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Gemeinde und Insula arbeiten an neuem Vertrag – Eltern erzürnt – »Katastrophale Informationspolitik«

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Der Kindergarten in der Insula. Ob hierhin künftig auch Kinder aus Winkl gehen müssen, ist noch nicht geklärt. Kein Wort über die Sache verliert derzeit Bischofswiesens Noch-Bürgermeister Toni Altkofer.
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Wut auf den Bürgermeister verspüren Eltern und Mitarbeiter der Kindertagesstätte in Winkl. Noch läuft diese unter Gemeindeaufsicht. Bald schon wird die Trägerschaft das Diakoniewerk Hohenbrunn innehaben. Fotos: Anzeiger/Wechslinger
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Bürgermeister Toni Altkofer hält Stillschweigen über die Entwicklung bei der Kindertagesstätte in Winkl. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Bischofswiesen – Die Aufregung in Bischofswiesen ist groß, Eltern fahren schwere Geschütze auf, auch Erzieher und Kinderpflegerinnen begehren auf: Die Kindertagesstätte in Winkl soll unter die kirchliche Trägerschaft des Evang.-Luth. Diakoniewerks Hohenbrunn (Insula) kommen. Nur hat davon bislang niemand etwas gewusst. »Das ist ein Skandal«, heißt es aus den Reihen der Mitarbeiter. Mit unabsehbaren Folgen für den Einzelnen. Und die Gemeinde? Die verhängt sich selbst einen Maulkorb und mauert: »Kein Kommentar.« Aber warum?


Die Kindertagesstätte in Winkl ist ein großer Arbeitgeber. 27 Erzieherinnen und Pflegerinnen arbeiten in Krippe, Kindergarten und Hort, betreuen 125 Kinder zwischen null und 14 Jahren. Einige Mitarbeiter sind aktuell in Elternzeit, andere im Krankenstand. Der Träger der Einrichtung ist die Gemeinde Bischofswiesen. Das soll sich nun aber ändern. Geplant ist, dass die Einrichtung im September unter die kirchliche Trägerschaft der Insula kommt. Offiziell ist die Sache noch nicht, wurde dem »Berchtesgadener Anzeiger« aber aus Insider-Kreisen bestätigt.

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Dass diese Entwicklung überhaupt bekannt wurde, liegt an Hans Metzenleitner von der SPD. Dieser stellte zu Beginn der Gemeinderatssitzung am Dienstag, in der die Kindertagesstätte Winkl Thema im nicht-öffentlichen Teil sein sollte, den Geschäftsordnungsantrag, die grundsätzliche Diskussion in öffentlicher Sitzung zu diskutieren. Immerhin gehe das jeden etwas an, heißt es auf Nachfrage. Metzenleitners Antrag scheiterte mit 5:15 Stimmen.

»Persönliche Befindlichkeiten des Rathauschefs«

Mittlerweile hat sich das Thema in Eltern- und Mitarbeiterkreisen aber herumgesprochen. »Wir wissen überhaupt nicht, wie es weitergeht«, heißt es aus dem Kindergarten. Einige Mitarbeiter haben befristete Verträge, die Ende August auslaufen. Ob sie verlängert werden, ist fraglich. »Immerhin hat die Insula ja auch viele Beschäftigte.« Wütend ist man auf Bürgermeister Toni Altkofer, der das Thema so kurz vor seiner Verabschiedung als Gemeindechef »noch durchdrücken« möchte. Vermutet werden aus Gemeindekreisen auch »persönliche Befindlichkeiten des Rathauschefs«. Mit der Abgabe der Trägerschaft spare sich die Gemeinde nicht nur »einen Haufen Geld und saniert sich damit auch noch den Haushalt«, sondern »gewisse Personen könnten auf diese Weise abgesägt werden.«

Nachfrage bei der Gemeinde: Geschäftsleiter Rupert Walch ist am Telefon. Als das Thema »Kindertagesstätte Winkl« zur Sprache kommt, wird es ruhig, ein paar Sekunden herrscht Stille. Dann: »Der Bürgermeister hat beschlossen, dass wir dazu keinen Kommentar abgeben.« Gründe nennt Walch keine.

Auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz

Die Verzweiflung im Kindergarten ist weiterhin groß: Einige Mitarbeiter haben sich vorsichtshalber bereits bei anderen Einrichtungen beworben. Sie haben Angst, nach Trägerschaftsübernahme durch die Insula auf die Straße gesetzt zu werden. Arbeitsverträge, die bislang in öffentlicher Hand sind, werden spätestens ab September erneuert. »Die Bezahlung wird darunter leiden. Es ist die Frage, zu welchen Konditionen uns die Insula weiterbeschäftigen würde – wenn überhaupt«, vermutet eine Mitarbeiterin. Am liebsten würde sie unter gemeindlicher Trägerschaft bleiben. Wie so viele andere auch.

Fehlende Transparenz und Sprechverbote

Unverständnis äußern viele: über die Beweggründe der Gemeindeverwaltung, über die »katastrophale Informationspolitik«, über Sprechverbote. »Es geht doch um unsere Kinder. Die sollten doch jeden etwas angehen«, sagt eine Mutter aus Bischofswiesen.

Kommt die Insula als neuer Träger zum Zug, soll die Einrichtung in Winkl zunächst bleiben, »die Liegenschaft wird weiterhin zur Verfügung gestellt«, heißt es aus Kreisen des Gemeinderates. Ob Personal übernommen wird, ob es neue Verträge geben wird – all das sagt zum jetzigen Zeitpunkt niemand offiziell.

Dafür erheben Eltern nun schwere Vorwürfe in Richtung der Gemeinde: »In Winkl gibt es zu wenige Angestellte.« Schon seit Monaten sei das Problem bekannt. Die Personalberechnung erfolgt nach einem vorgegebenen Schlüssel. So manche Kindergruppe sei deutlich zu groß, pädagogisch sei das »kontraproduktiv«. Die Gemeinde müsse Sorge tragen, dass ausreichend Personal vorhanden ist. Auch dazu gibt es seitens der Verwaltung keine Stellungnahme.

Rechtliche Schritte möglich

Wie es nun weitergeht? Das wissen derzeit nur Bürgermeister Toni Altkofer, Geschäftsleiter Rupert Walch und jene Bischofswieser Gemeinderäte, die an der nicht-öffentlichen Sitzung teilgenommen haben. Mitarbeiter und Eltern hängen in der Luft. Aus der Insula erfährt man auch nur so viel: »Es gibt Verhandlungen.« Rechtliche Schritte seitens einiger Eltern werden bereits erwogen. Toni Altkofer wird sich dann in den Ruhestand verabschiedet haben. Neu-Bürgermeister Thomas Weber (CSU) muss es dann richten. Kilian Pfeiffer