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Gaudi mit Tiefgang und Trockeneis

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Schmäh, Ironie und gnadenloser Wortwitz: Seiler (l.) und Speer..
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Beste Partylaune im Kongresshaus.
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Gigantische Lightshow mit Silberregen und Trockeneis. (Fotos: Tessnow)

Berchtesgaden – Der Große Saal platzte am Sonntagabend fast aus allen Nähten und wurde zu einem Hexenkessel.


1 200 Fans feierten den grandiosen Auftritt des neuen Austropop-Star-Duos. Mit effektvoller Bühnenshow, einer top eingespielten Band und brandneuer CD »Und weida?« begeisterten Seiler und Speer das Berchtesgadener Publikum und verwandelten das Kongresshaus in einen Partypalast.

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Fans bezeichnen sie als »grenzgenial«, und wenn beim ersten Song die Stimmung im Publikum fast euphorischer ist, als bei manchen Konzerten in der Zugabe, kann das auch stimmen. Den Gassenhauer und Millionenseller »Ham kummst« kennt mittlerweile jeder. Die beiden Niederösterreicher reiten seit ihrem Megahit auf einer gigantischen Erfolgswelle und das gleichnamige Debütalbum wurde mittlerweile fünffach mit Platin ausgezeichnet. Ihre aktuelle Tournee mit dem Slogan »Jetzt geh' ma's schoaf au!« sowie der Berchtesgadener Konzerttermin waren eigentlich schon für den März geplant, aber da steckten Seiler und Speer noch mitten in den Studioaufnahmen ihres zweiten Albums. Für die Fans hieß es sich noch etwas zu gedulden. Aber das Warten hatte sich für sie gelohnt. Die Veranstaltung war seit Wochen ausverkauft.

Bevor es zum großen Showdown kam, heizte die Vorband »Freiraum5« das erwartungsfrohe Publikum mit rockigen Songs ein. Als Seiler und Speer kurz darauf die Bühne betraten, brach sofort lauter Jubel los und das Duo hatte zusammen mit der fünfköpfigen Band das überwiegend junge Publikum von Beginn an im Griff. Das zeigte sich textsicher und gut gelaunt und der Große Saal kam schnell ins Schwitzen.

Professioneller österreichischer Charme

Seiler und Speer pickten in ihrem zweistündigen Programm die Sahnestücke ihrer beiden Alben heraus und spulten professionell mit österreichischem Charme das Repertoire herunter. Komiker und Schauspieler Christopher Seiler und Filmemacher Bernhard Speer (die tätowierte Hälfte) lästern darin gern über die »Gestopften« und »Selfmademillionäre« in gewohnter Manier und nehmen auch vor allen anderen Alltagsproblematiken kein Blatt vor den Mund.

Genau so bunt wie die Bühnenshow ist auch der Kompositionsstil des Duos. Mal ein bisserl funky, mal ein bisserl Reggae. Neben ruhigeren Titeln ist vieles tanzbar und groovig. Bei »I wü ned« hüpfte das Publikum unter Trockeneisfontänen und Silberaluminiumregen fröhlich herum. Es wurden große Spielbälle in die Masse geworfen und unter wirbelnden Lichtkegeln schossen Feuerblitze von der Bühne.

Aber Seiler und Speer zeigten bei ihrem Auftritt auch, dass sie alles andere als nur blödelnde Gaudiburschen auf Festzeltniveau sein wollen. Wer sich neben der Musik mit den Textinhalten genauer beschäftigt, findet neben Alltagskomik auch viel Tiefgang und persönliche Problembewältigung. Besonders gelungen ist das im Song »I kenn di vo wo«, in dem über 100 000 »Föhla« philosophiert wird. Da würzt auch mal eine feine Melancholie den wunderbaren Refrain mit Ohrwurmpotenzial.

»Ham kummst« als Zugabe

In der Zugabe gaben Seiler und Speer noch einmal richtig Gas und bedienten ihre Fans mit dem lang erwarteten »Ham kummst«. »Wollt ihr das wirklich noch hören?«, fragte Christopher Seiler das Publikum. Und aus allen Kehlen kam natürlich ein johlendes »Jaaa!«, denn vorher geht man ja nicht »ham«. Ein Blitzlichtgewitter aller Smartphonebesitzer funkelte durch den Saal, um den finalen Moment festzuhalten.

Als letzten Song legten Seiler und Speer noch das fetzige »Soits leben« nach. Und dann war die Party beendet. Für das Team um Kongresshausleiter Sepp Wenig ging es danach aber noch richtig weiter. Bis in die Nacht erfolgten die Reinigungsarbeiten im Großen Saal. Für das Bombastkonzert benötigte es einen Sattelschlepper für das Equipment, zwei große Tourbusse und eine 30-köpfige Crew. Jörg Tessnow