichts von irgendwelchen Dammbauten, die zu Problemen führen könnten. Und sollte es doch einmal zu Problemen mit Bibern kommen, dann gibt es dafür im Landkreis zwei ehrenamtliche staatlich ausgebildete und geprüfte Biberberater.

»Abstand halten«

Biber, die sich von Kräutern, Gräsern und Weichhölzern, von Ackerfrüchten, Edellaub- und Nadelbäumen ernähren, halten sich vornehmlich im Wasser auf und gehen nur an Land, wenn es sein muss. In der Regel wird man die Nager deshalb nicht zu Gesicht bekommen. Und wenn doch, dann rät das Landratsamt: »Grundsätzlich gilt wie bei jedem Wildtier: Abstand halten.«

Fischotter macht Probleme

Während also im südlichen Landkreis kaum mit Problemen wegen der Biber zu rechnen ist, legt sich ein anderes zugewandertes Tier vor allem mit den Eigentümern von Fischteichen an: der Fischotter. Siegfried Lenz, 1. Vorsitzender des Fischereivereins Berchtesgaden-Königssee, weiß in den letzten beiden Jahren von mehreren Vorfällen. So habe ein jagender Fischotter ganze Fischteiche leer geräumt. »Im Loipl und in der Ramsau hat ein Otter Forellen und Störe bis zu einer Größe von 1,25 Meter getötet«, schildert Lenz. Bilder einer Überwachungskamera und gefundene Spuren hätten den Fischotter als Täter überführt.

Beim Landratsamt bestätigt man das Vorkommen des Tieres im Landkreis. Pressesprecher Bratzdrum: »Es ist bekannt, dass sowohl im südlichen Landkreis wie auch im mittleren und nördlichen Landkreis Fischotter vorhanden sind. Der Fischotter gehört aber im Gegensatz zum geschützten Biber zum jagdbaren Wild.« Ulli Kastner