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»Gscheid gfreid«

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Hunderte Besucher lauschten Kabarettistin Martina Schwarzmann im Kongresshaus. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden – Bis zum letzten Platz gefüllt war das Kongresshaus, das nach monatelanger Umbauzeit mit Martina Schwarzmann einen ersten Veranstaltungshöhepunkt feiern konnte, am Samstagabend. Kongresshausleiter Sepp Wenig stand die Freude ins Gesicht geschrieben: »Wir haben aufregende Wochen hinter uns«, sagte er zu Beginn. Monatelang wurde die Einrichtung umgebaut, Bauabschnitt eins ist nun beendet. Und als Zuckerl hat man sich gleich »die Schwarzmann« geangelt. Seit Monaten war die Veranstaltung ausverkauft.


Und so begibt man sich mit Schwarzmann auf eine abwechslungsreiche Reise durch ihren Alltag mit einem Abstecher am heimischen Badesee. Dort stellt die Tochter dann auch gleich ganz ungeniert fest, dass heute ihr Glückstag sei: »Alle nackert.« Glückstag ist dann auch das Stichwort für einen selbst geschriebenen Song. Schwarzmann hat ihr Programm so zusammengestellt, dass sie zunächst erzählt, belehrt und ein paar Anekdoten vom Stapel lässt, um dann nach der Gitarre zu greifen, die die ganze Zeit über auf ihrem Schoß liegt. Meist spielt sie ein themenbezogenes Lied, passend zu ihren vorherigen Ausführungen.

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Schwarzmann zieht während ihres Programms die volle Aufmerksamkeit auf sich. Das mag daran liegen, dass sie zwei Stunden lang auf ihrem Platz sitzen bleibt, auf jenem Barhocker, vor dem Mikrofon. Die Bühne bietet keinerlei Ablenkungsmöglichkeit für das Publikum. Und so konzentriert man sich auf die 34-Jährige.

Martina Schwarzmann sagt das, was andere nur denken. Sie würzt das Ganze, gibt noch einen letzten Kick. Plötzlich geht es um Grabbepflanzungen. »Seltene Pflanzen« seien auf Friedhöfen zu Hause. Um Schwarzmanns Grab soll lieber einmal Gemüse wachsen. Dann kämen wenigstens ein paar Leute vorbei. Immerhin gäbe es Gemüse zum Mitnehmen. All das sagt sie in ihrer dialektbeherrschten Sprache, hin und wieder garniert sie ihre Ausführungen mit einem kurzen, süffisanten Lächeln, eher selten zwar, aber dann richtig.

Schwarzer Humor hat bei Schwarzmann einen großen Stellenwert, Wortspiel-Unfug sowieso, vor allem in ihren zahlreichen Liedern. Bevor sie damit beginnt, hält sie inne, wartet auf den passenden Moment. Und wenn das Publikum schon meint, sie singt jetzt los, schwenkt sie noch schnell auf eine kurze Episode um. Die scheinbare Spontaneität ist durchdacht.

»Multitasking ist ein Riesenscheißdreck« singt Schwarzmann dann, bezogen auf den Haushalt. Wenigstens gelingt Schwarzmann ihr Multitasking-Bühnenspiel in Perfektion. Sprechen, singen, lachen, Gitarre spielen – es scheint, als würde sie alles gleichzeitig tun. Ihr Fett weg kriegen all die Tratscher, die Hintenrum-Redner, die sich in ihrer alltäglichen Langeweile das Maul zerreißen – mit Fingerspitzengefühl stichelt Schwarzmann herum und trifft am Ende ganz tief beim einen oder anderen, der sich angesprochen fühlt.

Das Träumen hat die zweifache Mutter noch nicht verlernt. »Wenn ich nach einem Auftritt spät nach Hause komme, wartet mein Mann mit Kuchen«, sagt sie. Dann eine längere Pause. Sie lacht. Wohl doch nicht. Kilian Pfeiffer