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Gute Laune auf der Roßfeldalm

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Die Sennerin Kathi mit einer schwarzen Pinzgerin. Fotos: Anzeiger/B. Stanggassinger
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Lieblings-Huhn »Agathe« schreitet die Front der Kälber ab und hat dabei keine Hemmungen.
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Alles ist lieblich hergerichtet um die Alm.
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Der Kaminkehrer auf der Roßfeldalm.

Berchtesgaden – Kathi Obermaier aus Miesbach ist heuer Sennerin auf der Roßfeldalm. »Anzeiger«-Fotograf Bernhard Stanggassinger hat die lebenslustige junge Frau, die gut singen kann und perfekt Brot bäckt, bei ihrer Arbeit besucht.


Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern veranstaltet jedes Jahr eine Hauptalmbegeh- ung zwischen Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden für Freunde und Gönner der Almwirtschaft. »Wir brauchen am Roßfeld eine Sennerin«, hieß es dabei zuletzt, »und du wärst die richtige.« Das bekam Kathi Obermaier von beteiligten Almbauern da zu hören.

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»Bei der Hauptalmbegehung bin ich jedes Jahr dabei, das ist wie Wallfahrten gehen«, so die Kathi. Aus Miesbach stammt sie und wohnt in Wörnsmühl. Beruflich ist sie Steuergehilfin und Finanzbuchhalterin. Drei Jahre lang war sie bis jetzt jeweils in ihrer Urlaubszeit Sennerin für ein paar Wochen und jetzt wollte sie mal einen ganzen Sommer Sennerin sein.

»Ich stamme aus einer Bauernfamilie und den Umgang mit Tieren habe ich vererbt bekommen«, so die Sennerin. Auf der Roßfeldalm hat sie 55 Stück Rinder, davon zwei Milchkühe, zu versorgen. Außerdem hat sie fünf Hühner und einen Gockel oben. Die Freundlichkeit steht der Kathi ins Gesicht geschrieben. Sie ist so gut gelaunt, lacht und freut sich, dass sie am Roßfeld arbeiten darf.

»Hier ist es ganz anders als bei uns«, sagt die Kathi. »Da kommen ein paar ältere Herren und spielen mir a paar Weiserl oder es waren schon zweimal die Leonhard Stoaner Sänger da.« Die stellten schnell fest: »Uns fehlt die zweite Stimme, sing du doch mit.« Sie wussten, dass die Kathi singen kann, denn sie hatte schon mal beim Großtaler Dreigesang mitgemacht.

Nicht nur singen kann die Kathi, sie ist vielmehr ein Multitalent. Ihre Spezialität ist Brotbacken. Verschiedene Brote – Bauernbrot, Vollkornbrot oder Dinkelbrot – gibt es bei ihr. Mit den Eiern ihrer Hühner bäckt sie Kuchen und von der Milch ihrer Kühe macht sie Butter, Schüsselkäse, Frischkäse mit Kräutern und Topfen.

»Können wir ein Glas Buttermilch haben?«, rufen zwei Kurgäste in die Hütte. »Ja freili, i kimm glei«, antwortet die freundliche Kathi. Christian und Markus, zwei Kaminkehrer kommen ebenfalls vorbei – der eine auf dem Dach, der andere räumt gleich den Kamin neben dem Kachelofen aus, als die Sennerin gerade den Topfen ausdrückt.

»Müsst's ihr jetzt auch noch kommen, wo ich soviel Arbeit hab'«, scherzt die Kathi und zeigt sich gleich versöhnlich: »Ich mach' euch gleich einen Kaffee und einen frischen Kuchen bekommt's ihr auch noch dazu.«

Auch Almobmann Reinhard Brandner und Projektleiter Sigi Steinberger sind da und werden bewirtet. Diese beiden beschäftigen sich den ganzen Vormittag auf den Almwiesen. Sie bearbeiten das Weideprojekt »Kurzrasenweide«. Ihr Ziel ist es, Futtermenge und -qualität durch konstante Aufwuchshöhe zu sichern. Vier oberbayerische Almen sind an diesem Projekt beteiligt und dazu gehört die Roßfeldalm. Man will die Beweidung optimieren. Denn die Almen werden nicht mehr ausgegrast und somit kommt es zu dem Problem, dass das Unkraut zunimmt und die Artenvielfalt zurückgeht. Wichtig ist das optimale Beweiden von Steilhängen, um für Murenabgänge, Schneerutsch und Starkregen das Gelände stabil zu halten.

Etwas traurig ist Kathi, denn dieses Jahr gibt es keinen geschmückten Almabtrieb von der Roßfeldhütte. Bereits beim Auftrieb sind zwei Kälber tödlich verunglückt.

»Komm nochmal vorbei und bring mir den ›Berchtesgadener Anzeiger‹«, bittet die Kathi den »Anzeiger«-Fotografen. Und stellt ihm sogar einen kleinen Lohn in Aussicht: »Dann sing auch ich dir a Liadl.« Bernhard Stanggassinger