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Geheimnisse, die man glauben kann, aber nicht muss

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Rainer Limpöck stellt in seinem Buch viele Fragen, deren Beantwortung er seinen Lesern überlässt. (Foto: Merker)

Berchtesgaden – Rainer Limpöck, der sich selber als Alpenschamane bezeichnet, hat ein neues Buch über den Untersberg herausgegeben. »Der Untersbergcode« soll »Das Geheimnis des Bergspiegels«, so der Untertitel, lösen. Herausgekommen ist dabei eine krude Mischung aus verdrehten Tatsachen, haltlosen Annahmen und geheimnisvollen Andeutungen, die allesamt den Untersberg als »Wundeberg« von globaler Bedeutung herausstellen sollen.


Auf Seite 185 des Buches »Der Untersbergcode« ist ein Foto abgedruckt, auf dem eine »Emanation der Weißen Frau in einer Höhle am Untersberg« zu sehen ist. »Die Göttin Percht zeigt sich wieder«, heißt es weiter. Eine Erscheinung also, eine Art Geist, der auf dem Foto festgehalten wurde. Es ist eine weißliche Gestalt, die in einem dunklen Höhleneingang steht. Nehmen wir für einen kurzen Moment an, dass auf dem Foto tatsächlich eine Emanation – also eine materielose Erscheinung zu sehen ist. Das wäre weltweit der erste und einzige Beweis, dass es tatsächlich Geister geben würde. Fantastisch, nicht wahr? Und Rainer Limpöck hat dieses Foto, das beweisen würde, dass sämtliche physikalischen Gesetzmäßigkeiten des Universums nicht gültig sind, da ein Geist ihnen allen widersprechen würde. Dem Foto kann man glauben, muss man aber nicht. Genau das trifft für alle sogenannten »Fakten« zu, die Limpöck in seinem Buch aufführt. Man kann sie glauben, kann die Verbindungen für wahr halten, die der Autor aufzeigt, die »seltsamen« Übereinstimmungen und geheimnisvollen Ereignisse rund um den Untersberg. Wer will, kann in dem sagenumwobenen Berg das Herzchakra Europas oder, eine Nummer größer, der Welt sehen.

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Berg mit Monatsblutung

Ungewöhnliche Zeitphänomene, die die physikalischen Bedingungen der Existenz des Universums mal so nebenbei aushebeln, werden genauso aufgeführt wie obskure Zahlencodes. Diese sollen zeigen, dass der Untersbergcode, verschlüsselte Buchstabenfolgen, die den Sagen nach von Lazarus Gitschner aus den Tiefen des Berges mitgebracht wurden, entweder Sternenkriege zweier verfeindeter Galaxien beschreiben oder dass diese Krieg gegen den Gral führen. Womit wir bei den Templern angekommen sind, die natürlich an dieser Stelle nicht fehlen dürfen. Derartige Literatur kommt ohne die Templer sowie andere Geheimbünde, die auch am Untersberg aktiv sind, nicht aus. Genauso wenig ohne die große Pyramide von Gizeh. Denn auch hier besteht eine Verbindung zum Untersberg. Übrigens spricht man seit dem Frühjahr 2015, als ein Felssturz am Untersberg den Weißbach durch Sedimente rot einfärbte politisch korrekt von der »Untersbergerin«, denn sie hat menstruiert, um zu zeigen, dass ihre weibliche Seite bisher zu sehr vernachlässigt wurde. Dass Stunden vorher ein schreckliches Erdbeben in Nepal stattfand zeigt, so der Autor, dass der nepalesische Kailash mit dem Untersberg in Verbindung steht.

Wie Rainer Limpöck allerdings die Rettung des Höhlenforschers Johann Westhauser für seine versponnenen Ansichten vereinnahmt, ist fast schon geschmacklos zu nennen. Die Stellung bezieht Rainer Limpöck nie eindeutig. Darum zitiert er gerne andere, spricht von »Manche meinen …« und fügt gerne mal ein »Kann das alles nur Zufall sein?« ein. Somit immunisiert er sich gegen jegliche Kritik und überlässt dem Leser, die ach so unglaublichen Schlüsse zu ziehen. Er selber wäscht seine Autorenhände in Unschuld. Limpöck suggeriert Zusammenhänge, wo keine sind, sieht Geheimnisse, wo es nichts Geheimes gibt. Selbst ein in seiner gewohnt ironischen Art und Weise geschriebener Artikel von »Anzeiger«-Redakteur Christian Fischer, in dem er Lichter als mögliche Ufo-Attacke ausgibt, wird allen Ernstes als Beweis herangezogen, dass am Untersberg vielleicht wirklich Ufos landen. Immerhin besteht ja dieser Krieg zwischen den verfeindeten Galaxien und den Templern rund um den Berg.

Gesunder Menschenverstand bleibt gefragt

Zeichen und Signale sende der Untersberg aus, mithilfe derer man in seine Spiegelwelt schauen könne. Der »steinerne Prophet« habe weltpolitische Bedeutung. Doch der einzige Spiegel ist das Buch selber, der eine Gesellschaft widerspiegelt, in der abstruse Ideen Hochkonjunktur haben, in dem jenen nur zu gerne Gehör geschenkt wird, die eine düstere Zukunft malen und demagogisch Zusammenhänge herstellen, wo gar keine sind. Jene, die mit der Angst vor Unheil spielen, denn das ist das leichteste Spiel, und die Unmögliches als selbstverständlich darstellen. Agitatoren, die Irrationales als Realität verkaufen und darauf setzen, dass das, was am wichtigsten ist, nicht mehr gilt – nämlich der gesunde Menschenverstand.

Das Buch »Der Untersbergcode« von Rainer Limpöck ist im Selbstveröffentlichungsverlag tredition erschienen, hat 186 Seiten und kostet 24,99 Euro. Christoph Merker

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