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»Guter Kompromiss« bei Sanierung von 13 Kilometern Forstwegen

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Aus ihrer Sicht ist die Altlastensanierung auf den 13 Kilometern Kehlsteinwegen »ein voller Erfolg« (v.l.): der Berchtesgadener Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller, Staatsministerin Michaela Kaniber und Vorstandsvorsitzender Martin Neumeyer von den Bayerischen Staatsforsten. (Fotos: Kastner)
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Die Böschung oberhalb der Spitzgräben soll sich selbst renaturieren.
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Die neuen Sandstraßen sind mit einem sogenannten Dachprofil angelegt. Das Wasser soll nach links und rechts abfließen.

Berchtesgaden – Von einem guten Kompromiss sprach Michaela Kaniber am Montag bei einem kleinen Festakt im Bereich der Salzwand am Kehlstein. Die Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten übergab die aus dem Dritten Reich stammenden Kehlsteinwege nach der umstrittenen Altlastensanierung ihrer Bestimmung.


Nicht weniger als 28 000 Tonnen giftiges Material waren ausgebaut und der Entsorgung zugeführt worden. Dabei erfolgte der Ausbau der Straßen für die forstliche Nutzung auf maximal drei Meter Breite.

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Zehn Jahre lang hatte die Altlastensanierung mit dem Ausbau der giftigen Teerdecke federführend den Forstbetrieb Berchtesgaden beschäftigt. »Wir haben dazu rund 2 000 Schriftstücke und über 5 000 Fotos zur Dokumentation im Archiv«, sagte Dr. Daniel Müller. Der Berchtesgadener Forstbetriebsleiter hatte die am Projekt Beteiligten mit kleinen Bussen von der Scharitzkehl über die neue Forststraße zur Ligeretalm und bis zur Salzwand befördern lassen, wo es bei einem kleinen Festakt Informationen zum Projekt gab.

So erinnerte Müller daran, dass die von 1937 bis 1938 gebauten Kehlsteinwege ab 1945 forstlich genutzt wurden. Im Jahr 2008 begann dann an der Dahlsenwinklstraße der Ausbau des giftigen Teers. Das Landratsamt hat dann im Jahr 2013 nach einem entsprechenden Gutachten den Bescheid erlassen, dass auf allen Kehlsteinwegen das giftige Material ausgebaut werden müsse. Es gab dann von 2015 bis 2017 einen gesellschaftlichen Dialog und mehrere »runde Tische« inklusive Ergänzungsgutachten zu dem Projekt. Bis dann im letzten Jahr endgültig mit der Altlastensanierung auf den noch geteerten Wegen begonnen wurde.

Die Forderungen der Bürgerinitiative

Es war maßgeblich die von Dr. Bartl Wimmer und Klaus Gerlach getragene Bürgerinitiative, die sich gegen eine Verbreiterung der Wege zu »Forstautobahnen«, gegen das Offenlassen von Teilstrecken und gegen die Entfernung der Stützbauwerke gewehrt hatte. Die Vertreter der Bürgerinitiative waren am Montag mit dem Ergebnis einigermaßen zufrieden, nachdem nun tatsächlich alle Straßen erhalten wurden, die Ausbaubreite bei maximal drei Metern lag und die insgesamt 654 Meter an Stützbauwerken erhalten blieben.

Zu hundert Prozent zufrieden mit dem Ergebnis zeigte sich gestern vor allem Staatsministerin Michaela Kaniber, die von einem »erfolgreichen Projekt« sprach. Auf einer Wegstrecke von 13 Kilometern seien 28  000 Tonnen giftiges Material wie Teerdecke, Unterbau, Bankett und Randsteine abtransportiert worden. »Insgesamt waren es über 1 000 Lkw-Ladungen«, sagte die Ministerin. Dieselbe Menge an Material habe man für einwandfreie neue Wege wieder den Berg hinauf schaffen müssen. »Diese Zahlen geben einen Eindruck von dem, was hier geleistet wurde«, so Michaela Kaniber. Die rund 5 Millionen Euro seien gut investiert worden.

Die Ministerin lobte vor allem Landrat Georg Grabner, der sich nicht einfach auf den Bescheid zur Umsetzung berufen habe. Er habe vielmehr entschieden, die Bürger und ihre Bedenken ernst zu nehmen, indem er gemeinsam mit dem Vorstand der Bayerischen Staatsforsten einen »runden Tisch« initiiert habe. Dort hätten alle Beteiligten, von der Bürgerinitiative bis zu den Behördenvertretern, alle Fakten, Bedenken und Probleme offen diskutiert und gemeinsam Lösungen gefunden.

Kaniber: »Erfolg für die Natur und die Menschen«

»Die Bayerischen Staatsforsten werden in Zukunft die Kehlsteinwege je nach ihrer Nutzung als Wander- oder Forstweg instandhalten«, versprach Michaela Kaniber. Dasselbe gelte für die vorhandenen Stützmauern. »Das ist ein großer Erfolg für Natur und Umwelt sowie für die Menschen, die hier leben«, betonte die Staatsministerin. Etwa fünf der insgesamt 13 Kilometer seien jetzt »nach einem schmalen forstlichen Standard« auf drei Meter Breite ausgebaut. Üblich wären eigentlich 3,50 Meter. Ausreichend breite Wege seien unabdingbar, »damit wir unsere vom Klimawandel bedrohten Berg- und Schutzwälder pflegen und erhalten können«.

Auch Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten, freute sich über den Kompromiss, den man mit der Bürgerinitiative erzielt habe. So hätten die Staatsforsten das Projekt hinsichtlich der Länge und der Breite deutlich reduziert und man erhalte außerdem die Ingenieursbauwerke. Der vollständige Ausbau des Teers sei allerdings Grundlage des zweiten Gutachtens gewesen. »Nun stehen die Wege wieder für die Erholung der Bürger zur Verfügung«, betonte Neumeyer.

Ideale Lösung für das Wasserschutzgebiet

Die Marktgemeinde Berchtesgaden ist vor allem wegen der Bedeutung ihres Wasserschutzgebiets Scharitzkehlquelle glücklich über den Abschluss des Projekts. »Für unsere Wasserversorgung ist diese Lösung ideal«, sagte Marktbürgermeister Franz Rasp. Immerhin sei der giftige Teer in unmittelbarer Nachbarschaft der Quelle entfernt und es gebe dort nach dem Bau der neuen Forststraße keinen Fahrbetrieb mehr. »Die neue Straße schaut zwar zurzeit wild aus, aber sie ist ja noch frisch«, sagte Rasp.

»So können halt Forststraßen auch aussehen«, hakte Klaus Gerlach als Vertreter der Bürgerinitiative ein. Tatsächlich waren für die steile Forststraße, die sich von Scharitzkehl steil hinauf zur Ligeret windet, teils enorme Hanganschnitte erforderlich. Da war Gerlach immerhin froh, dass die Kehlsteinstraßen davon verschont blieben. »Es hätte alles viel schlimmer kommen können«, so sein Fazit. Alles sei jetzt besser, »als man befürchten musste«. Dennoch bezeichnete es Klaus Gerlach als schade, dass der alte Charme der Teerwege nun für immer verloren sei. Aus seiner Sicht seien diese Wege durchaus denkmalwürdig gewesen. Ulli Kastner