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Flüchtlingswelle überschwemmt Landkreis

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Ein ehemaliges Hotel in Bischofswiesen dient als eine von drei Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis Berchtesgadener Land. Bis zu 80 Asylbewerber werden dort – nach einem Ausbau – unterkommen. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden – Der Strom von Asylbewerbern in das Berchtesgadener Land reißt nicht ab. Mittlerweile sind 319 Personen in den Einrichtungen untergekommen, wie der »Berchtesgadener Anzeiger« aus dem Landratsamt erfuhr. In wenigen Tagen schon dürfte sich die Lage deutlich zuspitzen.


»Aktuell bekommen die Landkreise keine Asylbewerber zugewiesen«, weiß Stefan Neiber, Pressesprecher im Landratsamt. Grund dafür ist der Ausbruch der Masern vor zwei Wochen in der Münchner Bayernkaserne, einer Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. Ein bayernweiter Aufnahme-Stopp wurde verhängt, die Maßnahme gilt für 18 Tage, so lange dauert auch die Inkubationszeit bei Masern.

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Die örtlichen Gesundheitsbehörden führten zunächst Impfungen durch, um eine Ausbreitung der Masern zu verhindern. Es dürfen keine Flüchtlinge aufgenommen werden. Ebenso werden keine Asylbewerber von der Erstaufnahmestelle in andere Unterkünfte verlegt.

»Bei uns passiert derzeit gar nichts«, sagt Pressesprecher Neiber. Es gelte abzuwarten, solange, bis der Aufnahme-Stopp wieder aufgehoben wird. Dann steigt auch wieder die Zahl der Asylbewerber.

Viel zu tun gibt es in den dezentralen Einrichtungen und den drei großen Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis ohnehin. In Berchtesgaden gibt es mittlerweile drei dezentrale Einrichtungen, an der Königsseer Straße, im ehemaligen Café »Waldluft« sowie in einem Privathaus unweit der »Watzmann Therme«. Weitere dezentrale Einrichtungen existieren in Bayerisch Gmain, Bad Reichenhall, Teisendorf, Freilassing und Laufen.

Die größte Einrichtung des Landkreises befindet sich in Bischofswiesen, eine Gemeinschaftsunterkunft beim »Panorama Park«, aktuell befinden sich dort rund 50 Personen. Maximal 80 könnten im Gebäude unterkommen. Allerdings ist eine Etage noch nicht entsprechend ausgebaut, um den Brandschutzvorkehrungen Genüge zu leisten. Zwei weitere Gemeinschaftsunterkünfte wurden in Piding und Freilassing eröffnet.

Allein in den drei größten Einrichtungen, die von der Regierung von Oberbayern verwaltet werden, befinden sich 110 Personen. Die dezentralen Asylbewerber-Unterkünfte zählen 197 Flüchtlinge. Auch Minderjährige ohne Begleitung werden im Landkreis aufgenommen, zwölf Kinder und Jugendliche sind es zum jetzigen Zeitpunkt.

Die meisten Asylanten stammen aus Syrien (56), aus Afghanistan (54) und Nigeria (47). 34 Pakistani sind dem Berchtesgadener Land zugewiesen worden, 27 Leute kommen aus Eritrea, 21 Iraker zählt die Statistik, zwölf Iraner sind zu Gast, zehn Personen kommen aus der Russischen Föderation. Weitere Herkunftsländer sind Armenien, Äthiopien, Jordanien, Kongo, Senegal, Sierra Leone, Türkei, Uganda und Vietnam.

Bis zur Aufhebung des Aufnahmestopps werden von Bayern lediglich Asylbewerber aufgenommen, für die eine alleinige Zuständigkeit Bayerns für die Bearbeitung der Asylanträge besteht.

Ab dem 12. September dürfte sich die Lage in den hiesigen Unterkünften aber gravierend zuspitzen, wie aus dem Landratsamt zu erfahren war. Dann endet der Aufnahme-Stopp. Bayern wird dann das von anderen Bundesländern zeitweise übernommene Kontingent entsprechend seiner Aufnahmeverpflichtung erbringen müssen.

»Wir erwarten eine große Zahl an Asylbewerbern, die uns wegen des Aufnahme-Stopps bislang nicht zugeteilt worden waren«, so Stefan Neiber. Ob diese unterkommen können, weiß zu diesem Zeitpunkt niemand. Bis Ende des Jahres könnten bis zu 450 Asylbewerber im Berchtesgadener Land aufgenommen werden, wenn sich der Zustrom wie bisher weiterentwickelt. Kilian Pfeiffer