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Frau Jedermann

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Auf einen Kaffee mit Kornelia Koller: Christian Fischer, stellvertretender »Anzeiger«-Redaktionsleiter, sprach mit der »Jedermann-Macherin über ihr ambitioniertes Projekt. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden – Noch kennt sie nicht jedermann. Das dürfte nach dem »Jedermann« allerdings anders sein. Denn Kornelia Koller bringt das weltberühmte Theaterstück nach Berchtesgaden. Die Rolle der Buhlschaft spielt Christine Neubauer, Deutschlands TV-Liebling Nummer eins. Ein Großereignis. Und das, obwohl es Kornelia Kollers erster Versuch als Veranstalterin ist.


Die Geschichte könnte aus einem Film mit Christine Neubauer sein: Eine gewöhnliche Frau in den besten Jahren startet durch. Wird Schauspielerin und Veranstaltungsmanagerin. Vor traumhafter Kulisse in den Alpen. Und wenn Kornelia Koller darüber erzählt, was sie im vergangenen Jahr erlebt hat, hört sich das tatsächlich wie ein modernes Märchen an.

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Viele spannende Geschichten beginnen mit dem seltsamen Wort »eigentlich«. Auch die von Kornelia Koller. Denn eigentlich hatte die Berchtesgadenerin an dem Abend, an dem die Geschichte begann, gar keine rechte Lust nach Salzburg zu fahren. Sommer 2012: Festspielzeit. »Aber irgend etwas hat mich dorthin gezogen«, erinnert sich die zierliche Frau mit der Löwenmähne.

Nach der Aufführung hat sie im »Republic« Helmut Vitzthum getroffen. Vitzthum ist der Chef der Freien Bühne Salzburg. Die beiden sind ins Gespräch gekommen. Er, der autodidaktische Schauspieler und Regisseur, schwärmte davon, in Berchtesgaden ein Theaterstück aufzuführen. Sie, die begeisterungsfähige Werbeagentur-Mitarbeiterin, war sofort angetan. Die beiden fingen an zu fantasieren. Der »Jedermann« im Kurgarten. Das wäre doch was.

»Das Projekt wurde zu meiner seelischen Motivation«, sagt Kornelia Koller. Sie schaut dabei versonnen in die Sonne. Und schweigt für ein paar Sekunden. Das macht sie öfter. So, als ob sie über ihre eigene Geschichte erstaunt wäre.

Doch das mit dem Kurgarten war schwierig. Die schwebende Diskussion über den Kongresshausumbau machte eine sinnvolle Planung unmöglich. Fix wurde das Ganze erst im März. Kongresshaus-Chef Sepp Wenig gab grünes Licht. Auch Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp war von Kollers Idee begeistert.

Jetzt musste nur noch ein Star her, ein Vollweib als Buhlschaft. »Ich habe sofort an Christine Neubauer gedacht«, sagt Koller selbstbewusst. Und hat einfach bei der Agentur der bekanntesten deutschen Schauspielerin gefragt. Zwei Wochen später kam die Zusage. »Die darauf folgende Nacht konnte ich nicht schlafen«, lacht Koller.

Doch insgesamt halte sich die Nervosität in Grenzen. »Ich bin positiv eingestellt«, schmunzelt die Jedermann-Macherin. Den Optimismus braucht sie auch. Immerhin veranstaltet sie das Spektakel nicht nur. Sie spielt auch selber mit. In der Rolle der Mutter. Und zwar – so gut es eben geht – in richtigem Bühnendeutsch, das sie extra antrainiert hat. Nicht schlecht für jemanden, der zuletzt als Jugendliche bei Peter Karger Laientheater gespielt hat.

Besser aufzutreten. Das habe sie in den vergangenen Monaten gelernt. Als Schauspielerin genauso wie als Veranstalterin. »Es war Learning bei Doing«, gibt Koller zu. Aber bis jetzt habe alles funktioniert.

Große Premiere für das Ensemble ist am nächsten Wochenende in Xanten. Zwei Aufführungen mit jeweils 1 200 Zuschauern. Dort wird Kornelia Koller auch endlich Christine Neubauer persönlich kennenlernen. »Ich freue mich schon so darauf«, schwärmt Koller. Das ZDF ist exklusiv dabei. Von dem Fernsehbeitrag erhofft sich Koller einen Werbeeffekt für die Aufführungen in Berchtesgaden. Sollte die Ticketnachfrage enorm sein, wird es am 11. August eine dritte Aufführung geben. »Frau Neubauer ist optional auf diesen Termin gebucht. Das ist kein Problem«, sagt Koller.

Kein Problem, positiv denken, das wird schon: Wenn man Kornelia Koller zuhört, dann klingt es so, als hätte sie in ihrem Leben nie etwas anderes gemacht, als Mega-Events zu organisieren. Dabei wird es für die Berchtesgadenerin ein Wagnis aus Leidenschaft. Was glatt ein Titel für einen Film mit Christine Neubauer sein könnte. Christian Fischer