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Ganz Ramsau sucht nach »Tati«

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Da waren die Zwergrinder »Tati« (l.) und »Nati« noch glücklich vereint. Doch seit dem Verschwinden »Tatis« vermisst »Nati« ihre Schwester. (Foto: privat)

Ramsau – »Tati« (Tatiana) und »Nati« (Natalia) sind Zwergrind-Schwestern und hängen sehr aneinander. Doch seit Christi Himmelfahrt ist »Tati« spurlos verschwunden, nachdem sie im Bereich der Ramsauer Alpenstraße (Schwarzeck) von der Weide ausgebüxt ist. Jetzt ist nicht nur Schwester »Nati« traurig, sondern auch Eigentümer Hans Angerer hofft, dass das seltene Dahomey-Zwergrind, das ursprünglich aus Afrika stammt, bald wieder auftaucht.


Es war an Christi Himmelfahrt gegen 13 Uhr, als »Tati« und »Nati« durch den Elektrozaun schlüpften und im Eiltempo im Wald verschwanden. Nur durch den engagierten Einsatz der umliegenden Landwirte konnte »Nati« rund zwei Stunden später wieder eingefangen werden. »Tatis« Spur verliert sich dagegen am Ramsauer Schluchtweg, das Tier tauchte seitdem nicht mehr auf. Auch die gleich nach dem Ausbrechen alarmierte Polizei und die Freiwillige Feuerwehr Ramsau sowie viele hilfsbereite Nachbarn, Familie, Freunde und Bekannte konnten sie trotz intensiver Suche nicht mehr aufspüren. »Jetzt vermisst ›Nati‹ ihre Schwester ›Tati‹ sehr und liegt bekümmert im Freilauf-Stall«, sagt Besitzer Hans Angerer vom Pletzerweg.

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Die Familie Angerer besitzt die Tiere rein zur Zucht und zu landschaftspflegerischen Zwecken. »Sie werden bei uns nicht geschlachtet und sehen einem sehr schönen und bis zu 20 Jahre langen Leben entgegen«, sagt Hans Angerer. »Tati« ist mittlerweile acht Monate alt, nur etwa 80 Zentimeter groß und hat schwarzes, kurzes flauschiges Fell. Am Bauch ist sie weiß. »Das Rind ist sehr reinlich und neugierig, andererseits aber auch schreckhaft«, erklärt Hans Angerer. Zu fürchten braucht sich vor »Tati« jedenfalls niemand, denn laut Angerer ist sie in keiner Weise gefährlich.

Die Dahomey-Rinder sind eine sehr seltene, vom Aussterben bedrohte Rinderrasse, die sonst im Landkreis Berchtesgadener Land nirgendwo vorkommt und nur im Zoo (zum Beispiel Hellabrunn in München) zu bewundern ist. Es handelt sich um die kleinsten, natürlichen (also nicht klein gezüchteten) Rinder der Welt. Sie werden bis zu 1,10 Meter groß und wiegen bis zu 250 Kilogramm.

Ursprünglich kommen die Dahomey-Zwergrinder aus Afrika. Zur Kolonialzeit gelangten sie nach Europa und waren, bedingt durch ihre Kleinwüchsigkeit, eine Attraktion. Von einem Antwerpener Zoo ausgehend, entstand die europäische Linie des Dahomey-Zwergrinds, der auch »Tati« und »Nati« angehören.

Hans Angerer geht davon aus, dass es sehr schwierig werden wird, »Tati« wiederzufinden. »Dahomeys sind sehr schnell, sie laufen mit bis zu 40 km/h. Außerdem verwildern sie in der Freiheit schnell«, sagt der Ramsauer.

Die Polizei Berchtesgaden ist über das Verschwinden von »Tati« informiert und nimmt unter Telefon 08652/94670 Hinweise entgegen. Ulli Kastner