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Freilassing im Ausnahmezustand

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Rund 500 Flüchtlinge hat die Bahnpolizei aus den Fernreisezügen gebeten. Am Nachmittag wurde der Zugverkehr zwischen Salzburg und Freilassing dann vorübergehend wieder eingestellt. Der Rückstau in Salzburg war zu groß. (Foto: Hudelist)

Freilassing/Salzburg – Die Grenzkontrollen bei der Einreise nach Deutschland (siehe eigene Geschichte) und die immer wieder unterbrochene Zugverbindung sorgten am Montag für Chaos auf Straßen- und Bahnverbindungen und für eine Art Ausnahmezustand. Die Münchner Bundesstraße auf Salzburger Seite war seit den frühen Morgenstunden in beiden Richtungen blockiert, obwohl nur bei der Einreise kontrolliert wurde. Immer wieder unterbrochen war auch der Zugverkehr, da die Personenkontrollen in den Railjets oft bis zu einer Stunde dauerten. Am Nachmittag sollte das Rote Kreuz nahe des Freilassinger Bahnhofs eine Zeltstadt aufbauen, später hieß es, das Landratsamt koordiniere die gestrandeten Flüchtlinge und die Menschen auf der Flucht sollten an der Sägewerkstraße in ein ehemaliges Fabrikgebäude.


Zurück zum Sonntagabend: Nachdem Deutschlands Innenminister Thomas de Maiziere die Grenzkontrollen verkündet und die DB keine Züge mehr aus Österreich übernommen hatte, war für hunderte Flüchtlinge in Salzburg plötzlich Endstation. Ruhig und geordnet wurden 600 Menschen aus einem Zug in das Notlager in der Bahnhofstiefgarage gebracht. Einige der Flüchtlinge waren über die deutsche Grenzsperre bereits informiert, andere nicht. Die Behörden ließen sie zuerst einen Platz suchen und zur Ruhe kommen. Im Minutentakt strömten dann Hunderte Flüchtlinge in das Untergeschoss des Hauptbahnhofes. 700 Feldbetten standen bereit, die anderen 300 Personen mussten auf Matratzen und Isomatten die Nacht verbringen.

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Kontrollstelle an der Saalachbrücke

Am Montag war allen klar, dass sie vorerst in Salzburg bleiben müssen, am Nachmittag drohte dann die Lage kurz zu eskalieren, als einige Hundert auf den Bahnsteig und zu den Zügen drängen wollten.

 

Die angekündigten Grenzkontrollen liefen in Freilassing eher gemächlich an, entfalteten dann im Laufe des Vormittages aber ihre volle Wucht. Um Punkt 21 Uhr trafen die ersten drei Mannschaftsbusse der Bundespolizei an der Grenze ein. Mit Warnhüten wurde unmittelbar nach der Saalachbrücke auf deutscher Seite sofort eine Kontrollstelle eingerichtet. Wenig später liefen den Beamten drei Flüchtlinge ins Netz, die sich eine Stunde zuvor vom Hauptbahnhof kommend zu Fuß in Richtung Freilassing auf den Weg gemacht hatten. Auf Sonnenfeld zwischen der Polizeiinspektion und dem Bahnhof landeten bis zum späten Sonntagabend laufend Polizeihubschrauber, die Beamte der Bundespolizei nach Freilassing brachten. Genaue Zahlen gibt auch der Sprecher der Polizei nicht bekannt.

Bis 7 Uhr morgens war der Zugverkehr komplett unterbrochen, auch für Pendler und Schüler von Freilassing nach Salzburg gab es keinerlei Information, ob zumindest der S-Bahn-Verkehr wieder aufgenommen würde. Christian Häckl vom Albus, zuständig für die Linie 24, erklärte noch in der Nacht auf Anfrage, dass zumindest die Linie 24 »auch am Montag nach Fahrplan verkehre«. Der Bahnbetrieb selbst wurde um 7 Uhr wieder aufgenommen. Allerdings durften erst nur ÖBB-Korridorzüge mit Ziel Innsbruck auf die DB-Strecke.

Ausharren auf kaltem Boden

Gegen Mittag kam ein IC an, der zuvor stundenlang auf einem Gleis am Hauptbahnhof Salzburg gestanden war. Die Flüchtlinge aus Graz kommend hatten sich dort geweigert auszusteigen. In Freilassing, am Ziel ihrer Flucht, wurden sie von einer Hundertschaft Beamten aus dem Zug gebeten. Männer, Frauen und wieder viele kleine Kinder harrten auf dem kalten Boden des Bahnsteiges aus. Das Rote Kreuz musste drei Kinder wegen akuter Probleme in die Kinderklinik nach Traunstein bringen.

Die Schnell-Einsatzgruppe des BRK baute auf dem Gelände der ehemaligen OMV-Tankstelle Zelte auf, um die Flüchtlinge versorgen zu können. Später hieß es, die Menschen würden in ein ehemaliges Fabrikgebäude an der Sägewerkstraße gebracht. Auch aus einem regulären ÖBB-Railjet von Salzburg nach München holten die Beamten in Freilassing mehr als einhundert Menschen aus dem Zug, die Abfertigung dauerte fast eine Stunde. Eine Willkommenskultur mit freiwilligen Helfern sowie Essen und Trinken am Bahnsteig wie die Tage zuvor in Salzburg gab es in Freilassing nicht. Die Menschen hockten auf dem kalten Boden. Um ihre Notdurft zu verrichten, mussten sie hinter eine Plakatwand gehen. Nach Auskunft der Pressestelle der Bundespolizei in Rosenheim bestehe kein Handlungsbedarf für Bürger, Menschen zu versorgen. Die Flüchtlinge würden gruppenweise in Busse einsteigen und in die Erstaufnahme gebracht. In Freilassing sei kein länger andauerndes Problem zu erwarten. »Wir bekommen das in den Griff«, so eine Sprecherin der Bundespolizei. Michael Hudelist