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Glückliches Ende nach 274 Stunden

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Massenandrang in der Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden. Zur Pressekonferenz nach der Rettung des schwer verletzten Höhlenforschers, an der auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (r.) teilnahm, waren über 200 Journalisten gekommen. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Weit über 200 Reporter waren bei der zwölften und letzten Pressekonferenz anlässlich der Rettung des verunglücken Höhlenforschers Johann Westhauser (52) in die Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden gekommen. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann war dabei, um den Rettern und der Einsatzleitung seine höchste Anerkennung auszusprechen.


Der geborgene Höhlenretter ist gestern um 11.47 Uhr in einem stabilen Zustand in eine Klinik geflogen worden. Elf Tage, zehn Stunden und 14 Minuten hatten Millionen von Menschen um das Leben des Verunglückten, aber auch um die Sicherheit der insgesamt 202 Höhlenretter gebangt. Insgesamt waren an der Rettung 728 Einsatzkräfte beteiligt.

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Aufwendiger Rückbau

Der Einsatz ist jedoch erst dann völlig abgeschlossen, wenn der letzte Retter vom Berg und das Material aus der Höhle genommen worden ist.

Der stellvertretende bayerische Bergwachtleiter Stefan Schneider hatte es schon während der Einsatztage immer wieder betont, dass man bei einer Höhlenrettung nicht in Minuten und Stunden rechne, sondern in Tagen. Und so zogen sich auch die letzten Stunden der Rettung in die Länge. Man wollte nicht am Ende noch etwas gefährden.

Die Ausführungen der Einsatzleitung machten deutlich, dass man es sich zunächst nicht hatte vorstellen können, einen Verunglückten aus einer über 1 000 Meter tiefen, verwinkelten Höhle bergen zu können. Der Vorsitzende der bayerischen Bergwacht, Norbert Heiland, sprach deshalb allen an der Rettung beteiligten Personen und Institutionen höchste Anerkennung aus.

Hier sei in den vergangenen Tagen etwas Einmaliges, ganz Großartiges geschehen. Schließlich waren an der Höhlenrettung die besten Leute aus Europa beteiligt. 42 Kräfte aus Österreich, 24 aus der Schweiz, 89 aus Italien, 20 aus Kroatien und 27 aus Deutschland. Ferner hatten sich die Polizei mit ihren Hubschraubern, das BRK, die Malteser, die österreichische Flugrettung sowie die Feuerwehren der Talkesselgemeinden an dem Einsatz beteiligt.

Heiland vergaß aber auch die Familien nicht, die in Gedanken bei ihren Liebsten gewesen seien. »In den vergangenen zwölf Tagen wurde in der Bayerischen Bergwacht und ihren befreundeten Institutionen Geschichte geschrieben, es war eine Rettung ohne Beispiel«, betonte Heiland, dessen Ausführungen lang anhaltender Applaus aller Anwesenden folgte.

Tränen sind geflossen

Einige der Retter vergossen nach der gelungenen Rettung sogar ein paar Tränen, als die ganze Last nach dem übermenschlichen Einsatz abgefallen war.

Weil der Einsatz von Beginn an ein sehr großes Medieninteresse geweckt hatte, veranstaltete man täglich Pressekonferenzen, teilweise bis zu drei am Tag. Roland Ampenberger leistete als Verbindungsmann zwischen Einsatzleitung und den Medien sehr gelungene Schwerstarbeit. Die Journalisten aus ganz Deutschland und dem Ausland waren stets auf dem Laufenden.

Innenminister: »Unglaubliche Solidarität«

Der bayerische Staatsminister des Inneren, Joachim Herrmann, zeigte sich sehr stolz auf die bayerische Bergwacht, machte aber auch deutlich, dass die Rettung nur ein gutes Ende genommen habe, weil sich in einer unglaublichen Solidarität auch Höhlenretter aus vier befreundeten Nationen in die Aktion eingebracht hätten.

»Der Zugang zur Höhle wird sofort gesperrt und nur noch für spezielle Forschungsaufträge geöffnet«, erklärte der Staatsminister abschließend (siehe eigener Artikel auf Seite 5). Christian Wechslinger

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