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Großer Wirbel um kleinen Garten

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Noch gibt es das kleine Blumenbeet im Garten der Wohnanlage an der Koch-Sternfeld-Straße. Doch das Wohnbauwerk will es beseitigen lassen. Foto: privat

Berchtesgaden – Um was man sich nicht alles streiten kann. In der Berchtesgadener Koch-Sternfeld-Straße zankt man sich derzeit um ein kleines Blumenbeet im Garten einer Wohnanlage. Mieterin Olga Truba pflegt das nach ihren Angaben seit über 40 Jahren bestehende Kleinod seit letztem Jahr auf eigene Kosten. Doch die Wohnbauwerk im Berchtesgadener Land GmbH sagt: Das Beet muss weg und kündigt die Entfernung »in den kommenden Tagen« an.


Olga Truba versteht die Welt nicht mehr. Im Frühling letzten Jahres hat sie die Pflege des Blumenbeets übernommen – und seitdem kämpft die Bewohnerin des Mietshauses Koch-Sternfeld-Straße 3 ½ um dessen Erhalt. Dabei gibt es das Beet nach ihren Angaben seit über 40 Jahren. Ein inzwischen verstorbener Hausbewohner hatte es damals errichtet. Weil Olga Truba das kleine Beet mit den Tulpen und Hornveilchen in ihr Herz geschlossen hat, kümmert sie sich seit gut einem Jahr um die Anlage im Garten des Mietshauses.

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Schon im letzten Jahr war der Familie ein Schreiben zugestellt worden, in dem das Wohnbauwerk mit Fristangabe zur Beseitigung des Beets aufgefordert hatte. Olga Truba hatte daraufhin eine Unterschriftenaktion initiiert. »18 von 20 Familien haben unterschrieben«, erzählt die Mieterin und fügt an: »Auch Marktbürgermeister Franz Rasp war auf unserer Seite.«

Vonseiten des Wohnbauwerks war daraufhin die Entscheidung über den Fortbestand des Beets vertagt worden. Doch vor wenigen Tagen gab es für Familie Truba dann eine unangenehme Osterüberraschung. In einem Schreiben kündigte Wohnbauwerk-Geschäftsführer Florian Brunner an: »Sowohl das Weiterbetreiben als auch die Neuanlage eines Blumenbeets in der Wohnanlage wird hiermit nicht gestattet. Die Entfernung des Blumenbeetes wird in den kommenden Tagen von uns veranlasst. Die Unterhaltung eines neuen Blumenbeets durch den Vermieter ist nicht vorgesehen.« Für Familie Truba war diese Ankündigung niederschmetternd. »Wir haben fast geweint«, sagt die Mieterin. Man wandte sich daraufhin mit einem Schreiben auch an den Aufsichtsratsvorsitzenden des Wohnbauwerks, Landrat Georg Grabner. Doch bislang gab es noch keine Antwort.

Olga Truba kann die Haltung des Wohnbauwerks nicht nachvollziehen und stellt drei Fragen in den Raum: »Sieht unser Blumenbeet schlecht aus? Schadet es den Bewohnern des Hauses? Warum muss das Beet entfernt werden, obwohl es schon so lange da ist?«

Geschäftsführer Florian Brunner vom Wohnbauwerk versichert, dass man ja gar nichts gegen das Beet habe. Aber er verweist auf mögliche Bezugsfälle: »Der eine will ein Beet, der andere einen Gemüsegarten, ein Trampolin oder einen Sandkasten – die Dinge verselbstständigen sich irgendwann.« Und immer wieder komme es vor, dass sich plötzlich keiner mehr um die Anlage kümmere. Brunner: »Dann bleibt das Wohnbauwerk auf den Kosten für den Unterhalt oder die Beseitigung sitzen.«

Im aktuellen Fall sind dem Wohnbauwerk allerdings bislang noch keine Kosten entstanden. Die würden nur durch eine Beseitigung des Blumenbeetes entstehen, zumal ja derzeit durch Olga Truba auch die Pflege geregelt ist. Das bestätigt Florian Brunner und kündigt gegenüber der Heimatzeitung Diskussionsbereitschaft in diesem Fall an. Übers Wochenende will sich der Geschäftsführer die Sache noch einmal überlegen. Vielleicht nimmt die Sache ja für Olga Truba und die anderen Mieter doch noch einen guten Ausgang. Ulli Kastner

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