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Gans schön mysteriös

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Still und starr ruht der Stall: Wie man deutlich sehen kann, ist er weder zu dunkel noch zu eng für sechs Gänse. (Foto: Fischer)
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»Das sind nicht unsere Gänse«, sagt die betroffene Familie. (Repro: Fischer)

Marktschellenberg – Der Diebstahl von sechs Gänsen Mitte November in Marktschellenberg wird immer mysteriöser. Erreichte den »Berchtesgadener Anzeiger« zunächst ein anonymes Bekennerschreiben militanter Tierschützer, so meldeten sich jetzt die Tierhalter selbst zu Wort. »Alles frei erfunden«, sagen sie.


Hans Grassl (alle Namen geändert) ist sauer, seine Frau Anna auch. Und der Vater, der Sepp, erst. »Das ist unverantwortlich. Das kann man nicht machen. Unser Ruf ist ruiniert«, schimpft er bei einem Besuch in der Redaktion. Was war passiert?

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In einem Bekennerschreiben hatten anonyme Tierschützer die Entführung der sechs Gänse zugegeben. Sie hätten sie aus der schlechten Haltung befreit. Der Stall sei zu dunkel, zu dreckig und zu eng gewesen, ohne Wasser und Nahrung. Als Beweis hatten sie ein Foto mitgeschickt. Darauf zu sehen sind zwei kleine Gänse in einem Pappkarton, der auf Stroh steht. Erkennbar ist auch ein Menschenbein in einer gestreiften Jogginghose. »Das sind definitiv nicht unsere Gänse«, sagt Hans.

Zum einen hätten die Gänse der Familie Grassl keine schwarzen Flecken gehabt, zum anderen seien sie viel größer gewesen. Auch das abgebildete Stroh sei viel zu fein und gequetscht. »Wir haben grobes Stroh, so wie man es von den Buttnmandln kennt«, weiß Hans.

Die Grassls sind inzwischen fix und fertig. Medien in ganz Bayern haben den »Anzeiger«-Artikel aufgegriffen und über den Gansdiebstahl inklusive Bekennerschreiben berichtet. In den sozialen Medien geht es seitdem rund. »Wir werden beschimpft«, ärgert sich Anna. »Die bezeichnen uns als Saubären. Dabei stimmt alles nicht«, sagt Vater Sepp. Bei einem Ortstermin in Marktschellenberg konnte sich der »Anzeiger«-Fotograf selbst davon überzeugen, dass der Stall groß und hell ist. »Dreckig is er scho a bissl. Aber Viecher machen halt Dreck«, sagt Sepp.

Wer hinter dem Diebstahl beziehungsweise dem gefälschten Bekennerschreiben steckt, ist nach wie vor unklar. Die Ermittlungen der Polizei haben nichts ergeben. Der stellvertretende Leiter der Inspektion Berchtesgaden, Andreas Schreyer, sagt auf Nachfrage nur: »Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen besonders schweren Diebstahls.« Christian Fischer