Prozess gegen Lehrerin in Traunstein: Schülerin am Pullikragen gepackt – Wie Schulamt und Lehrerverband mit Vorwürfen umgehen
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Foto: Symbolbild (dpa)

Gefälschte Rezepte eingelöst

Laufen – Für einen »Freund« sollte der 35-jährige Laufener sechs Rezepte einlösen. Dafür waren ihm 200 Euro versprochen worden. Das Problem: Die Rezepte für diverse Schmerzmittel waren allesamt gefälscht. Wegen Urkundenfälschung in fünf Fällen stand der Metalltechniker nun erstmals in Laufen vor Gericht. Das kostet ihn nun 10 800 Euro.


Von dem »Freund« wusste der Angeklagte nur den Vornamen. Keine Adresse, keine Telefonnummer. Der soll ihn mit einem Auto – »vielleicht Silber, glaube BMW« – abgeholt und zu Apotheken in Freilassing, Teisendorf und Surheim chauffiert haben. Auch ein Smartphone soll der »Freund« ihm für diese illegalen Aktionen überlassen haben. Der Erfolg hielt sich in Grenzen, denn nur einmal hatte der Laufener einen Codein-Sirup bekommen.

Warum nur einmal? »Meistens hat es verdächtig lang gedauert«, antwortete der Angeklagte, den die Polizei direkt in Freilassing aufgegriffen hatte. Eine Apothekerin konnte den Mann jedoch nicht wiedererkennen. »Der trug Kapuzenpulli und Maske«, begründete dies die Zeugin. Weil auch der Laufener diesen Punkt der Anklage bestritt, stellte Richter Josef Haiker den Teil ein. Blieben vier Fälle mit fünf Rezepten.

»Ich war lange Zeit arbeitslos und es herrschte akuter Geldmangel«, begründete der 35-Jährige seine Taten. Seit einigen Monaten hat er nun wieder eine Anstellung, weshalb er versprach: »Nie wieder so einen Schmarrn.« Staatsanwältin Lisa Oesterle sprach von »erheblicher Gesundheitsgefährdung« durch diese Medikamente. Sie beantragte eine Geldstrafe von 200 Tagessätzen à 63 Euro.

»Als Bote sah er das schnelle Geld«, versuchte Rechtsanwalt Sven Ryfisch eine Erklärung, betonte aber auch, dass sein Mandant sofort alles eingeräumt habe. »Er hat nichts dafür erhalten, nur Ärger.« Dem Verteidiger schienen 120 Tagessätze zu 50 Euro ausreichend. Josef Haiker wertete das »Gewinnstreben« mit dem Missbrauch eigentlich »vertrauenswürdiger Dokumente« strafschärfend.

Nicht zuletzt habe der Angeklagte selbst zugegeben, die Medikamente für einen abhängigen Menschen besorgt zu haben. In einer Gesamtabwägung entschied der Amtsrichter auf 180 Tagessätze à 60 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

höf