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Gebirgsjäger üben unter arktischen Bedingungen

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Mit einer Leuchtpatrone wird das Vorfeld beleuchtet. Ein Soldat bekämpft feindliche Truppen mit einer Granatpistole. (Fotos: Bundeswehr/Neumann und Skinner)
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Ein Gebirgsjäger überwacht das Vorfeld im arktischen Wald.
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Ein Gebirgsjäger kämpft sich durch das eiskalte Wasser.
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Beim Skijöring werden die Soldaten hinter einem Fahrzeug des Typs BV 206 gezogen.

Skjold/Bischofswiesen – Bei der Übung »Eiskristall« in Nordnorwegen übten die Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23, zu der auch das Gebirgsjägerbataillon 232 in Bischofswiesen gehört, unter extremen Wetter- und Klimabedingungen. Die Soldaten vertieften ihr Wissen während ihres Aufenthalts nördlich des Polarkreises, wie man bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt überlebt, sich taktisch bewegt und kämpft.


Auf dem Rollfeld des Salzburger Flughafens steht eine Maschine des Typs A 400 M der Bundeswehr. Es geht nach Nordnorwegen zur Übung »Eiskristall«. An Bord sind die Hochgebirgsjägerzüge der drei Gebirgsjägerbataillone 231, 232, 233, zusammen mit dem Hochgebirgsspähzug des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 aus Füssen und der neu aufgestellten Hochgebirgspioniergruppe des Gebirgspionierbataillons 8 aus Ingolstadt. Nach einem siebenstündigen Flug landet die Maschine im 3 000 Kilometer entfernten Norwegen. In den kommenden drei Wochen werden die Soldaten unter extremen Bedingungen üben.

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Bereits nach der Landung spüren die Soldaten, was das bedeutet. Bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad und Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern müssen die Gebirgsjäger darauf achten, zweckmäßige Bekleidung zu tragen. Um bei diesen Gegebenheiten zu überleben beziehungsweise kämpfen zu können, bedarf es entsprechender Ausrüstung. Bereits im November 2018 waren die Soldaten mit dem sogenannten Arktiksatz ausgestattet worden. Dieser beinhaltet spezielle Unterwäsche, Handschuhe, einen Schlafsack, Expeditionsschuhe sowie einen speziellen Kocher und wird zukünftig allen Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 zukommen. Für die Soldaten bei »Eiskristall« war es das erste Übungsvorhaben mit der neuen Ausstattung. Das Bekleidungssystem hat sich bereits bei den Spezialkräften der Bundeswehr bewährt. Die Bekleidung ist modular aufgebaut, sodass der Soldat nach dem Zwiebelschalenprinzip agieren kann. Je nach Wärmebedarf muss der Vorgesetzte befehlen, was und wie viel anzuziehen ist. »Bei Bewegung Kleidung ablegen, in Ruhephasen mehr anziehen. Das bedeutet aber auch, dass die Ausbilder kommunizieren müssen, was als Nächstes kommt, damit die Soldaten ihre Ausrüstung anpassen können«, sagt Oberstabsarzt Dr. Ingrid J. Die Truppenärztin aus Berlin gehört während der Übung »Eiskristall« zum beweglichen Arzttrupp und ist für die medizinische Versorgung der Soldaten verantwortlich.

Der Schwerpunkt bei der Überlebensausbildung ist der Abschnitt »Leben im Felde«. Im Biwak-Bereich bauen die Auszubildenden ihre Unterkünfte für die bevorstehenden Nächte. »Die Soldaten bauen Notunterkünfte aus Hilfsmitteln, aus allem, was sie in der Natur finden oder dabei haben«, erklärt Hauptfeldwebel Alexander S. Handwerkliches Geschick und Fantasie sind von Vorteil. Aus Ästen, Zweigen und Schnüren bauen die Gebirgsjäger ein Gerüst. Darüber spannen sie Planen. »Die Besonderheit hier in Norwegen ist, dass die Unterkunft nicht wie in den Alpen aus Schnee gebaut werden kann. Wegen der extremen Kälte ist der Schnee zu locker und kann nicht komprimiert werden«, erklärt der Hauptfeldwebel den Nachteil des Pulverschnees. Darüber hinaus gelten besondere Regeln zur Sicherung eines verschneiten Bereichs gegen feindliche Aufklärung.

Der Eissprung

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Ein Gebirgsjäger kämpft sich durch das eiskalte Wasser.

Der Eissprung gehört zum zweiten Ausbildungsabschnitt »Verbringen«. Rucksack ablegen und vor an die Wartelinie, dann das Kommando »der Nächste«. Die Übungsteilnehmer kämpfen sich durch Schnee und Eismatsch vor zu einer Absperrung. Dort wartet ein Ausbilder mit einem Seil. Er gibt letzte Anweisungen: »Vor bis an die Kante und mit einem Ausfallschritt ins Wasser.« Am heutigen Ausbildungstag absolvieren die Teilnehmer einen Eissprung. »Im Winter werden zugefrorene Gewässer für Marschbewegungen genutzt«, erläutert Hauptmann Niels D. Um für ein mögliches Einbrechen auf dem gefrorenen Gewässer vorbereitet zu sein, wird die Selbstrettung mithilfe der Skistöcke trainiert. Aus Sicherheitsgründen wird ein Seil um die Hüfte gelegt. Darüber hinaus wurden alle Auszubildenden vorab medizinisch untersucht. Auch Sanitäter und ein Arzt sind vor Ort. In den Händen halten die Protagonisten ihre Skistöcke, mit Hilfe derer sie sich aus dem Wasser ziehen. Ohne zu zögern springen die Übungsteilnehmer in das drei mal drei Meter große Loch, schwimmen zur Kante, und rammen die Stöcke ins Eis, um sich schnellstmöglich aus dem kalten Wasser zu retten. Mit nasser Bekleidung laufen sie zurück zur Wartelinie. »Ab in den Schnee und wälzen«, tönt es von einem Ausbilder. Dieser Abschnitt dient nicht der Abhärtung, es ist wichtig, dass sich die Soldaten im Schnee wälzen, um die Feuchtigkeit zu binden. Nach dem Ablegen der nassen Kleidung geht es direkt zur Feuerprüfung, bei der jeder Einzelne unter Beweis stellen muss, dass er ein Feuer aus behelfsmäßigen Materialien entfachen kann.

Kämpfen unter extremen Bedingungen

Die Übungstruppe befindet sich im Verfügungsraum. Sie ist Teil der eigenen Bataillonsreserve. Dann kommt die Meldung: »Feindliche Luftfahrzeuge von Nordost aufgeklärt, vermutlich Luftlandung feindlicher Kräfte in Bataillonsstärke, Flankenbedrohung rechts«. Die Reserve wird aktiviert, um den Einbruch in die rechte Flanke zu verhindern. Die Gebirgsjäger haben nun den Auftrag, vorab Richtung Norden aufzuklären und den Weg für die Folgekräfte gangbar zu machen. Der Hochgebirgsspähzug befand sich bereits auf dem Marsch. Doch jetzt liegt der Schwerpunkt bei dem plötzlich auftretenden Feind aus Nordosten und die Truppe muss nun mit allen Kräften in Richtung der vermuteten Luftlandung aufklären.

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Ein Gebirgsjäger überwacht das Vorfeld im arktischen Wald.

Mit schwerem Gepäck machen sich die »Jager« auf den Weg. Man muss sich orientieren, ein Gewässer überqueren und einen Biwak-Platz für die Nacht einrichten. Temperaturen von minus 20 Grad, eingeschränkte Lichtverhältnisse und wechselnde Windstärken verlangen den Übungsteilnehmern alles ab. Sie bilden die vordersten Kräfte und müssen stets mit Feindkontakt rechnen, dementsprechend konzentriert ist ihr Vorgehen. Nach zweieinhalb Tagen und einer Wegstrecke von 20 Kilometern ist es so weit. Schwacher Feind wurde aufgeklärt, vermutlich feindliche Aufklärung. Der Entschluss lautet: Angriff und schwachen Feind vernichten. Mit der Leuchtbüchse wird das Vorfeld beleuchtet. Unter dem flackernden Licht einer Leuchtpatrone setzen die Gebirgsjäger zum Kampf an. Immer wieder schießt die Leuchtbüchse und ein heller Feuerball macht die Nacht zum Tag. Der Zugführer führt das Gefecht und befiehlt seinen Truppen: »Erste Gruppe bindet Feind, zweite und dritte wirft Feind linksumfassend.« Der Feind wird vernichtet, die Leuchtbüchse schweigt und es kommt die Meldung über Funk: »Übungsende – Übungsende.« Dieser letzte Abschnitt im scharfen Schuss beendet die dreiwöchige Übung »Eiskristall« und mit dem Flieger geht es zurück in die Heimat. Nicht nur die beeindruckenden Bilder von Nordlichtern nehmen die Soldaten mit, auch eine Menge an Erfahrung und neuen Verfahren haben sie im Gepäck. Es gilt nun, das Gelernte an die Kameradinnen und Kameraden weiterzugeben. fb