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Goldene Zeiten in Berchtesgaden

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Vergolden ist Präzisionsarbeit: Christian Summek sieht den Berchtesgadener Bahnhof derzeit aus luftigen Höhen, während er die Uhr mit feinen Blattgoldblättchen verziert. (Fotos: Rothenbuchner)
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Die Arbeiten sind im vollen Gang: Dieser Ziffernstrich ist bereits zum Teil vergoldet.
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So sehen die Goldblättchen aus, ehe sie an der Bahnhofsuhr angebracht werden.

Berchtesgaden – In Berchtesgaden scheinen goldene Zeiten angebrochen zu sein. Das glänzende Edelmetall soll in Zukunft die Reisenden am Berchtesgadener Bahnhof begrüßen. Im Auftrag des Münchner Investors Ralph Müller ist die Firma Beppo Maltan derzeit damit beschäftigt, die Ziffern der großen Uhr mit Blattgold zu verzieren.


Diese hat in diesem Jahr schon verschiedene Aufträge am Bahnhof umgesetzt. Darunter die Blechdachbeschichtung und Malerarbeiten im Innenbereich des Heinrich-Schwaiger-Hauses in Kaprun auf 2 800 Meter Höhe. Nun ist sie wieder mit einer besonderen Aufgabe betraut. Nach der Fassade wird nun auch die große Uhr des von 1938 bis 1940 erbauten Berchtesgadener Bahnhofs von der Schönauer Firma restauriert. Die ursprüngliche Verzierung der Uhr ist mit der Zeit verwittert. Maltan-Geschäftsführer Andreas Summek schlug Ralph Müller daher vor, die Ziffern vergolden zu lassen. Den Ziffern wird noch in dieser Woche mit 23,75 karätigem Rosenobel Transfergold zu neuem Glanz verholfen.

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Das Vergolden der Ziffernstriche erfordert nicht nur Präzision. »Für diese Arbeit braucht man auch viel Geduld«, erzählt Christian Summek. Er wird voraussichtlich einige Tage mit der Arbeit an der Uhr beschäftigt sein. Um das Blattgold anbringen zu können, muss der Untergrund erst gründlich gereinigt werden, ehe er im nächsten Schritt mit einem Anlegeöl, einer Art Kleber, grundiert werden kann. Dieses Anlegeöl soll 24 Stunden trocknen, erst dann darf weitergearbeitet werden. Um den Kleber wieder zu aktivieren, wird ein weiteres Mittel über die zu vergoldende Fläche gestrichen. Erst jetzt kann das Edelmetall aufgetragen werden. Bei diesem handelt es sich um etwa acht mal acht Zentimeter große, sehr dünne Blätter, die auf einem feinen Papier aufgebracht sind. »Man kann es sich wie Backpapier vorstellen«, beschreibt Christian Summek. Beim Auftragen des Blattgoldes benötigt man Fingerspitzengefühl. Glatte Flächen sind noch relativ einfach zu bearbeiten. Sorgfalt ist aber gefragt, wenn es an Rundungen, Ecken oder Kanten geht. Immerhin soll das Gold sich exakt an den Untergrund anpassen und keine Falten schlagen. »Größtenteils wird das Gold direkt mit der Hand angedrückt«, sagt Summek, »für Vertiefungen nimmt man aber einen Pinsel zu Hilfe.«

Vor dem letzten Arbeitsschritt heißt es dann wieder warten, denn auch das Gold soll etwa 24 Stunden trocknen können, ehe weitergearbeitet wird. Am Ende wird das Edelmetall noch mit einem speziellen Tuch poliert, um überstehende Goldteilchen zu entfernen. Die Kosten für die Sanierung und Vergoldung der Uhr belaufen sich insgesamt auf mehrere Tausend Euro.

Zusätzlich zu den Ziffernstrichen sollen im Anschluss auch die Spitzen der beiden Fahnenmasten vor dem Eingang vergoldet werden. Die Arbeiten an Uhr und Fahnenmasten werden voraussichtlich bereits nächste Woche beendet sein, goldenen Zeiten steht in Berchtesgaden damit eigentlich nichts mehr im Weg. Alexandra Rothenbuchner