Gericht, Gerichtsurteil
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Fünf Monate Haft für gestohlene Druckerpatrone

Berchtesgadener Land – Zweimal schon hatte der 39-jährige Kroate im Laufener Amtsgericht versprochen: »Nie wieder.« Doch nun stand der Gastronomie-Mitarbeiter erneut vor Gericht, weil er in einem Freilassinger Markt eine Druckerpatrone im Wert von 43 Euro mitgehen lassen wollte. Die Tat geschah unter offener Bewährung. Eine solche gab es diesmal nicht mehr.


Kurz vor Geschäftsschluss hatte die stellvertretende Filialleiterin den Mann im Obergeschoss suchend beobachtet und ihn gefragt, ob sie ihm helfen könne. Die Antwort war nein. Doch die 52-Jährige hörte und sah, wie der Angeklagte eine Druckerpatrone aus der Verpackung befreite. Sie folgte dem Kroaten in Richtung Ausgang, wo sie dem Filialleiter ein Zeichen gab.

Dort schlug schließlich die Diebstahlssicherung an. »Er stand wohl ein bisschen neben sich«, so der Eindruck der Frau, was ihr Kollege bestätigte: »Ganz gerade ist der nicht mehr gelaufen.« Der Angeklagte selbst schilderte, dass er neben einer Drogen-Substitution auch Diazepam genommen hatte und sich deshalb kaum erinnern könne. »Man verliert das Gefühl für Scham, Angst und Verantwortung«, so der Kroate. Der 39-Jährige hat fünf Einträge im Bundeszentralregister, drei davon wegen Diebstahls. Erst im April 2021 war er verurteilt worden, weil er beim Laufener Schloss drei Pakete hatte mitgehen lassen, in der Hoffnung, darin ein passendes Geschenk für seine Freundin zu finden. Das war nicht der Fall. Damals gewährte ihm der Richter eine zweijährige Bewährungschance.

Eine solche wollte ihm Staatsanwältin Sabine Krotky jetzt nicht mehr einräumen: »Nur sieben Monate nach dem Urteil greift er wieder zu.« Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Rechtsanwalt Florian Georg Eder würdigte das Geständnis seines Mandanten und sah aufgrund des Medikamenteneinflusses eine Strafrahmenverschiebung. »Er war sichtlich beeinträchtigt«, erinnerte der Verteidiger an die Zeugen. »Das Medikament nimmt er nicht mehr«, betonte Eder, weshalb eine Wiederholung nicht zu erwarten sei. Er beantragte vier Monate auf Bewährung. Richter Josef Haiker wollte eine Beeinträchtigung nicht ausschließen und entschied auf fünf Monate Haft, allerdings ohne Bewährung. Haiker verwies auf das vorhergegangene Urteil von vor einem Jahr. »Ich habe keinen Glauben daran, dass Sie dann unter zweifach offener Bewährung keine Straftaten mehr begehen würden«, so der Richter abschließend. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Hannes Höfer