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Gegen zu massive Bebauung

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Schönau am Königssee – Der Startschuss für das Bürgerbegehren »Immobilienprojekt Königssee« fiel am gestrigen Montag. Laut Pressemitteilung der Bürgerinitiative liegen die Unterschriftenlisten jetzt in der Gemeinde Schönau am Königssee aus. Ziel der Initiative ist es, die derzeitigen Planungen für die Bebauung des Areals nördlich der Seelände mit zwei Hotels und weiteren Immobilien zu stoppen. Die Organisation der Unterschriftensammlung liegt in Händen von Wolfgang Grimm.


Die laut Klaus Gerlach, Sprecher der Bürgerinitiative, »etwas schwerfällig formulierte« Frage im Bürgerbegehren hat einen juristischen Hintergrund. »Wir wollen rechtlich auf der sicheren Seite sein«, sagt Gerlach. Wer seine Unterschrift leistet, der beantragt die Durchführung eines Bürgerentscheids zur Frage: »Sind Sie dafür, dass die Bauleitverfahren der Gemeinde Schönau am Königssee zur 26. Änderung des Flächennutzungsplans und zur Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 30 ›Parkhotel Königssee‹ sowie zur 1. Änderung des Bebauungsplans Nr. 19 ›Seestraße‹ eingestellt werden?«

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Weit umfangreicher sind die Begründungen, die die Bürgerinitiative formuliert. So ist man der Meinung, dass die beiden Bauleitplanverfahren bereits so weit entwickelt seien, dass die bestehenden Planungsmängel nur durch ihre unverzügliche Einstellung korrigiert werden könnten. Grundsätzlich stimmt man der Absicht zu, den Bereich zwischen Seelände und Parkplatz Königssee städteplanerisch neu zu gestalten. Die dazu eingeleiteten Bauleitplanverfahren »Park-Hotel« und »Seestraße« hält man allerdings städteplanerisch für höchst bedenklich. »Sie berücksichtigen zu wenig die Erfordernisse des Erhalts eines ausgewogenen Miteinanders von landschaftlicher Schönheit, Naturschutz, kulturhistorisch gewachsener, örtlicher Architektur und Denkmalschutz«, heißt es.

Der Querbau als Erweiterung für das Hotel »Königssee« mit rund 60 Meter langer Front zum Seeufer und vier Geschossen sprenge geradezu die vorhandene städtebaulich und als Ensemble denkmalgeschützte Silhouette. Das direkt dahinter geplante »Park-Hotel« mit bis zu fünf Geschossen und einer Grundfläche von rund 70 x 70Metern wirke als zweiter Riegel in Richtung See und sei fremdartig gegenüber den vorhandenen Gebäudestrukturen.

»Noch fremdartiger und städtebaulich deplatzierter sind die drei Wohntürme mit fünf Geschossen sowie weitere Geschäftshäuser mit Gaststätten um den Alten Bahnhof«, so die Begründung im Bürgerbegehren. Es fehle insgesamt ein städteplanerisches Rahmenkonzept, das die Interessen der Allgemeinheit berücksichtigt und sich nicht der Renditeorientierung von wenigen unterordnet. Nach Vorliegen eines solchen mit Öffentlichkeitsbeteiligung erstellten Rahmenkonzepts und Erschließung sei eine koordinierte Ausplanung der beiden Hotelprojekte möglich, heißt es.

Für die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens, über die der Gemeinderat nach Abgabe und Überprüfung der Listen entscheidet, werden die Unterschriften von zehn Prozent der Wahlberechtigten benötigt. Das sind für Schönau am Königssee rund 420. Für den dann nach spätestens drei Monaten folgenden Bürgerentscheid muss die Mehrheit mit »Ja« stimmen und diese Mehrheit muss mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten sein. KG/UK