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Gluck, gluck – und weg

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Prost: das auf Facebook beliebte Trinkspiel »Neck & Nominate«.
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Er trinkt auch – und zwar gleich drei Bier.
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Er trinkt nur eine. Dafür flott. Repros: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden – Ein großer Schluck, ein zweiter, dann noch einer. Nach elf Sekunden ist das Bierglas leer, ein halber Liter. Stefan schaut in die Kamera, dann lacht er, rülpst lauthals und nominiert drei Freunde, die auch ein Bier exen müssen – in den nächsten 24 Stunden. Auf Facebook passiert das zur Zeit tausendfach. Selbst angesehene Kommunalpolitiker aus dem Berchtesgadener und dem Ramsauer Gemeinderat beteiligen sich daran.


Der Trend »Neck and Nominate« ist erst seit wenigen Tagen in Deutschland angekommen und im sprichwörtlichen Sinne schon in aller Munde. Minderjährige kippen im Internet in kürzester Zeit einen halben Liter Bier hinunter. Erwachsene schließen sich dem Trend an – und filmen sich dabei. Die Spielregeln sind einfach: Ein Nominierter muss ein alkoholisches Getränk »in den Rachen schütten«, auf ex. Dann darf er drei weitere Nominierungen aussprechen. Die Personen müssen innerhalb von 24 Stunden die Herausforderung antreten, anderenfalls müssen sie dem Nominierenden einen Kasten Bier spendieren. Natürlich soll das Ganze gefilmt werden. Der Trend breitet sich seit ein paar Tagen rasend schnell im Internet aus, über diverse soziale Netzwerke werden Tausende Videos veröffentlicht, auch die Talkessel-Gemeinde beteiligt sich intensiv an der feuchten Biersause. Mittlerweile gibt es mehrere Fan-Seiten des »Zeitvertreibs«, kuriose Filme kursieren auf Youtube.

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Etwa das Video von Hans aus Berchtesgaden: Der Jugendliche bedankt sich für die Nominierung, sein Bierglas steht bereit. Im Hintergrund hängt eine »Hofbrauhaus Berchtesgaden«-Fahne, bayerische Musik dudelt aus einer Stereoanlage. »Prost«, sagt er, dann kippt er die Halbe weg, ein schmatzender Laut, »guad wars«, sagt er, rülpst in die Kamera und nominiert drei Freunde, die das gleiche Spiel durchlaufen müssen. Auch zahlreiche Mädchen beteiligen sich an der Spontanaktion. Oft sind die Gläser dann etwas kleiner, manchmal trinken sie Radler, andere bedienen sich an Sekt oder Champagner. Wichtig in jedem Fall: Alkoholisch muss es sein, der Glasinhalt muss auf einmal runtergespült werden.

Ein Schönauer macht das etwa mit nacktem Oberkörper, ein anderer trinkt gleich eine Maß auf ex. Es gibt Videos, in denen Gruppen mit zehn Mann Flaschen leeren, andere liefern sich im Anschluss ein Rülpskonzert der besonderen Art. Rentner machen mit, Mittelständler, auch die lokale Politikprominenz beteiligt sich am schnellstmöglichen Leeren des eigenen Glases.

So gibt es Videos von Berchtesgadener und Ramsauer Gemeinderäten, die sich der Bierverköstigung hingeben. Der Berchtesgadener Politiker hatte sein Video allerdings 24 Stunden später bereits wieder gelöscht.

Selbst der JU-Vorsitzende aus dem Berchtesgadener Land drehte von sich ein Video, das ihn am Ausschank zeigt. Er füllt sich sein Glas, dann ext er den Inhalt. Landrat Georg Grabner ist auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« über seinen Parteikollegen nicht erfreut, »kein Kommentar«, sagt er, und fügt hinzu: »Ich finde, dass das Bier von unseren Brauereien im Berchtesgadener Land zu schade ist, um es einfach so runterzuschütten.« Der Ursprung des Biertrends wird in Australien verortet. Dort existieren Videos, in denen die Teilnehmer sogar Gefahren auf sich nehmen: So filmten sich etwa zwei Australier dabei, wie sie, scheinbar ungesichert, ihre Bierflaschen, an einem in der Luft befindlichen Hubschrauber hängend, leerten und sich anschließend in ein Gewässer fallen ließen. Ein anderer trinkt sein Bier auf dem Skateboard – fahrend, inmitten des Gegenverkehrs. Laut irischen Medien sollen zwei »Trinker« beim Ex-Spielchen ums Leben gekommen sein. Einer hatte die Menge an Schnaps nicht einschätzen können, ein anderer war im Rahmen der »Herausforderung« in einen Fluss gesprungen. Im Berchtesgadener Talkessel ist nicht jeder begeistert von der Aktion. So mancher Nominierte »hat keine Lust, ein Bier zu trinken«, »das ist doch lächerlich«, so die Meinung vieler Facebook-Nutzer. Auch ein jugendlicher Bischofswieser filmte sich. Das Bier steht bereit. Dann die unerwartete Wendung. »Euer Bier könnt ihr selbst trinken«, so der Kommentar. Die bereits leere Flasche warf er dann gegen die Wand. Kilian Pfeiffer