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Fast die komplette Führungsriege der Kreisbrandinspektion BGL nahm an der Fortbildung zu Einsätzen mit Hochvoltfahrzeugen teil (v. l.): Landratsstellvertreter Helmut Fürle, Kreisbrandrat Sepp Kaltner, Stadtbrandmeister Franz Gruber, die Kreisbrandmeister Michael Brandl, Harald Pirker, Rainer Holzner, Stefan Landauer, Manfred Dufter und Thomas Fritsch, Christian Buchwinkler, Berufsschulleiter Dr. Martin Brunnhuber. (Foto: Karin Kleinert)

Fortbildung in puncto E-Autos für die Kreisbrandinspektion BGL in der Berufsschule Freilassing

Berchtesgadener Land – Rettungskräfte, die zu einem Einsatz mit E-Fahrzeugen gerufen werden, brauchen entsprechendes Wissen. Neben Polizei und Rettungsdiensten betrifft dies auch die Feuerwehren. Um gut für den Ernstfall gerüstet zu sein, bietet der Kreisfeuerwehrverband des Berchtesgadener Landes den Freiwilligen Feuerwehren die Fortbildung »Einsatzgrundsätze für Rettungskräfte bei Ereignissen mit Elektro- und Hybridfahrzeugen« an. Als vor kurzem fast die komplette Führungsebene der Kreisbrandinspektion BGL und ihr Chef Kreisbrandrat Sepp Kaltner die Schulbank drückten, bekam auch der Berchtesgadener Anzeiger einen Einblick in die interessante Materie.


Christian Buchwinkler hielt die gut dreistündige Fortbildung in den Unterrichtsräumen der Berufsschule ab. Als Lehrer, Werkstattleiter der KFZ-Technik und Ausbilder bei der Feuerwehr ist der Berchtesgadener geradezu prädestiniert für diese Aufgabe, die er ehrenamtlich ausübt. Seit 2014 hat er im Unterricht mit E-Mobilität zu tun. Weil es zu dieser Zeit zu wenige Informationen für die Wehr gegeben habe, so der Berufsschullehrer gegenüber der Heimatzeitung, sei es für ihn naheliegend gewesen, für seine Kollegen von der Wehr einen Lehrgang zur Hochvolttechnik zusammenzustellen. Im Jahr darauf hat er seinen Kollegen erstmals diese wichtige neue Materie nähergebracht. Weil die zunehmende E-Mobilität immer mehr an Bedeutung gewinnt, sind die Kurse, an denen bis zu 25 Personen teilnehmen können, gefragt. Viele Ehrenamtler der 22 Freiwilligen Landkreis-Feuerwehren wurden in bis dato 27 Lehrgängen bereits von Buchwinkler geschult.

Um den bestmöglichen Theorie- und Praxis-Unterricht zu gewährleisten, finden die Lehrgänge seit diesem Jahr in der Berufsschule statt. Dort stehen verschiedene HV-Fahrzeuge als Anschauungsmaterial zur Verfügung, aber auch Batterien, die wichtigsten und teuersten Bauteile eines Elektroautos.

In ihren Begrüßungsworten lobten Berufsschulleiter Dr. Martin Brunnhuber und Landratsstellvertreter Helmut Fürle die mit diesen Fortbildungen erzielten Synergieeffekte. Die vom Landkreis mit moderner Technik ausgestattete Schule und das vorhandene Expertenwissen würden den Feuerwehren sehr zu Gute kommen. Außerdem profitieren beide Seiten hinsichtlich der Nachwuchsförderung, denn der ein oder andere Mechatroniker-Azubi entscheidet sich, ein ehrenamtlicher Feuerwehrler zu werden und umgekehrt. Helmut Fürle wies auf einen weiteren wichtigen Aspekt hin, nämlich, dass solche Lehrgänge den Selbstschutz der Einsatzkräfte enorm erhöhen.

Die Schulung begann mit einem ausführlichen Theorieteil. Zuerst wurde ein Video mit Grundlagenwissen gezeigt. Danach stellte Christian Buchwinkler Vor- und Nachteile alternativer Antriebe vor, er informierte über rechtliche Grundlagen sowie über die Fahrzeugtechnik von E- und Hybrid-Autos. Er erklärte viele neue Begriffe wie e-Boost, Rekuperation, HV-Eigensicherung (HV für Hochvolt) und freischalten. Ganz wichtig: der »Service-Notfalltrennschalter zur Deaktivierung der Hochvoltanlage«, so der Fachbegriff des landläufig genannten Freischaltsteckers. Mit diesem kann die Feuerwehr das Auto nach einem Unfall deaktivieren und spannungsfrei schalten. »Chef ist die 12-V-Batterie, erst wenn die abgeklemmt ist, geht es weiter«, betonte er. Damit die Wehrler diese Freischaltstecker sofort finden, müssen sie lernen, die sogenannten Rettungskarten zu lesen und zu verstehen. Diese befinden sich im Idealfall gut sichtbar im Auto, ist das nicht der Fall, können sich die Einsatzkräfte die Infos digital holen. Zum Thema Fahrzeugbrand sagte Buchwinkler, dass dies eigentlich »nichts Tragisches« sei. In den Medien werde jedoch immer groß berichtet, wenn ein E-Auto brennt. Die Feuerwehr brauche zwar drei- bis fünf Mal mehr Löschwasser und Wasser zum Nachkühlen der Batterie, ansonsten sei es wie bei jedem anderen Brand. Wichtig auch das danach: das E-Auto muss zu einem sicheren »Quarantäne«-Platz transportiert werden, ließ Buchwinkler die Teilnehmer wissen.

Danach hieß es für die Kreisbrandinspektoren und Kreisbrandmeister ran an die Autos. Christian Buchwinkler demonstrierte an den einzelnen Modellen, wo sich die Freischaltstecker befinden und wie man sie bedient. Hier zeigte sich besonders gut, warum regelmäßige praktische Fortbildungen so wichtig für die Rettungskräfte sind: in einigen Fahrzeugen haben diese Stecker zwar auffällige Farben, man muss aber wissen, wo man hin fasst, da einige ausgesprochen gut »versteckt« sind. Nun wurden noch unterschiedliche Einsatzszenarien durchgespielt, die im Ernstfall von der Leitungsebene bewältigt werden müssen.

Am Ende des informativen Abends lautete das Fazit des Berchtesgadenerst: »Es sind viele spannende Themen. Wenn man weiß, auf was es alles ankommt, ist eigentlich nichts dabei«.

Karin Kleinert