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Gut gemachte Kunst

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Dass Kunst selbst einen Bürgermeister zum Schmunzeln bringen kann, das gestand Franz Rasp bei der gut besuchten Eröffnung.
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Die Katze von Sibylla Bögel genießt den Ausblick im Bild von Carola Thiersch. (Fotos: Merker)

Berchtesgaden – Der Berchtesgadener Künstlerbund stellt derzeit in der Galerie am Schloss von Jens Knüppel aus. Dich gedrängt ging es bei der Eröffnung am Samstag zu. Die Mitglieder des Berchtesgadener Künstlerbundes zeigen wieder ihre vielfältigen, unterschiedlichen aber immer gut gemachten Werke. Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp eröffnete die Ausstellung.


Am Anfang wurde es ein wenig philosophisch. Kunst brauche zweierlei, nämlich Sinnüberschuss und Selbstreflexivität. Galerist Jens Knüppel erläuterte die beiden Begriffe anhand einer Passage aus dem Aufsatz »Über schlechte Kunst« von Umberto Eco. »Ein Kunstwerk muss mehr sein, als die bloße Darstellung eines Dings«, so der Galerist. Darüber hinaus muss ein Kunstwerk einfach gut gemacht sein. Das heißt, es ist aus sich heraus gut gestaltet, und das kann man dann als Selbstreflexivität bezeichnen. »In diesem Sinne ist in dieser Ausstellung nur gut gemachte Kunst zu sehen.«

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Bürgermeister Franz Rasp gestand, dass er beim ersten Blick in die Galerie schmunzeln musste. »Und das ist ja nicht das Schlechteste, wenn man eine Ausstellung betritt.« Er bezog sich dabei auf ein Bild von Fritz Schelle, das den Watzmann darstellt, nur dass die Watzmannfrau größer ist als der Watzmann. Schelle hat sich in seine Bildern von den romantischen Malern des 19. Jahrhunderts inspirieren lassen. Die Verbindung zur Darstellung des Watzmanns von Caspar David Friedrich ist gewollt und ins Groteske gesteigert. Bei den romantischen Malern finden sich Verrücktheiten wie die obligatorische Ruine inmitten der Landschaft. Bei Schelle ist es in dem Fall das verfallene Hotel Geiger.

Eine Katze blickt auf die Landschaft hinaus

Romantisch kann man auch die Bilder von Carola Thiersch nennen. Die Künstlerin entwickelt aus den Tiefen der Farbe ihre Sujets. Ihre Landschaften sind von einer femininen Zartheit geprägt. Wunderbar korrespondiert die »Akatzie«, eine Katze aus Akazienholz von Sibylla Bögel, mit den Bildern von Thiersch. Es scheint, als würde die Katze am Fensterbrett sitzen und hinaus in die Landschaft schauen.

»Mia« hat Gerhard Passens seinen Porträtkopf genannt. Das Besondere ist die Brechung der Perspektive innerhalb des Kopfes. Von zwei Seiten schaut er richtig aus, hingegen verzerrt sich das Gesicht leicht in der Mitte. Richtig beschreiben lässt sich das allerdings nicht, man muss es selber gesehen haben. Ebenfalls von Passens sind die zwei Reliefs beim Eingang, die sozusagen »klassische« Themen des Künstlers zeigen.

Felicia Däuber hat sich selber beschränkt und hat ihre Arbeiten an die Wandfläche als Reliefs gebunden. Die Mischung aus Bild und Skulptur entwickelt sich von der Wand aus in den Raum hinein. Die unterschiedlichen Grautöne, mit denen das mit der Motorsäge geschnittene Holz bemalt ist, schaffen zusätzliche Betonungen. Die filigrane Struktur steht in einem spannenden Kontrast zur sägerauhen Oberfläche.

In eine runde Mauernische passt sich Toni Hribars große gedrechselte Form ein. »Kippe« nennt er sie. Die Skulptur balanciert fragil, sie steht auf der Kippe und wird zum Audruck des »schon und noch nicht«.

Einen kleinen Gnadenstuhl aus Messing hat Norbert Däuber ausgestellt. Maria sitzt mit dem Jesuskind auf dem Schoß unter einem Baldachin. Szenen aus dem Leben Jesu sind in Medaillons im Podest eingearbeitet. Es ist erstaunlich, wie Däuber es schafft, derartig kleine Figuren so gekonnt zu modellieren. Klein muss eben nicht unbedingt einfach bedeuten.

Das Meer und die Berge in einer Ausstellung

Farbintensiv sind die Landschaften von Siegfried Gruber. Er verdichtet die Landschaft und malt nur das Wesentliche. Auch wenn er immer reale Berchtesgadener Landschaft als Vorbild nimmt, sind es beileibe nicht die spektakulären und bekannten Ausblicke, sondern einfache, fast möchte man sagen unbedeutende Landschaftsteile, die er durch seine Malweise zu etwas Besonderem herausarbeitet.

Inka Langer ist auch nach ihrem Umzug an die Küste Schleswig-Holsteins dem Künstlerbund treu geblieben. Das Meer ist in ihren Bildern präsent, aber nicht lieblich blau, sondern bedrohlich schwarz. »Eiland« und »Ebbe und Flut« hat sie ihre beiden Arbeiten genannt und bringt so eine Meeresbrise in die Berge.

Von der heimische Bergsteigerszene hat sich Elisabeth Sebold inspirieren lassen. Auf ihren kleinen Täfelchen sieht man winzige Kletterer, die in den mit leichter Hand gemalten Felswänden herumsteigen. Es ist erstaunlich, wie ganze Berglandschaften in den kleinen Bildern stecken.

Vögel sind eine Leidenschaft von Petra Schwenzfeier und so hat sie eine ganze Reihe kleiner Vogel-Miniaturen ausgestellt. Da hüpfen Dohlen, Rotkehlchen und Braunellen munter umher. Die Vogel-Aquarelle halten genau die richtige Balance zwischen ornithologischer Korrektheit und künstlerischem Ausdruck.

Humor ist viel zu selten in der Kunst, nimmt sie sich doch meistens zu wichtig. Eine schöne Ausnahme macht da das Relief von Sibylla Bögel. Darauf zeigt sie die Geschichte von Rotkäppchen, der Großmutter und dem Wolf mit einem ganz besonderen Dreh. Denn die Großmutter hat ein Gewehr und auf ihrer Bettwäsche prangt die amerikanische Flagge. Da kann einem der Wolf direkt leidtun.

Die Ästhetik von Grundrissen erforscht Anne Karen Hentschel. Verschieden Schichten von Grundrissen legt sie übereinander und es ist, als würde sie die wechselvolle Geschichte der Gebäude visuell erfahrbar machen. Aus Mitteln der technischen Zeichnung entsteht ein gestalterisches Mittel, das auch als Ornament gedeutet werden könnte.

Ein Wagnis geht Johannes Stellner mit seinen Zeichnungen ein. Als Zeichenpapier nimmt er karierte und linierte Blätter aus einem Schulblock. Auf diesem »profanen« Alltagspapier entwickelt er mit spielerischen Strichen Volumen und Formen, die den Bildhauer nicht verleugnen. Dabei steht das Lineare der Kästchen und Linien im Gegensatz zum freien Schwung des Striches.

Gute Kunst, gutes Handwerk

Geschwungen sind auch die Drechselarbeiten von Walter Ziegler. Es ist unglaublich, wie er aus dem verwachsenen Holz seine Schalen drechselt, die aber eigentlich Objekte sind. Dafür wird seine Mühe mit einer fantastischen Maserung des Holzes belohnt. Damit schließt sich der Kreis zu den Ausführungen von Jens Knüppel, für den gut gemachte Kunst auch immer handwerklich gut gemacht sein muss.

Die Ausstellung ist in der Galerie am Schloss, Schlossplatz 5 (Eingang Doktorberg) bis 4. Januar 2015 immer von Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 17 Uhr und Samstag und Sonntag auch von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Am 5. und 6. Dezember ist sie geschlossen. Christoph Merker