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Soziales Projekt in heimischen Seniorenheimen interessiert 56 Gymnasiastinnen

Gymnasiasten kümmern sich um alte Leute

Projektleiterin Miriam Eichinger (M.) freut sich mit Pflegedienst-Leiterin des Pflegedienstes Andrea Schnurrer (2.v.l.), dass Sarah Laimgruber (l.), Sophia Wittmann (r.) und Lena Gruber (2.v.r.) seit fünf beziehungsweise drei Jahren Senioren betreuen. Bald kommen 56 weitere junge Menschen dazu, die sich in den drei Berchtesgadener Seniorenheimen verdient machen wollen. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Gymnasiallehrerin Miriam Eichinger startete vor fünf Jahren zusammen mit Roswitha Moderegger im Seniorenzentrum Insula ein soziales Projekt mit an Demenz erkrankten Menschen. Fünf Schülerinnen kümmern sich seitdem regelmäßig um einsame alte Leute. Dabei wurde vorgelesen, Spiele gemacht oder einfach nur zugehört, wenn die alten Menschen etwas erzählt haben. Am Mittwoch fand in der Felicitas eine Einführungsveranstaltung mit insgesamt 56 jungen Leuten statt, die sich künftig um die ältere Generation in den drei heimischen Altenheimen kümmern möchten.


Projektleiterin Miriam Eichinger findet es in Zeiten von G 8 sehr lobenswert, dass sich Schülerinnen die Zeit nehmen, um ihre Freizeit mit älteren Menschen zu verbringen. Seit fünf Jahren läuft das Projekt »Ich hab Zeit für dich, was tun wir?« Von Beginn an dabei ist Sarah Laimgruber aus der elften Klasse des Gymnasiums. Sophia Wittmann und Lena Gruber aus der siebten Klasse sowie Laura Zeisler und Juliana Schwab aus der neunten Jahrgangsstufe kümmern sich seit drei Jahren um die Senioren.

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Sarah Laimgruber hat im Seniorenheim in einer Seniorin eine ältere Freundin gefunden, der sie aus der Zeitung vorliest, mit ihr Rätsel löst oder einfach nur ihre Hand hält, während das Mädchen von ihrem Alltag erzählt: »Wenn ich eine schwierige Schulaufgabe schreibe, ruft mich meine Seniorin vorher an und wünscht mir alles Gute«, erzählt Sarah. Laura Zeisler und Juliana Schwab werden von einer älteren Dame in Spanisch unterrichtet. Dafür revanchieren sich die Beiden mit Klavierstücken und Gesang. Sophia Wittmann bringt manchmal ihre Gitarre mit und singt dazu. Ein anderes Mal erzählt man sich Geschichten und so lernt Sophia viel über das frühere Leben kennen. »Es ist ein tolles Gefühl, einander vertrauen zu können«, bemerkt die 13-Jährige. Lena Gruber wiederum findet es schön, alten Leuten eine Freude zu machen und gemeinsam zu basteln oder spazieren zu gehen. Langeweile gebe es nicht, vielmehr wird viel zusammen gelacht, freuen sich die Mädchen.

Seit fünf Jahren bereitet Miriam Eichinger die Schülerinnen auf die Besuche bei Senioren und Menschen mit Demenz in den drei heimischen Senioreneinrichtungen vor. Roswitha Moderegger, Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Berchtesgadener Land, erklärt den Teilnehmern das Krankheitsbild Demenz und gibt Tipps im Umgang mit Senioren.

Bei der Einführungsveranstaltung für die 56 Mädchen in der Felicitas ging es nach der Begrüßung durch Heimleiter Ludwig Schöner zunächst in die Theorie, bei der die Lehrerinnen Miriam Eichinger und Margareta Haslberger über den Umgang mit älteren Menschen referierten. In der Folge berichtete der Heimleiter über den Alltag der Bewohner.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen übten sich die Probanden im gegenseitigen Füttern oder versuchten, ihr Dessert mit Augenbinden zu verspeisen, um zu erkennen, wie das Alltägliche mit einer Sehbehinderung aussieht. Eine für die meisten völlig neue Erkenntnis war auch das Fahren auf einem Parcours mit einem Rollstuhl und einer Altersbrille mit eingeschränktem Blickfeld.

Nach einem ereignisreichen Tag trafen sich die Teilnehmerinnen zu einer Besprechung, schließlich geht es los. Eine wichtige Erkenntnis der Einführungsveranstaltung für die 56 jungen Menschen war ein wertschätzender Umgang miteinander und Freude am Zusammensein mit den Senioren, die sich über den Besuch der vielen jungen Leute sehr gefreut haben. Christian Wechslinger