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Grab von Hitlers Ideengeber Dietrich Eckart wird aufrechterhalten

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Das Grab soll auch weiterhin aufrechterhalten werden, wie der Markt Berchtesgaden auf Anfrage bestätigte. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Auf dem Alten Friedhof ist Dietrich Eckart, der Ideengeber Adolf Hitlers, begraben. Nachdem das Grab seit Jahrzehnten privat gepflegt worden war, fiel die Zuständigkeit im vergangenen Jahr nun an den Friedhofsverband zurück.


Der möchte die Grabstätte erhalten. Denn der Grabstein steht unter Denkmalschutz. Unterstützung für den Erhalt gibt es vom Institut für Zeitgeschichte und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

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Der 21 Jahre ältere Eckart, der Hitler vermutlich im Herbst 1919 kennengelernt hatte, war zeitweise dessen Mentor. Überliefert sind mehrere Treffen in Berchtesgaden. 1921 bezeichnete der Publizist und Verleger Hitler erstmals als »Führer«. Der gebürtige Neumarkter trug dazu bei, dass Hitler das Dritte Reich etablieren konnte.

Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger sagt, dass Eckart eine Person der Zeitgeschichte sei. Auch, wenn Eckart kein Kriegsverbrecher war, da er bereits 1923 verstorben war, sei er doch ein »geistiger Täter«. Glücklich ist Schöbinger über den Erhalt des Grabes zwar nicht. Allerdings stört er sich auch nicht daran. Immerhin steht der Friedhof unter Denkmalschutz. Wäre Dietrich Eckart einer wie Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß, wäre die Entscheidung eindeutig. »Das Grab müsste weg«, sagt Schöbinger. So war man 2011 auch in Wunsiedel verfahren, wo Heß begraben lag.

Hin und wieder eine kleine Kerze

Dass hin und wieder eine kleine Kerze für Dietrich Eckart angezündet oder ein kleiner Engel aufgestellt wurde, mag Anton Kurz, der Geschäftsleiter des Marktes Berchtesgaden, gar nicht bestreiten. Von touristischen Führungen an das Grab weiß er aber nichts. Auf YouTube kursieren im Internet einige Videos, in denen der Ort auf dem Alten Friedhof besucht wird. Viele Bilder finden sich aus früherer Zeit. Die Hitlerjugend pilgerte gruppenweise zum Eckart-Grab, damals galten solche Ausflüge als Pflicht. Thomas Zinner, der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Berchtesgaden, will schon Besucher des Hitler-Unterstützers ausgemacht haben. Wenn es nach ihm geht, hat das Fleckchen Erde heutzutage keine Daseinsberechtigung mehr.

Das Eckart-Grab wurde bislang privat gepflegt, wegen des Datenschutzes kann Geschäftsleiter Anton Kurz aber keine konkreten Infos nennen. »Die Grabpflege wurde im vergangenen Jahr nicht verlängert«, sagt er nur. Deshalb fiel das Grab wieder an den Friedhofsverband zurück. Blumenschmuck und Kerzen für Dietrich Eckart? Anton Kurz sagt: nein. Das Nötigste im Sinn der Denkmalpflege soll gemacht werden. Überhaupt: »Der Friedhof ist denkmalgeschützt, eine Kommune würde niemals ein Denkmal einfach so beseitigen.« Bislang wurde über das weitere Vorgehen mit dem Grabstein und der Begräbnisstätte noch nicht diskutiert, das soll erst in der nächsten Verbandssitzung im Frühling stattfinden.

Auch das Landesamt für Denkmalpflege hat sich mittlerweile für den Erhalt des Grabs ausgesprochen. In einer Stellungnahme heißt es, dass es ein »Bestandteil des Baudenkmals Friedhof« ist. Der Grabstein, der vorderseitig nur mit dem Namen des Toten beschriftet ist, entspreche nicht mehr jenem originalen Grabstein, der auf zeithistorisch relevanten Bildern der 1930er Jahre überliefert ist: Der heutige Grabstein sei wohl unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg aufgestellt worden. Im Hinblick auf die zeitgeschichtliche Auseinandersetzung mit der Person Eckarts sei ein Erhalt der Grabstelle auch im Sinne der Denkmalpflege geboten.

Gleichzeitig verweist man auf die fachlichen Empfehlungen des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ), das die Dokumentation Obersalzberg verwaltet. Deren Leiter, Dr. Axel Drecoll, hat zum Eckart-Grab ebenfalls eine Stellungnahme verfasst und an den Friedhofsverband geschickt. Dort heißt es: »Wir halten das Grab von Dietrich Eckart aus historischen Gründen für erhaltenswert.« Denn Eckart sei eine der prägenden Figuren der völkisch-antisemitischen Rechten Anfang des 20. Jahrhunderts gewesen. Neben seiner überregionalen Bedeutung sei Eckart zudem der Hauptgrund für Hitler gewesen, 1923 den Obersalzberg überhaupt zu besuchen. Das Grab auf dem Berchtesgadener Friedhof sei ein »wichtiges Zeugnis der Geschichte und grundsätzlich als erhaltenswert zu bezeichnen«.

Keine Neonazis

Was sowohl die Verwaltung der Marktgemeinde als auch das IfZ vermeiden möchte, sind Neonazis. Drecoll schreibt in der Stellungnahme: »Es muss unbedingt der Eindruck vermieden werden, dass mit dem Erhalt des Grabes von Dietrich Eckart ein Denkmal gesetzt werden soll.« Als weniger geeignet erscheinen Drecoll Informationstafeln oder sonstige Hinweise auf dem Friedhof. Anders sieht es das Landesamt für Denkmalpflege, das Informationstafeln befürwortet. Das IfZ empfiehlt eher, in einer kleinen Publikation auf ausgewählte Biografien der auf den Berchtesgadener Friedhöfen Bestatteten hinzuweisen. So könnte Eckart in den Kontext anderer Lebensläufe eingebettet werden. Kilian Pfeiffer