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»Goldenes« Trinkwasser fürs Stöhrhaus?

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In erster Linie setzt man bei der Wasserversorgung Stöhrhaus auf Regenwasser. Der Einbau eines 50-Kubikmeter-Tanks soll mehr Spielraum schaffen. Foto: DAV
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So sah das Goldbründl bis vor Kurzem aus. Das Wasserbecken existierte noch, aber die Zerstörung hatte mit dem Einbau einer Rohrleitung und dem damit verbundenen gesunkenen Wasserstand ihren Anfang genommen. Fotos: privat
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Das einstige Quellbecken ist jetzt mit Beton verschlossen.
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Alles ist so hergerichtet, als wenn es nie ein Goldbründl gegeben hätte.

Bischofswiesen – Auf dem Untersberg ist frisches Trinkwasser rar. Das weiß nicht nur der Alpenverein als Eigentümer des Stöhrhauses, sondern das spüren auch die vielen Wanderer, die sich tagtäglich auf dem Hochplateau bewegen. Eine kleine Oase der Entspannung war bislang stets das sogenannte Goldbründl rund 100 Höhenmeter unterhalb des Stöhrhauses. An der idyllischen Quelle rasteten Naturfreunde gerne und füllten ihre Wasservorräte auf. Doch jetzt ließ die Alpenvereinssektion Berchtesgaden das Geotop verschwinden, weil man das Quellwasser für das Stöhrhaus nutzen will. Die Aktion rief bei vielen Berggehern Unverständnis und Zorn hervor.


Die Wasserversorgung ist auf Berghütten oftmals problematisch. Wo das kostbare Nass im Karstgebirge schnell nach unten abfließt, sind Quellen spärlich oder gar nicht vorhanden. Bei der Alpenvereinssektion Berchtesgaden ist die Wasserversorgung für das Stöhrhaus am Untersberg seit Jahren ein Thema. Hier sammelte man bislang ausschließlich Regenwasser, das vom Hausdach in entsprechende Tanks geleitet wird. Um die behördlichen Auflagen zu erfüllen und künftig größeren Spielraum zu haben, ließ der Alpenverein zusätzlich einen 50 000-Liter-Tank unterhalb der Hütte installieren.

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Während die Bergsteiger die Investitionsanstrengungen des Alpenvereins, der in den nächsten Jahren insgesamt 700 000 Euro ins Stöhrhaus stecken will, anerkennen, fragen sich aber auch viele, ob der Verein mit einer anderen Aktion nicht übers Ziel hinausgeschossen ist. Es geht um das sogenannte Goldbründl, einen trichterförmigen Felsen rund 100 Höhenmeter unterhalb des Stöhrhauses, in dem sich aus einer Quelle das Wasser sammelt. Das Geotop, das viele Bergwanderer zur Erfrischung und zur Rast aufsuchten, ist nämlich plötzlich nicht mehr da. »Es ist beinahe nicht mehr zu erkennen, wo es war«, schrieb Hias Renoth in seinem Leserbrief (Donnerstagausgabe). Statt des goldenen Schimmers im glasklaren Bergwasser sieht der Naturfreund jetzt nur noch Schotter, Gras und Beton.

Auch Simon Stocker aus Marktschellenberg ist bestürzt über die Aktion. Der Rentner hat den idyllischen Flecken am Untersberg bei seinen Wanderungen immer gerne aufgesucht, hat die Quelle gesäubert und sich am Wasser erfreut. Jetzt ist Stocker sauer. »Was da geschehen ist, ist eine Frechheit«, schimpft der Marktschellenberger. Dem »Berchtesgadener Anzeiger« hat er Fotos zugesandt. Darauf ist zu sehen, dass die Wanne, in der früher das Wasser zusammenlief, mit Beton aufgefüllt ist. Vermutlich wurde darunter Schotter eingefüllt, damit das Wasser über eine 100-Millimeter-Leitung abfließen kann. Auch für den Einbau dieses Rohres war das Felsbecken vor einiger Zeit schon einmal in Mitleidenschaft gezogen worden. Seitdem war der Wasserstand im Becken deutlich niedriger. Und davor gab es bereits seit Jahrzehnten ein dünnes Eisenrohr, über das Wasser abgeleitet worden war. So schritt die Zerstörung dieses Kleinods Schritt für Schritt voran und erreichte nun ihren Höhepunkt. Das Thema wird derzeit sogar intensiv auf Facebook diskutiert. Während einige Verständnis für das Projekt zeigen und auf die behördlichen Auflagen in puncto Wasserversorgung verweisen, sind andere bestürzt über den Eingriff in die Natur.

Grundsätzlich bestätigt Beppo Maltan, 1. Vorsitzender der Alpenvereinssektion Berchtesgaden, die Aktion am Goldbründl. Allerdings weist er den Vorwurf zurück, das Geotop sei zerstört. »Es ist nur mit Schotter abgedeckt, damit es vor Verunreinigung beispielsweise durch Tiere geschützt ist«, sagt Maltan. Und er liefert eine Begründung nach: »Wir testen derzeit, ob das Goldbründl als Quelle für das Stöhrhaus geeignet ist, denn frisches Quellwasser ist freilich besser als Regenwasser.«

Laut Beppo Maltan hat man kürzlich Messungen am Goldbründl durchgeführt. Dabei ergab sich eine Ausschüttung von rund 300 Litern am Tag. Nun will man testen, ob die Quelle dem Stöhrhaus dauerhaft etwas bringt. Dafür sei die Quelle nachgearbeitet worden. Von einem Behälter aus soll das Wasser über eine provisorische Leitung zum Haus hochgepumpt werden. »Wir werden uns jetzt ein oder zwei Jahre anschauen, ob es funktioniert. Wenn die Quelle ergiebig genug ist, werden wir es so lassen. Wenn nicht, dann wird alles wieder so hergerichtet wie es vorher war«, verspricht Beppo Maltan.

Simon Stocker hält die ganze Aktion ohnehin für Unsinn. »Beim derzeitigen schlechten Wetter mag aus der Quelle vielleicht etwas mehr Wasser kommen. Es gibt aber Jahre, in denen es dort nur tröpfelt«, weiß der Untersberg-Kenner und erklärt: »Für die Wasserversorgung des Stöhrhauses ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.« Ulli Kastner