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»Gedenken an Gewalt- und Kriegsopfer«

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Der Brigadegeneral Sollfrank und der Oberbürgermeister von Bad Reichenhall, Dr. Herbert Lackner beim Gedenken: Der Volkstrauertag gebe daher Anlass dazu, konkretes Leid auch im regionalen Umfeld anzusprechen, sagte Lackner bei seiner Ansprache. (Foto: Pfeiffer)

Bad Reichenhall – Zahlreiche Soldaten- und Traditionsverbände beteiligten sich am Sonntagmittag am Volkstrauertag. Nach dem traditionellen Gottesdienst ging es in einem gemeinsamen Umzug zum Kriegerdenkmal auf dem Unteren Lindenplatz, wo Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner die Gedenkzeremonie mit einer Rede begleitete.


Die Ehrenformation der Bundeswehr, der Gebirgsjägerbrigade 23 »Bayern«, war angetreten, den Volkstrauertag zu begleiten. Die Gesamtleitung übernahm wie jedes Jahr Ludwig Schupfer. Als eine »würdige« Zeremonie bezeichnete Oberbürgermeister Lackner die Veranstaltung: Er bedankte sich bei den zahlreichen Teilnehmern, bei den Fahnen- und Kranzabordnungen, den Gebirgsschützen sowie den Soldaten- und Traditionsverbänden, die mit vielen Mitgliedern gekommen waren. »Sie alle sind Garant dafür, dass der Volkstrauertag nicht zu einer Routineveranstaltung degradiert wird, sondern nach wie vor bei uns in Reichenhall eine würdige Gedenkfeier darstellt.«

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Es sei wichtig, so Lackner, der Menschen zu gedenken, »die ihr Leben im Krieg verloren haben – vor vielen Jahrzehnten, vor einigen Jahren oder erst gestern«. Man könne sich glücklich schätzen, dass man in Reichenhall in Frieden lebe. »Krieg findet weltweit aber leider täglich statt.« Daher sei es von besonderer Notwendigkeit, all jenen zu gedenken, »die vom Kriegsgeschehen betroffen oder Opfer politischer Verfolgung sind«. Das Leid, das Opfer von Gewalt und Verbrechen erfahren haben, sei »unendlich«. Auch heutzutage gebe es »einige unter uns, die sich auch unmittelbar daran erinnern können, weil der Vater, der Großvater, der Ehegatte oder ein anderer Verwandter zu diesen Opfern gehörten und das Bild noch heute im Wohnzimmer hängt«. Ein bewusstes Gedenken am Volkstrauertag sei ein guter Grund, dass dieser Tag im November kein lästiger Pflichttermin ist.

Wichtig sei es in diesen Zeiten, Solidarität gegenüber allen deutschen Soldaten, insbesondere der Gebirgsjägerbrigade 23, auszudrücken, so Bürgermeister Lackner. »In der aktuellen Situation sind deutsche Soldaten praktisch ständig überall auf der Welt im Einsatz und zwar im Auftrag von uns und zur Sicherheit für uns.« Der Volkstrauertag gebe daher Anlass dazu, konkretes Leid auch im regionalen Umfeld anzusprechen. Eine Herzensangelegenheit sei es, so Lackner, darauf hinzuweisen, dass es noch immer eine große Dunkelziffer in Sachen häusliche Gewalt in Familien gebe – auch im Landkreis und in Reichenhall. Unzählige Mal würden Kleinkinder, Kinder und Frauen Gewaltopfer in der ihnen vertrautesten Umgebung. 140 000 Frauen allein in Bayern würden jedes Jahr häusliche Gewalt erfahren. »Das ist wirklich alarmierend«, sagte Lackner. Selbst im eigenen Land schaffe man es bislang noch nicht, ohne Gewalt und friedvoll miteinander umzugehen. Daher sei die gesamte Bevölkerung immer wieder zum Handeln aufgerufen – »Jeder von uns im Rahmen seiner Möglichkeiten.« Gemeinsam solle man den Volkstrauertag zum Anlass nehmen, einen eigenen Beitrag zum Frieden zwischen den Menschen zu leisten.

Nach Lackners Rede legten die teilnehmenden Verbände Kränze des Gedenkens vor dem Kriegerdenkmal auf dem Unteren Lindenplatz nieder. Die Fahnenabordnungen traten zur Ehrenbezeugung nach vorne, ehe die Veranstaltung offiziell beendet wurde. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Stadtkapelle Reichenhall sowie der Bad Reichenhaller Liederkranz. Kilian Pfeiffer

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