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Frechdachs auf dem Friedhof

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Da steckt der Hirsch den Kopf in den Sand: Der Dachs hat an diesem Grab am Alten Friedhof die Dekoration durcheinander gebracht und die Erde umgegraben. Die Gemeinde will das Tier fangen, hatte aber bisher keinen Erfolg. (Foto: Voss)

Berchtesgaden – Wer über den Alten Friedhof geht, der könnte denken, ein Vandale hat dort gewütet. Bei manchen Gräbern ist der Grabschmuck umgekippt, die Blumen halb herausgerissen und Mulden sind in der Erde. Daran ist aber kein Mensch, sondern wahrscheinlich ein Dachs schuld. Geschäftsleiter der Gemeinde, Anton Kurz, teilte am Telefon mit: »Wir haben seit Herbst eine Fangerlaubnis von der Unteren Naturschutzbehörde. Aber wir hatten noch keinen Erfolg.« Gärtner Albrecht Sommer, der zurzeit oft auf dem Friedhof arbeitet, bezweifelt, dass es sich um einen Dachs handelt: »Da sind eher Katzen am Werk«, vermutet er.


Auffällig ist, dass hauptsächlich Gräber mit schwarzer, frischer Erde durchwühlt sind. Wie Gärtner Albrecht Sommer auf Nachfrage mitteilt, sind darin teilweise Maden oder Engerlinge zu finden. Das scheint dem Dachs zu schmecken. Er holt sich den Leckerbissen und verschwindet wieder in seinem Bau – und niemand weiß, wo der ist. »Wir vermuten, dass der Dachs in der Nähe des Kindergartens wohnt«, so Anton Kurz.

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»Wir haben schon die unterschiedlichsten Köder in der Lebendfalle probiert. Aber er hat noch nicht angebissen«, sagt Kurz. Der Dachs darf nicht getötet werden, wie zum Beispiel vom Jäger erschossen oder vergiftet. Er muss als geschütztes Tier lebend gefangen werden. »Dann wird er in ein anderes Gebiet gebracht, wo er sich wohlfühlt«, fügt Kurz hinzu.

Der Geschäftsleiter erinnert sich an ein Erlebnis mit dem schwarz-weißen Raubtier. Vor drei Jahren ging er abends im Markt spazieren, gegen 21.30 Uhr. »Ich war gerade in der oberen Fußgängerzone, als ich hinter mir etwas hörte.« Kurz staunte nach eigener Aussage nicht schlecht, als ihn plötzlich zwei Dachse überholten und rechts vor dem »Bier Adam« einbogen. »Sie wollten anscheinend rauf zum Soleleitungs-Steg.«

Wer Dachse kennt, weiß, dass die Verwandten der Marder nicht gerade klein sind. Mit ihren kräftigen Füßen und großen Krallen graben sie sich ihren Bau in die Erde. Eben wegen ihrer Fähigkeiten, tiefe und große Löcher zu buddeln, vermutet Gärtner Albrecht Sommer einen anderen Übeltäter hinter den kleinen Mulden am Friedhof: »Ein Dachs gräbt schon mal einen halben Meter tief, oder gräbt sich unter der Hecke durch, sodass auch ein Mensch durchkriechen könnte.« Am Friedhof habe Sommer schon lange keine Dachslöcher mehr gesehen. »Ich glaube, das sind Katzen, die die Mulden graben und dort ihr Geschäft verrichten.« So oder so: Es ist ärgerlich für diejenigen, die jetzt vor Ostern die Gräber bepflanzen und liebevoll dekorieren. Annabelle Voss