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Gelebtes Brauchtum in Loipl

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Keine Angst, der Hals wird nicht durchgeschnitten: Franz Ilsanker stutzt das Buttnmanndl ansehnlich.
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So sieht ein Meister aus.
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Vereint im dichten Nebel: die Loipler Buttnnmanndl auf der Kollerhöhe. (Fotos: B. Stanggassinger)
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Der Weihbrunnkrug von Hannerl Ilsanker.
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Die Binder nach getaner Arbeit.
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Der Nikolaus tadelte und lobte die Kinder, am Schluss gab es für alle Mädchen und Buben ein Geschenk.
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Super Fund, eine Rute.
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Die Kramperl hatten nicht einmal vor Opa Bernhard Oeggl Respekt.
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Der richtige Knoten macht's.
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Das Nikoloweibi.
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Hereinspaziert bei der Tür, die Kinder warten schon.

Bischofswiesen – Am ersten Adventssonntag war es wieder so weit: Der Nikolaus und seine Buttnmanndl waren in Loipl unterwegs. Trotz dichten Nebels war auch das Interesse der Schaulustigen und Medien wieder groß. Eine Drehgenehmigung bekam aber nur noch das Kirchen-TV im Kollerlehen.


Man zieht sich zurück und schottet sich ab. Gebunden wurden die Buttnmanndl, wie die Jahre zuvor, im Breidlerlehen, im Zickllehen, im Kollerlehen und im Rosenreitlehen. Die »Binder« verwandten nur unbehandeltes Roggenstroh, welches man im Sommer aus Fridolfing holte.

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Heuer bestanden die Loipler Buttnmanndl aus 17 Strohbuttnmanndln und sechs Gangerln. Der Buttnmanndlmeister wurde im Kollerlehen gebunden. Mit Stroh sparte man bei ihm nicht und auf seinem Rücken wurde nur eine, fünf Kilogramm schwere Glocke, die sogenannte »Roin«, befestigt, an seiner Brust hing das Ochsenhorn. In Loipl verkörpert in der Regel jedes Jahr ein anderer junger Bursche den Buttnmanndlmeister. Er darf sich auch seinen Nikolaus aussuchen, welcher absolut geheim gehalten wird.

Gegen 15.30 Uhr war es so weit: Die Stadltüren wurden geöffnet und die Buttnmanndl trafen sich auf der Thürhöhe. Im Unterthürlehen wurde der Nikolaus abgeholt und gemeinsam ging es hinauf auf die Kollerhöhe. Man versammelte sich zum Beten. Mit zwei »Vaterunser«, einem »Gegrüßest seist du Maria« und einem »Engel des Herrn« gedachten die Buttnmanndl ihrer verstorbenen Kameraden und baten um ein unfallfreies Laufen.

Die Bäuerin, das »Koller Hannerl« (Johanna Ilsanker), besprengte Nikolaus, das Nikoloweibi, jedes Buttnmanndl und Gangerl mit Weihwasser und wünschte ein unfallfreies Laufen. Ein Schnapserl und »Kemmts alle wieder g'sund hoam«, diesen Wunsch gab der Koller Franzerl (Franz Ilsanker) mit auf den Weg.

Ungewöhnlich für die Jahreszeit war, dass in Loipl am ersten Adventssonntag kein Schnee lag, sondern dichter Nebel herrschte. Man sah von der Kollerhöhe aus nicht die Hunderten Schaulustigen und umgedreht hörten die Besucher nur das Glockengeläut und sahen nicht die versammelte Schar auf der Kollerhöhe.

Nur für eine Minute riss der Nebel auf und es zeigte sich der Blick auf der einen Seite zur Schlafenden Hexe und auf der anderen Seite zum Göll. Der Meister blies ins Horn, es wurde zum Kollerlehen hinunter geläutet und weiter zur Götschenalm. Gegen 18 Uhr war die Schar zu Besuch bei Familie Graßl im Holzstubenhäusl. Mit mulmigen Gefühlen saßen Matthias, Simon, Carolin, Philipp, Sebastian, Florian und Benedikt hinter den Tischen. Der Nikolaus, das Nikoloweibi, vier Gangerl und vier Buttnmanndl kamen in die Stube. Der Nikolaus tadelte und lobte, brachte Geschenke und betete. Anschließend wurde, wie es in Loipl der Brauch ist, die Stube »ausgeräumt«. Man hatte nicht einmal Respekt vor dem Großvater, auch er wurde ins Freie befördert. Bernhard Stanggassinger