weather-image
27°

Großbaustelle »Fernwärme«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Das Herz des Heizkraftwerks: Im Innern weisen riesige, metallene Öfen darauf hin, dass hier eine große Menge Hackschnitzel verfeuert wird.
Bildtext einblenden
Der Geschäftsführer des Biomasseheizkraftwerks in Schönau am Königssee Arnold Fellinger hat derzeit mehrere Großbaustellen im Talkessel. Vor allem der Anschluss des Dorfes Königssee an das Netz erfordert viel Arbeit. (Fotos: Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Eine gewisse Begeisterung liegt in Arnold Fellingers Stimme, wenn er über den Ausbau des Fernwärmenetzes im Talkessel spricht.


400 Kunden sind mittlerweile an das seit 2010 in Schönau am Königssee gestartete Millionenprojekt angeschlossen. In diesem Jahr wird der Netzausbau nochmals forciert. Auf dem Plan steht die Jennerbahn samt Dorf Königssee.

Anzeige

50 Millionen Kilowattstunden Wärme: Die Zahl ist gewaltig. Sie zeigt aber nicht nur, zu was das Biomasseheizkraftwerk imstande ist, sondern auch, wieviel Energie die Kunden benötigen. 50 Millionen Kilowattstunden entsprechen mehreren Millionen Litern Öl. Weite Teile des Berchtesgadener Talkessel sind bereits erschlossen. Viele große Unternehmen sind ans Netz angeschlossen. »Wir haben fast alle öffentlichen Einrichtungen im Kundenbestand«, sagt Arnold Fellinger. Darunter fällt etwa die Gemeinde Schönau am Königssee, der Markt Berchtesgaden, aber auch Großkunden wie der Bundeswehrstandort in Strub, die Schön Kliniken, das Nationalparkzentrum oder das Hofbrauhaus in Berchtesgaden. Auch für den Landkreis Berchtesgadener Land, der sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2030 energieautark zu sein, spielt das Kraftwerk eine wichtige Rolle.

Im Kraftwerk selbst werden Hackschnitzel verbrannt, Wasser – 80 Kubikmeter passen in die Rohre – wird erhitzt und in das weitläufige, kilometerlange Rohrsystem gepumpt, das sich im Erdboden befindet und dort für eine Millionensumme über die Jahre hinweg installiert wurde. Mit den nun erreichten 50 Millionen Kilowattstunden, die pro Jahr umgesetzt werden, hat man das wirtschaftliche Ziel zwar schon erreicht. Technisch ist aber noch mehr möglich.

Zu Arnold Fellingers Aufgaben gehört auch die Kundenakquise. Diese findet immer im Vorfeld statt. Damit man einschätzen kann, ob das Aufgraben der Straßen überhaupt Sinn ergibt. So geschehen etwa am Kälberstein, der teils im Gemeindegebiet von Berchtesgaden, teils im Gemeindegebiet von Bischofswiesen liegt. Unter anderem am Kälberstein finden derzeit Erdbauarbeiten statt. Tiefe Gräben zieren den Luitpoldpark, direkt an der Hauptstraße gelegen. Dort befinden sich die bereits verlegten Netzanschlüsse. Von dort sollen die Rohre in Richtung Kälberstein führen.

Mit viel größerem Aufwand verbunden ist der Netzausbau, der momentan in Schönau am Königssee stattfindet. Vom »Explorer Hotel« sollen die Rohrleitungen über die Schornstraße in Richtung Jennerbahn verlegt werden. Auf dem Großparkplatz Königssee wurde bereits vor Jahren vorgesorgt. Nun gilt es, die Orte zusammenzuführen. Dazu müssen die Straßen metertief aufgegraben werden, um dann die isolierten, aus Stahl gefertigten Rohre im Boden zu verlegen. Gleichzeitig werden auch die Wasser- und Abwasserrohre im Auftrag der Gemeinde erneuert. Zudem sorgt man auch in Sachen High-Speed-Internet vor: Leerrohre sollen die Grundlage bilden, um zukünftig ohne kostspielige Bauarbeiten die Leitungen für das Hochleistungsinternet verlegen zu können. Spätestens im September möchte Fellinger den Zusammenschluss zwischen »Explorer Hotel« und Jennerbahn schaffen. Die Talstation soll an das Netz angeschlossen werden. Langfristig soll auch die Seelände am Königssee an das Netz angeschlossen werden.

Lediglich vier Pumpen im Heizkraftwerk sorgen dafür, dass das auf über 90 Grad Celsius erhitzte Wasser zu den Kunden kommt. Jetzt, da es draußen warm ist, muss kaum geheizt werden, aktuell schafft eine Pumpe allein, das gesamte Netz zu versorgen – mit 3 Prozent der maximalen Leistung. Pro Jahr werden rund 90 000 Schüttraummeter Hackschnitzel verheizt – das entspricht in etwa 34 000 Festmetern. Das Holz kommt aus dem Berchtesgadener Land, aber auch aus Österreich. »Maximal 80 Kilometer Radius«, sagt Arnold Fellinger. 40 Lieferanten liefern ausschließlich Waldhackgut.

Zufrieden zeigt sich Fellinger mit der bislang erreichten Infrastruktur. So manche Ortsteile gibt es noch, die für die Gesellschafter interessant sein könnten. Die Stanggaß ist ein dicht bebautes Gebiet. Auf mögliche Pläne, diese zu erschließen, möchte sich Arnold Fellinger allerdings nicht einlassen. Was bleibt, ist Gas zu geben, den Zeitplan einzuhalten. In drei Monaten soll die Maßnahme in Richtung Königssee vom Tisch sein – inklusive Tragschicht. Ein Jahr später folgt dann die vertraglich geregelte Deckschicht. Kilian Pfeiffer