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Gemeinderat gibt grünes Licht für Schulhaus-»Klotz«

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Der geplante Neubau für die Erweiterung der Grund- und Mittelschule Bischofswiesen wird hoch, für so manchen Gemeinderat sogar zu hoch. (Foto: Kastner)

Bischofswiesen – Das Wort »Klotz« fiel am Dienstag gleich mehrmals im Gemeinderat Bischofswiesen. Gemeint war damit der geplante Neubautrakt für die Erweiterung der Grund- und Mittelschule Bischofswiesen, der mit vier Geschoßen sehr hoch, für manche sogar zu hoch werden soll. Auch das Fehlen eines fertigen Parkplatzkonzeptes wurde bemängelt, sodass das grüne Licht des Gemeinderats für den Bauantrag am Ende von drei Gegenstimmen getrübt wurde.


Ab dem Jahr 2022 wird die Gemeinde Bischofswiesen neben den eigenen Grundschülern auch alle Mittelschüler aus den Gemeinden des Berchtesgadener Talkessels aufnehmen. Um den Platz für rund 200 weitere Mädchen und Buben zu schaffen, muss neu gebaut werden. Die vom einheimischen Büro Schulze Dinter Architekten entworfenen Pläne hatte Bürgermeister Thomas Weber vor Kurzem bereits in nicht öffentlicher Sitzung vorgestellt (wir berichteten). Am Dienstag hatte der Gemeinderat nun über den Bauantrag zu entscheiden.

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Dem Gremium lagen die Pläne für die Errichtung eines viergeschoßigen Neubautrakts im Hangbereich zwischen Turnhalle und großem Schulhof vor. Aus gestalterischen und auch praktischen Gründen wird das Erdgeschoß ein wenig gedreht, sodass die Aula südöstlich und nordwestlich ein wenig hervorragt. Während der Bau selbst im rechten Winkel zum sogenannten Kelnbergerbau steht, orientiert sich das Erdgeschoß an der Flucht der benachbarten Turnhalle.

Zentrum des Schulcampus

Der barrierefreie Neubau soll künftig das Zentrum des gesamten Schulcampus werden. Untergebracht werden nach den Worten von Bauamtsleiter Mathias Irlinger eine Mensa und Küche für die Verpflegung von 80 Kindern, eine 310 Quadratmeter Aula für Veranstaltungen mit bis zu 200 Besuchern, ein Pausenkiosk, drei Fachunterrichtsräume, drei Klassenzimmer für die Mittelschule, ein Unterrichtsbereich für die Berufsfachschule für Kinderpflege mit drei Klassenzimmern, ein großer Multifunktionsraum im Obergeschoß mit rund 100 Quadratmetern sowie Nebenräume für Lehrer und Schüler. Die Aula kann zum Innenhof hin geöffnet und damit für Freiluftveranstaltungen erweitert werden. Die Ausmaße des Baues betragen 46,50 mal 15 Meter, die Wandhöhe liegt bei 12,70 Metern, die Firsthöhe bei 14,30 Metern. Die Planfertiger haben die gesamte Nutzfläche mit 2 574 Quadratmetern, den Brutto-Rauminhalt mit 10 544 Kubikmetern berechnet.

Um das gesamte Raumprogramm unterzubringen, wird das Gebäude den benachbarten Hartmannbau um ein Stockwerk überragen. Dass der neue Schultrakt ein »Klotz« wird, räumten die Gemeinderäte in der Diskussion auch unumwunden ein. Für die meisten stellt er aber einen gelungenen Kompromiss dar, weil die anderen Planungsvarianten ihrer Ansicht nach nicht zu realisieren sind. Da hatte es den Vorschlag eines Neubaues anstelle des jetzigen Übergangs-Rathauses oder die Idee einer Überbauung des Schulinnenhofs gegeben. Aus Umsetzungs- und Kostengründen hatte man diese Varianten nicht mehr weiterverfolgt.

»Harmonie nicht mehr gegeben«

Ein klares Nein zum jetzt geplanten Neubau neben der Sporthalle kam allerdings von Oliver Schmidt (CSU). Der steht nach eigenen Worten zwar voll und ganz hinter der gemeinsamen Mittelschule. »Aber mit diesem Bau ist die Harmonie rund um den bestehenden Schulhof nicht mehr gegeben«, sagte Schmidt. Als Hauptgrund für seine Ablehnung benannte er die Gebäudehöhe. »Der Trakt überragt die bestehende Schule bei weitem«, kritisierte Schmidt.

Nach Angaben von Bürgermeister Thomas Weber wolle die Gemeinde mit dieser Projektvariante auch Fläche sparen. »Wir wären sonst ein schlechtes Vorbild für die Bürger«, so der Rathauschef. Außerdem hätten auch die Architekten im Ideenwettbewerb diesen Standort vorgeschlagen, »die wären dann ja alle falsch gelegen«.

Unterstützung bekam der Bürgermeister unter anderem von Schulleiter Hans Metzenleitner (SPD), der das neue Gebäude als Herzstück der beiden Schulen bezeichnete. »Ich kann mir keinen anderen Standort mehr vorstellen, denn schließlich geht es vor allem um Funktionalität.« Alles andere seien nur »Scheinalternativen«.

Sepp Angerer (SPD) hatte nach eigenen Angaben lange gebraucht, bis er sich mit dem Bau anfreunden konnte. Der sei tatsächlich viel zu hoch. »Es bleibt uns aber nichts übrig, wir müssen da in den sauren Apfel beißen.« Das will Kaspar Stanggassinger (Freie Wähler) allerdings nicht. Er begründete seine Ablehnung des Bauantrags ebenfalls mit der Höhe. Vom Grund des Schulhofs bis zum Giebel hatte Stanggassinger sogar eine Höhe von 17 Metern errechnet.

Parkplatzkonzept angemahnt

Mathias Aschauer (Freie Wähler) nannte als Grund für seine Ablehnung das fehlende Verkehrs- beziehungsweise Stellplatzkonzept. Bürgermeister Thomas Weber hatte zwar erläutert, dass dieses später als Gesamtkonzept auch im Hinblick auf das neue Rathaus entwickelt werden solle. Aschauer pochte allerdings darauf, dass man sich über die Stellplätze genauso wie über den Brandschutz schon jetzt exakte Gedanken machen müsse. Mehrfach kam aus dem Gemeinderat auch die Anregung, den Neubau nicht wie angedacht in Holzständerbauweise, sondern mit Massivholz zu planen.

Am Ende gab der Gemeinderat mit großer Mehrheit grünes Licht für den Neubautrakt. Die Gegenstimmen kamen von Oliver Schmidt, Kaspar Stanggassinger und Mathias Aschauer. Der Baubeginn ist für Frühjahr 2019 geplant. Ulli Kastner