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Fotos und Geschichten auf der Reiteralpe

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Die Wirtsleute der Traunsteiner Hütte: Maria Herbst und Thomas Krüger. Fotos: Anzeiger/B. Stanggassinger
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Der Ziegenbart.
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Der Schwalbenwurzenzian.

Ramsau – Die Traunsteiner Hütte liegt am wildromantischen Hochplateau der Reiteralpe. Die Ursprünglichkeit und die einzigartige Flora machen den Gebirgszug zwischen Ramsau und Oberjettenberg zu einem Juwel für Pflanzen und Naturliebhaber. »Anzeiger«-Fotograf Bernhard Stanggassinger besuchte das Schutzgebiet im Nationalpark am Dienstag und brachte neben schönen Fotos auch eine nette Geschichte mit.


Es war ein eher trister Tag, an dem Bernhard Stanggassinger auf Tour ging. Wenigstens war es trocken. Als Fotomotiv wählte er beispielsweise die Goldgelbe Koralle, eine Pilzart der Schweinsohrverwandten. Sie ist neben anderen ähnlich geformten Pilzen auch unter dem eindeutigen Namen Ziegenbart bekannt. Dann entdeckte der »Anzeiger«-Fotograf den Deutschen Enzian, den Schwalbenwurzenzian, farbenprächtige Disteln, Bartflechten an uralten Fichten, mit Preiselbeeren umwachsene Baumstümpfe, zierliche Glockenblumen, verziert mit Wassertropfen, oder auch Lichtspiele in mit Wasser beträufelten Lärchen.

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Schon seit 13 Sommern bewirtschaften die Wirtsleute Maria Herbst und Thomas Krüger die Neue Traunsteiner Hütte. Auf der Hütte traf Bernhard Stanggassinger eine Gruppe von holländischen Soldaten. »Gott sei Dank sind die hier« sagte die Wirtin, denn an diesem Tag hatte sie witterungsbedingt nicht einen einzigen Tagestouristen. Wenigstens war somit ausreichend Zeit für ein ausführliches Gespräch mit Bernhard Stanggassinger.

Unannehmlichkeiten gab es kürzlich mit zwei Damen aus Berlin. Sie akzeptierten die Hinweise nicht, dass das Verzehren von mitgebrachten Speisen hier nicht erwünscht ist. Unfreundlichkeit wurde der Wirtin unterstellt, als sie freundlich anderen Gästen Tourentipps gab. »Ich bin nicht unfreundlich«, wehrte sich die Wirtin. »Ja, dann sagen Sie uns doch, wie lange wir auf den hier gegenüberliegenden Gipfel brauchen«, forderten die Damen und zeigten auf das Häuslhorn. Die Wirtin Maresi erwiderte: »Drei Stunden.« Prompt kam die Frage: »Und wenn wir nur halb zum Gipfel wandern?«

»Vorsichtig muss ich schon sein, wenn ich Auskünfte gebe. So fragte mich kürzlich jemand, wie lange er zum Taubensee brauche«, erinnerte sich Maresi. Sie stellte daraufhin die Frage, von wo er denn aufgestiegen sei und wie lange er gebraucht habe. Die Wirtin erfuhr daraufhin, dass er über den Böslsteig acht Stunden gebraucht habe. Die Wirtin empfahl daraufhin die einfachere Abstiegsvariante über den Schrecksattel nach Oberjettenberg. Das aber wurde nicht akzeptiert.

»Ein ständiges Thema bei uns auf der Hütte ist das Wetter«, erzählt die rührige Wirtin. »Wir haben Internetverbindung und drucken jeden Tag den aktuellen Wetterbericht aus. Die Frage ›Wie wird das Wetter heute?‹ bleibt uns trotz allem nicht erspart.« Die Antwort »durchwachsen« versteht so mancher nicht. Die Wirtin: »Wie soll ich es denn sonst sagen, wenn Sonne, Regen und Wolken angesagt sind?« Ein Lächeln zieht durch das Gesicht der Wirtsleute auf die Frage, ob es nicht auch was Erfreuliches zu berichten gebe.

Gibt es tatsächlich. Zum Beispiel das: Werner Blohmann war hier oben zu Gast und äußerst zufrieden mit den Wirtsleuten. Als Dankeschön bekamen die beiden 70 Handtücher von seiner Firma Vossen geschenkt. »Sucht euch Farbe und Schriftzug selbst aus«, so der Firmenchef. Gerne denken die Wirstleute Maresi und Tom auch zurück an ihren ersten Gast vor 13 Jahren. Es war noch viel Schnee, als der Berggeher aus Gotha eintraf. Er war ein sogenannter »Berge-Sammler», denn der Mann hatte einen Hüttenführer der Ostalpen bei sich und benötigte für sein halbvolles Heft Stempel. Die Wirtsleute wählten ihn als Testesser. »Das könnt ihr so lassen«, stellte er fest und kündigte an, dass man sich in 15 Jahren wiedersehen werde. Es gab allerdings eine Sinneswandlung und der besagte Herr besuchte ab sofort jährlich die Traunsteiner Hütte. Es entstand eine Freundschaft und der treue Gast appellierte an die Wirtsleute: »Ihr dürft nicht kneifen, wir feiern das 25-jährige Jubiläum.«

Jetzt wollen die beiden aber erst einmal das laufende Jahr gut zu Ende bringen. Bis 26. Oktober sind sie noch oben und freuen sich auf hoffentlich viele Herbstwanderer. Die wiederum dürfen sich neben schönen Touren auch auf Gerichte von Hirsch und Gams sowie auf die Pinzgauer Gerstsuppe freuen. Bernhard Stanggassinger