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Flüssiger Wegzoll für Maibaum vom Vorderbrand

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Mit dem Grenzübertritt bei der Höllgrabenbrücke begann für den Vorderbrand-Maibaum der gefährlichste Teil der langen Reise.
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Maibaumaufstellen auf dem Kleinen Barmstein.

Berchtesgadener Land – Das trockene Wetter mit angenehmen Temperaturen machte es möglich: Gleich mehrere zünftige Maibaumfeiern lockten am Mittwoch zahlreiche Menschen hauptsächlich in die Biergärten des Berchtesgadener Talkessels.


Das größte Remmidemmi herrschte wohl beim Gasthof »Waldstein« in Schönau am Königssee, wo nach »Anzeiger«-Schätzungen bis zu 700 Besucher beim Aufstellen des Maibaums zuschauten oder sogar mithalfen.

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Auch beim Gasthof »Kohlhiasl« in der Oberschönau wurde wieder ein Maibaum aufgestellt. Maibaumfeste gab es darüber hinaus beim »Allweglehen«, beim Gasthaus »Oberstein« und beim »Auerwirt« in der Oberau. Schließlich traf man sich auch in der Gemeinde Bischofswiesen zum Maifest bei der »Pfaffenalm« in Winkl.

Veranstalter des Maifestes beim Gasthaus »Oberstein« in der Scheffau war Wirt Peter Riedl. Ihm zur Seite standen die Männer und Burschen der Scheffauer Vereine. Der diesjährige Baum hat eine Länge von rund 26 Metern und es bedurfte einiger Anstrengung, das Aufrichten unfallfrei durchzuführen.

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26 Meter hoch ist der Baum beim Gasthof »Oberstein«. (Fotos: Wechslinger und Heger)

Für das Aufstellen des Maibaums auf dem ausgesetzten Gipfel des Kleinen Barmsteins sind die Burschen vom Mehlweg und die Barmstoanerer zuständig. Ist der alte Baum noch brauchbar, dann wird er nur abgekränzt, neu gestrichen und wieder neu aufgekränzt. Nur wenn der alte Baum unbrauchbar ist, wird ein neuer verwendet. Der händische Transport auf den Gipfel ist freilich mühevoll. Heuer hat der Baum eine Länge von rund 15 Metern. Um 12 Uhr wurde nach dem B-Läuten in Dürrnberg gebetet und der Baum dann in die Vertikale gehievt. Nachdem die Schützen einige Schüsse abgefeuert hatten, traf man sich zum Feiern bei Stefan Koch im Oberbarmsteinlehen.

Eine besondere Überraschung erlebten die Burschen aus der Gruppe »D‘Waldstoana«, die nach dem Schlagen des Maibaums am Vorderbrand die Vorderbrandstraße zu Tal fuhren und an der Gemeindegrenze zu Berchtesgaden plötzlich von einem uniformierten Kontrolleur des Marktes Berchtesgaden gestoppt wurden. Denn nach einem alten Brauch ist beim Überschreiten der Gemeindegrenze wie im Mittelalter ein Wegzoll zu entrichten. Der konnte in Bier abgegolten werden, das von einer heimischen Brauerei und einem steinreichen Villenbesitzer und Schafzüchter spendiert wurde. Dieser Mäzen und einer ehemaliger höherer Feuerwehrcharge sollen die gelungene Aktion auch inszeniert haben.

Fotos vom Maibaumaufstellen im Berchtesgadener Talkessel:

Beim Bergwachthaus folgte die Verpflegung der Mannschaften, die mit dem Schlagen und Schäbsen des Baumes sowie dem Abtransport ins Tal bereits seit 6 Uhr früh am Weg waren. D‘Waldstoana waren dann froh, als sie nach dem Hirschensprung endlich wieder eigenes Hoheitsgebiet erreichten und so rechtzeitig zum Aufstellen des Maibaumes beim Gasthaus »Waldstein« kamen.

Zunächst hielt man zu den Worten von Pater Kajetan im Gedenken an den mehrfachen Maibaumspender Martin Stocker inne, der kürzlich verstorben ist. Unter der Leitung von Wasti Lenz jun. stellte man dann den von Hans Wein spendierten Baum auf.

Das Aufstellen mit viel Muskelkraft wurde überall von vielen Besuchern aus nah und fern interessiert beobachtet. Nach der schweißtreibenden Arbeit feierte und tanzte man zu den Klängen heimatlicher Musik. Besonders geschickte und flinke Burschen und manchmal auch Mädels bestiegen seilgesichert den Maibaum und holten sich allerhand Wertvolles aus großer Höhe. cw/FH