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Neu im Pfarrverband Berchtesgaden: Kaplan Gerhard Wiesheu (r.) und Priesteramtskandidat Mathias Klein-Hessling. Foto: Anzeiger/Fischer

Berchtesgaden – Der eine ist schon etwas älter und fühlte sich erst spät berufen. Der andere ist jung und hat schon früh gewusst, dass er Priester werden will. Kaplan Gerhard Wiesheu und der Priesteramtskandidat im Pastoralkurs, Mathias Klein-Hessling, unterstützen seit September Pfarrer Thomas Frauenlob im Pfarrverband Berchtesgaden. Im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« haben die beiden von ihren ersten Eindrücken berichtet.


Auch optisch unterscheiden sich die beiden Kirchenmänner deutlich, harmonieren und ergänzen sich aber bestens. Gerhard Wiesheu, ein kräftiger Bajuware aus Moosburg, traut man sofort zu, dass er mit jedem klarkommt. Kräftiger Händedruck, verschmitztes Lächeln und klare Ansagen. Als langjähriger Sparkassen-Angestellter in der Kreditabteilung kennt er sich mit der Lebenswirklichkeit seiner Schäfchen aus.

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Der Katholischen Kirche verbunden war Wiesheu schon als Kind. »Die Oma hat uns immer in die Kirche mitgenommen«, erinnert er sich. Prägend sei auch der Kommunionvorbereitungskurs bei Klosterschwester Birgit in der Grundschulzeit gewesen. »Aber Ministrant war ich nie«, gibt Wiesheu zu. In der Jugend habe er sich dann nicht groß für eine »kirchliche Sozialisierung« interessiert.

Doch dann kam der Wandel. Wiesheu trat in die Pfarrjugend ein und war wenige Jahre später Pfarrgemeinderatsvorsitzender und Mitglied im Dekanatsrat. Der Entschluss, Priester zu werden, reifte lange. Wiesheu ist ein typischer Spätberufener oder, wie er sich nennt, Späthörender. »Man springt nicht so schnell ins kalte Wasser«, sagt er und lacht. »Da steht nicht eines Tages auf dem Bildschirm: Werde Priester, mache dich auf den Weg.«

Ganz anders war es bei Mathias Klein-Hessling aus Miesbach. Schon als Kind eng mit der Kirche verbunden, hat ihn sein Pfarrer, bei dem er auch ministrierte, immer wieder gefragt, ob er nicht Priester werden wolle. »Er hat schon in meiner Jugend etwas in mir gesehen, das ich nicht gesehen habe«, erinnert sich Klein-Hessling. Der Pfarrer hat den jungen Mathias mehrmals auf Exerzitien und Wallfahrten mitgenommen. Nach dem Abitur schließlich hat sich Mathias Klein-Hessling dazu entschlossen, ein Propädeutikum, also einen Vorbereitungskurs für das Priesterseminar zu machen. Zu diesem Zeitpunkt hätte er seine Entscheidung noch ändern können. Aber das wollte Klein-Hessling nicht. Inzwischen steht er kurz vor der Diakonenweihe, die für Pfingsten geplant ist.

Zwei Jahre bleibt Mathias Klein-Hessling in Berchtesgaden. Wo es ihm sehr gut gefällt. »Ich mag das Bergpanorama«, sagt er. Seine westfälische Abstammung bemerkt man sofort. Er ist konzentriert, spricht deutlich und ist mit Ernst bei der Sache. Mit leisem Humor ausgestattet hat der Priesteramtskandidat im Pastoralkurs nichts dagegen, wenn man ihn aus Zeitgründen einfach Pastoralkursler nennt.

Kaplan Gerhard Wiesheu ist drei Jahre lang im Pfarrverband Berchtesgaden tätig. Den Talkessel kannte er vorher nur als Urlauber. »Ich muss den Ort und die Leute erst noch kennenlernen«, sagt er. Doch es gefällt ihm gut, die Zusammenarbeit mit Pfarrer Thomas Frauenlob sei hervorragend. Seine Arbeit mache ihm Freude, sagt der Kaplan. »Es gibt immer viel zu tun.« Zum Beispiel am Vormittag eine Beerdigung, dann Unterricht in der Bacheifeld-Schule, anschließend ein Taufgespräch mit einem Erwachsenen und schließlich noch ein Bibelgespräch.

Beide Kirchenvertreter wollen stets ein offenes Ohr für alle Menschen haben. Auch für deren Kritik, die wichtig sei, um die eigene Position zu überdenken. An eine Prämisse wollen sich Wiesheu und Klein-Hessling stets halten: die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen. Christian Fischer