weather-image
18°

Glückliches Ende eines spannenden Aus-Flugs

4.5
4.5
Bildtext einblenden
Ulrich Brendel (r.) ist überglücklich, dass Kakadu Lorenzo wieder da ist. Das Tier war dem Urlauber Ralf Meyer (l.) auf dem Soleleitungsweg zugeflogen. (Fotos: privat)
Bildtext einblenden
Zur Stärkung gab's in der Gaststube für Lorenzo erst einmal einen Schweinsbraten.

Schönau am Königssee – Glückliche »Familienzusammenführung« in Königssee-Schwöb. Nach fast einwöchigem Aus-Flug in die Freiheit ist der schneeweiße Kakadu seit gestern Nachmittag wieder zuhause bei der Familie Brendel. Das Tier war gegen Mittag zwei Urlaubern aus Nordrhein-Westfalen auf dem Soleleitungsweg zugeflogen, von denen sich der ausgehungerte Vogel auf der Schulter zum Gasthof »Gerstreit« tragen ließ.


»Als ich Lorenzo auf der Gerstreit abholte, verschlang er gerade einen Schweinsbraten«, erzählte Ulrich Brendel dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Der Königsseer ist mit seiner Familie »überglücklich, dass Lorenzo wieder zuhause ist«. Ulrich Brendel, der sich als Adlerexperte bei der Nationalparkverwaltung mit außergewöhnlichen Vögeln gut auskennt, hat den Eindruck, dass der Kakadu gesund ist. »Aber er ist völlig ausgehungert«, erklärte der Königsseer. So hat er nach der Vertilgung des Schweinsbratens auf Gerstreit auch in der Königsseer Heimat erst einmal weiter fleißig Brotzeit gemacht. Und als der Magen voll war, überkam Lorenzo der Schlaf. »Er ist völlig erschöpft und darf sich nun erst einmal ausruhen«, so Brendel gestern Nachmittag.

Anzeige

Immerhin dürfte der fast einwöchige Ausflug äußerst anstrengend für das Tier gewesen sein. Immer wieder war der Kakadu nämlich von Krähenschwärmen verfolgt worden, wie die Familie Brendel beobachten konnte. Nach einigen Hinweisen in den ersten Tagen der Abwesenheit Lorenzos fehlte seit Sonntagfrüh erst einmal jede Spur von dem Tier. Am Mittwoch war Lorenzo dann nach einem Artikel im »Berchtesgadener Anzeiger« in der Oberschönau wieder gesichtet worden.

Endgültig genug von seinem anstrengenden Aus-Flug hatte Lorenzo dann wohl gestern Mittag. Da landete er ganz plötzlich auf den Schultern von Ralf Meyer. Der Urlauber aus Bönen in Nordrhein-Westfalen war mit seiner Begleiterin auf dem Soleleitungsweg unterwegs, als sie den überraschenden Besuch bekamen. Die Urlaubsgäste vermuteten, dass das Tier wohl zum Gasthof »Gerstreit« gehöre und wollten es dort abgeben. Dort hatte man aber den Zeitungsbericht über das Verschwinden Lorenzos gelesen und erkannte das Tier sofort.

Klar, dass Ulrich Brendel nach seiner Verständigung nicht lange zögerte und sich sofort mit dem Auto auf den Weg hinauf zur Gerstreit machte. Dort nahm der Königsseer den kleinen Ausreißer nach beendeter Stärkung auf die Schulter, wo sich Lorenzo gleich einmal vertrauensvoll anschmiegte. Auch die Autofahrt zurück in die alte Heimat durfte Lorenzo auf der Schulter von Ulrich Brendel genießen. Vor den Krähen braucht sich der Kakadu nun erst einmal nicht mehr zu fürchten. Dafür darf er ab sofort wieder am Familientisch in Schwöb Platz nehmen, wo sein Stuhl jetzt einige Tage verwaist war.

Das Urlauberpärchen aus Bönen wird Lorenzo vielleicht sogar einmal besuchen kommen. Denn die Familie Brendel hat die glücklichen Finder als Dank zum Urlaub in ihre Ferienwohnung eingeladen. Ulli Kastner