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Gebein trifft auf Geburtstag

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Unglaublich, wie fein die Arbeiten geschnitzt wurden. (Fotos: Merker)
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Freuten sich über die gelungene Neupräsentation (v.l.): Fritz Schelle, Friederike Reinbold und Dr. Hermann Amann.

Berchtesgaden – Gleich zwei Anlässe waren es, die am Donnerstag im Museum Schloss Adelsheim gefeiert wurden. Zum einen hat das Museum und seine Sammlung seit 50 Jahren seinen Sitz im Schloss Adelsheim, zum anderen konnte der neue Ausstellungsraum mit den wertvollen Beinarbeiten eröffnet werden.


Freude und auch etwas Stolz auf das Geleistete prägten die Feier mit ihrem Doppelanlass. Der Vorsitzende des Vereins der Freunde des Heimatmuseums, Dr. Hermann Amann, begrüßte die zahlreich erschienenen Festgäste, darunter auch den extra angereisten ehemaligen Pfarrer von Berchtesgaden, Prälat Dr. Walter Brugger. Amann dankte Christoph Karbacher, der durch seine unterhaltsamen und informativen Vorträge über die dem Museum geschenkten historischen Postkarten für viele Neumitglieder des Vereins gesorgt hat.

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Für die Neupräsentation der Beinarbeiten hat der Verein tief in die Tasche gegriffen und sie mit 13 000 Euro unterstützt. Dazu hat der Verein organisatorisch mitgeholfen, die große Aufgabe zu bewältigen. Der Vorsitzende bedankte sich beim Landratsamt, das der Umgestaltung zugestimmt und sie begleitet hat. Sein größter Dank gebührte jedoch Fritz Schelle, der die Präsentation der wertvollen und einzigartigen Beinarbeiten in gewohnt kreativer Art und Weise gelöst und selber umgesetzt hat.

Umzug ins Schloss Adelsheim

Noch gut könne er sich an den Umzug des Heimatmuseums von der Bergwerkstraße in das Schloss Adelsheim erinnern. So begann Fritz Schelle seine Rede. »Das im Mai 1968 eingeweihte Museum sollte ursprünglich abgerissen werden und einem Hotelbau weichen.« Doch der Architekt und spätere Leiter des Museums, Georg Zimmermann, konnte den Landkreis überreden, das Schloss zu kaufen und das Heimatmuseum darin unterzubringen. Noch dazu, weil die dadurch frei werdenden Räume in der Bergwerkstraße für die Schnitzschule genutzt werden konnten. »Ich war damals Schüler an der Schnitzschule«, erinnerte sich Schelle, »und statt Technisch Zeichnen mussten wir Georg Zimmermann beim Umzug helfen.« Mit dem VW-Bus der Heimatkunst wurden die ganzen Kisten in das Schloss gebracht und Zimmermann legte beim Aufbau der Ausstellung selber Hand an. Anstoß für die Neupräsentation der Ausstellung im zweiten Obergeschoss war die Leihgabe von Teilen der Sammlung von Konrad Knoglinger. Zusammen mit den Beständen des Museums sollten die einmaligen Arbeiten besser und ansprechender ausgestellt werden als es bisher der Fall war.

Keine Zunftordnung

»Die Berchtesgadener Beinschneider unterlagen keiner Zunftordnung und darum herrschte durchaus ein harter Kampf ums wirtschaftliche Überleben«, sagte Museumsleiterin Friederike Reinbold. Da nur der Klerus und der Adel als Käufer infrage kamen, wanderten die meisten Beinarbeiten ins Ausland, zum Beispiel in die Sammlung der Familie Esterházy. »Als 1870 der letzte Beinschnitzer starb, endete die Ära dieses Handwerks in Berchtesgaden.«

Leihgeber Konrad Knoglinger gestand, schon immer gesammelt zu haben. »Als Kind waren es die Voss-Margarine-Bildchen, dann Kakteen, die aber den Winter nicht überlebten, und als ich eine Biedermeier-Vitrine erbte, musste die entsprechend gefüllt werden.« Er kaufte im Antiquitätengeschäft von Anita Glossner seine erste Beinarbeit, weil sie ihm gefiel. Dann noch eine und noch eine und schließlich wuchs seine Sammlung auf mehrere Hundert Stück. Als er entdeckte, dass einer seiner Vorfahren Beinschnitzer gewesen war, da wurde ihm der Grund für seine Sammelleidenschaft klar.

Als stellvertretender Landrat überbrachte Rudi Schaupp die Grüße des Landkreises und Landrats. »Es ist eine absolute Rarität, was in Berchtesgaden hergestellt wurde, und dass wir diese Arbeiten nun zurückbekommen.« Er dankte dem Verein für dieses besondere Geburtstagsgeschenk an das Museum. »Es ist wichtig, den Menschen ihre Herkunft vor Augen zu führen.«

Auch Marktbürgermeister Franz Rasp betonte, dass das Museum Schloss Adelsheim zeigt, wo Berchtesgaden seine Wurzeln hat. »Es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt und wo man verankert ist.« Dieses Wissen müsse an die Kinder weitergegeben werden. »Darum stehen die Millioneninvestitionen in das Haus außer Frage. Der Denkmalschutz auf dem 400 Jahre alten Schloss ist nicht verhandelbar.« Sein Wert werde nicht an seiner Wirtschaftlichkeit bemessen.

Nach den Reden und Grußworten, die Christian Kämmerling auf der Gitarre musikalisch begleitete, konnten die Gäste den neuen Ausstellungsraum in Augenschein nehmen. »Unglaublich« war der oft gehörte Kommentar dazu. Fritz Schelle hat es geschafft, die filigranen Arbeiten klar und übersichtlich zu präsentieren. Erst jetzt können sie ihre beeindruckende Wirkung entfalten. Christoph Merker