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»Gebissanprobe« im Bürgerbüro

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Schlüssel noch und nöcher. Meist können die Eigentümer ermittelt werden. (Fotos: Pfeiffer)
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Einmalig: Mit einem Goldbarren-Fund wie dem im Königssee hatte man in Berchtesgaden noch nicht zu tun. Die Finderin wird das wertvolle Gut voraussichtlich behalten dürfen.

Berchtesgaden – So, wie es aussieht, wird sich das Mädchen, das im August einen 500-Gramm-Goldbarren im Königssee fand, glücklich schätzen können. »Wenn sich jetzt keiner mehr meldet, kann sie ihn behalten«, sagt Peter Lenz. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen verwaltet er das Fundbüro des Marktes Berchtesgaden. Und hat dort immer wieder mit kuriosen Funden zu tun.


»Man kann den Leuten wirklich nicht vorwerfen, sie hätten kein Ehrlichkeitsempfinden«, sagt Peter Lenz. Abgegeben wird, was gefunden wird. Das Fundbüro sei ein häufig aufgesuchter Ort im Rathaus. Vom Geldbündel über Portemonnaies bis hin zu Eheringen wird hier alles abgegeben. Alle Funde werden akribisch erfasst. Notiert wird der genaue Fundort, die Zeit sowieso. Wichtig ist auch der Hinweis, ob der Finder am Fundgegenstand Eigentumserwerb anmelden möchte. Natürlich ist das nicht immer gewünscht. Denn was will man schon mit einem Autoschlüssel, wenn man ihn nicht nutzen kann? Ganz anders schaut es bei Geld aus.

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Sind die Gegenstände registriert, müssen sie dort ein halbes Jahr eingelagert werden. »Der Eigentümer muss die Möglichkeit haben, sich bei uns zu melden«, sagt Peter Lenz. Er sollte den Gegenstand detailliert beschreiben können, ehe dieser ihm wieder ausgehändigt wird. Ist die Halbjahresfrist abgelaufen, geht das Fundstück in das Eigentum des Finders über, sofern dieser Interesse am Objekt angemeldet hat.

Wenn nicht, wird der Markt Berchtesgaden Eigentümer. Unzählige Schlüssel befinden sich in dessen Besitz, Kleidersäcke, diverser Schmuck. »Vieles entsorgen wir nach der Lagerungsfrist oder geben es an unseren Flohmarkt weiter«, sagt Lenz. Damit am Ende wenigstens noch ein paar Euro rausspringen. In der Marktverwaltung führt man ein detailliertes Fundbuch, das Einblicke gibt, was abgegeben wurde.

Schlüssel sind zwar die häufigsten Fundgegenstände. Aber so häufig, wie sie abgegeben werden, werden sie auch wieder abgeholt. »Einen Autoschlüssel nachmachen zu lassen, kann ganz schön teuer sein«, weiß Peter Lenz. Also lieber mal beim Fundbüro nachfragen.

In einem Fundschrank sind alle Gegenstände sicher eingelagert. Im Keller des Rathauses verbirgt sich ein weiterer Raum, in dem jene Dinge abgestellt werden, die nicht mehr in den Schrank passen. »Fahrräder zum Beispiel«, so Lenz. Dass früher die Bereitschaft, Gefundenes abzugeben, größer war, kann der Verwaltungsmitarbeiter nicht bestätigen. »Sobald in einem Geldbeutel ein Identifikationsnachweis wie eine Versichertenkarte oder ein Ausweis enthalten ist, landen die Sachen bei uns.« Handys erreichen das Fundbüro regelmäßig, DVDs ebenso. Kürzlich waren es mal drei Sägeblätter, die abgegeben worden waren. Der Eigentümer konnte auch in diesem Fall ermittelt werden.

Nur manchmal, da müssen selbst die Rathaus-Mitarbeiter kräftig die Zähne zusammenbeißen: Bei Gebissprothesen etwa. Den eigentlichen Besitzer konnten die Rathausmitarbeiter schließlich ausmachen. »Ein älterer Herr spazierte bei uns ins Büro und fragte nach seinem Gebiss.« Als man es ihm ausgehändigt hatte, bat er, die Prothese testen zu dürfen. Ohne Anstalten landete sie im Mund. Und in der Tat: Sie passte. Kilian Pfeiffer