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Gemeinde schafft Bauland am Meisllehen

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Vier neue Bauparzellen will die Gemeinde Bischofswiesen auf dieser Fläche beim Meisllehen schaffen. Von einer »Nachverdichtung« spricht Bürgermeister Thomas Weber, die Missachtung des Bürgerwillens werfen UBB und Grüne den Befürwortern vor. (Foto: Wechslinger)

Bischofswiesen – Die Pläne zur Bebauung des Kressenfelds hatten im Jahr 2012 die Gemeinde Bischofswiesen gespalten, bis die Bevölkerung das Projekt schließlich in einem Bürgerentscheid zum Scheitern brachte. Dass die Gemeinde nun vier Jahre später einen kleinen Teil der Fläche dennoch als Bauland ausweist, ließ den Streit am Dienstag im Gemeinderat Bischofswiesen noch einmal aufflackern. Die vier Gemeinderäte von UBB und Grünen, die den Beschluss zur Aufstellung einer Innenbereichssatzung für den Ortsteil Meisllehen nicht verhindern konnten, warfen den anderen Fraktionen die Missachtung des Bürgerwillens vor.


Im Jahr 2012 wollte Michael Lichtmannegger auf rund 13 000 Quadratmetern des Kressenfelds Bauland schaffen, was nicht nur den Gemeinderat, sondern auch die Bischofswieser Bürgerschaft spaltete. Die lehnte das Projekt schließlich in einem Bürgerentscheid deutlich ab. Vier Jahre später erwarb nun die Gemeinde Bischofswiesen von Michael Lichtmannegger eine knapp 2 000 Quadratmeter große Teilfläche, um dort Bauland für vier Wohnhäuser zu schaffen. Das geschah am Dienstag durch den Erlass einer Innenbereichssatzung für den Ortsteil Meisllehen. Laut Bauamtsleiter Matthias Irlinger kann durch das trennende Element des Kressenwegs der Innenbereich klarer vom Außenbereich abgegrenzt werden. Gleichzeitig will die Gemeinde eine Bebauung der Baulücken im Innenbereich und damit eine Nachverdichtung ermöglichen.

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Der Bereich Meisllehen umfasst derzeit zehn Wohngebäude und das derzeit noch unbebaute Grundstück, das die Gemeinde in vier Wohnbauparzellen aufteilen und veräußern möchte. Die erforderlichen Erschließungsmaßnahmen sind bereits in der Planung und sollen im Jahr 2017 verwirklicht werden.

Paul Grafwallner stellte schnell klar, dass die UBB der Satzung nicht zustimmen werde. Schließlich handle es sich um einen Teil der Fläche, deren Bebauung im Jahr 2012 im Rahmen eines Bürgerentscheids abgelehnt worden war. »Wir sollten den Willen der Bürgerschaft respektieren und die Fläche nicht als Baugebiet betrachten«, sagte Grafwallner. Der stellte den vom Gemeinderat später abgelehnten Antrag, als Abgrenzung des Ortsteils Meisllehen nicht den Kressenweg, sondern den Meislweg zu sehen. Dann würde man keine neuen Außenbereichsflächen dazunehmen. Im Übrigen fühlten sich Teile der Nachbarschaft getäuscht, weil man nicht mit ihnen gesprochen habe, sagte Grafwallner.

Letzteres konnte Bürgermeister Thomas Weber nicht nachvollziehen. Er habe mit einem Nachbarn telefoniert und ihm die Sachlage erklärt. »Ich hatte nicht das Gefühl, dass er sich getäuscht fühlte«, sagte Weber. Jeder bekomme von der Gemeinde die Informationen, die er haben wolle, er werde aber immer zuerst den Gemeinderat einbeziehen, sagte der Rathauschef.

Der Bürgerentscheid 2012 habe unter ganz anderen Voraussetzungen stattgefunden, sagte Thomas Weber. Eigentümer der Fläche sei jetzt die Gemeinde Bischofswiesen, die nun ein Einheimischenmodell plane. Außerdem handle es sich nur um eine Abrundung des Innenbereichs, während damals eine ganze Wiese neu bebaut werden sollte. »Der Druck auf den heimischen Wohnungsmarkt ist außerdem enorm groß. Da könnte unser Projekt wenigstens für eine kleine Entspannung sorgen«, sagte Weber.

Das sahen Franz Sturm und Marlies Moderegger von den Grünen anders. »Wohnungsnot heißt für mich nicht unbedingt Häuslenot«, sagte Marlies Moderegger. Sie zeigte sich überrascht über die »Leichtigkeit, mit der dieses Projekt genehmigt wird«. Das sei eine »Watschn für die Bevölkerung«. Immerhin werde trotz der Änderungen gegenüber dem früheren Kressenfeldprojekt wieder ein neues Feld angegangen. »Und die Bebauung wird irgendwann weitergehen, auch wenn das heute keiner sagt.« Letzteres wies Bürgermeister Weber zurück: »Solange ich da bin, wird es keine Ausweitung geben.« Ulli Kastner

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