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Grünes Licht für abgespecktes Almdorf am Vorderbrand

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Das Modell im Maßstab 1:250 zeigt, wie das Almdorf hinter dem Gasthof »Vorderbrand« einmal aussehen soll. Das Projekt wurde auf sechs Chalets plus Funktionsgebäude reduziert. (Foto: Kastner)

Schönau am Königssee – Stark abgespeckt hat Wolfgang Aschauer seine Almdorf-Pläne für den Hangbereich hinter dem Gasthof »Vorderbrand«. Statt der in erster Version geplanten 15 Chalets sollen dort nur noch sechs Chalets plus Funktionsgebäude entstehen. Der Gemeinderat Schönau am Königssee stimmte dem Projekt am Dienstag mit 14:2 Stimmen zu und leitete das Bebauungsplanverfahren ein.


Es soll ein touristisches Angebot für anspruchsvolle Urlauber werden, die ein besonderes Ambiente suchen. Bürgermeister Hannes Rasp machte am Dienstag auch klar, dass er ein solches Projekt für sinnvoll hält, zumal es – von zwei kleineren Chalet-Anlagen in Ramsau und Marktschellenberg abgesehen – so etwas im Talkessel noch nicht gibt. Allerdings konnten sich die Lokalpolitiker mit den bislang vorgelegten Plänen Aschauers zunächst nicht so richtig anfreunden. Immerhin hatte die erste Planfassung ein riesiges Almdorf mit 15 Chalets vorgesehen, die sich über den ganzen Waldbereich bis hinauf nach Hinterbrand ausgebreitet hätten. Das gesetzlich vorgeschriebene »Anbindegebot« wäre damit nicht erfüllt gewesen. Auch die nachfolgend vorgelegten Varianten mit elf und dann acht Chalets in teilweise exponierten Lagen plus drei Funktionsgebäuden konnten die Gemeinderäte, die sich auch zu zwei Ortsbegehungen am Hinterbrand getroffen hatten, nicht überzeugen.

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In der am Dienstag im Gemeinderat präsentierten Variante hatte Wolfgang Aschauer das Almdorf nochmals reduziert. Jetzt sind nur noch sechs Almkaser vorgesehen, die sich um einen noch anzulegenden kleinen Bergsee im Hang hinter dem Gasthof »Vorderbrand« gruppieren. Darüber hinaus soll in unmittelbarer Nachbarschaft des Gasthauses ein Funktionsgebäude unter anderem für Wellnessangebote errichtet werden. Nach den Worten des Bürgermeisters soll das Almdorf über den Gasthof betrieben werden. Weil die einzelnen Chalets nur zu Fuß erreichbar sein sollen, werden unterhalb zehn Stellplätze angelegt. Der naturschutzrechtliche Ausgleich für das Vorhaben soll entlang der Vorderbrandstraße erfolgen, wo eine Tratte angelegt wird. Der Bauwerber hatte – wie vom Gemeinderat gefordert – ein maßstabgetreues Modell vorgelegt, das den Gemeinderäten und den zahlreichen Zuschauern am Dienstag präsentiert wurde. Bürgermeister Rasp: »Der Gasthof ist jahrzehntelang nicht erweitert worden, obwohl der Eigentümer einen Erweiterungsanspruch hat. Mit diesem Bebauungsplan können wir nun mitreden«.

So ähnlich sahen es auch die meisten Gemeinderäte in der anschließenden kurzen Diskussion. Vor allem wurde die Kompromissbereitschaft des Bauwerbers gelobt, der sein Projekt in den letzten beiden Jahren stark abgespeckt hatte. So mancher Gemeinderat, der das Vorhaben zuvor kritisch gesehen hatte, gab jetzt ebenfalls grünes Licht. »Mit sechs Chalets kann ich schon leben«, sagte auch Beppo Maltan (Freie Wähler). Ebenfalls für gelungen halten Michael Lochner (Freie Wähler) und Stefan Lochner (CSU) die Planung. Doch beide sind grundsätzlich gegen jegliche Bebauung in diesem sensiblen Bereich. Michael Lochner: »Man muss bedenken: Es ist der Eingangsbereich in den Nationalpark mit dem schönen Vorderbrand und dem denkmalgeschützten Hinterbrandlehen«.

Gegen die Stimmen der beiden Gemeinderäte segnete das Gremium das Almdorf-Projekt ab und leitete das Bebauungsplanverfahren ein. Es beginnt mit der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit, der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange. Ulli Kastner