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Haftbefehl gegen Berchtesgadener Kellner

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Schönau am Königssee - Der Trick war einfach: Irgendwann im Laufe des Tages die Kasse wieder auf Null zu stellen und die bisherigen Einnahmen in die eigene Tasche zu stecken. Von Juni bis September 2012 hatte das ein Kellner aus Berchtesgaden in einer Schönauer Gaststätte insgesamt 39 mal so gemacht, etwa 11 000 Euro unberechtigt für sich behalten. Veruntreuende Unterschlagung lautete die Anklage am Laufener Amtsgericht. Ein Urteil konnte nicht gefällt werden, weil der Angeklagte nicht erschien.


Noch am Morgen des Verhandlungstages hatte der 49-jährige Kellner bei Gericht angerufen und gesagt, er könne nicht kommen, weil er just zu dieser Zeit ein Vorstellungsgespräch habe. Richter Thomas Hippler aber hatte ihm klar gemacht, dass er zu erscheinen habe, ansonsten würden die Handschellen klicken. Offensichtlich hat der Mann das nicht ernst genommen. Hippler erließ Haftbefehl.

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Wer im Sitzungssaal war, war der 48-jährige Wirt. Freundschaftlich habe man den Mann am 1. Juni letzten Jahres aufgenommen, berichtete der Geschädigte, ihm sogar einen Vorschuss gegeben. Bereits am 6. Juni griff der Kellner erstmals in die Kasse.

»Im August ist uns das erst aufgefallen, dass etwas nicht stimmt«. Zunächst hatten die Wirtsleute vermutet, dass Bier an der Kasse vorbei verkauft worden sei. Das bestätigte sich allerdings nicht.

Erst ein Fachmann für dieses relativ neue Kassensystem klärte die Sache auf: Über ein entsprechendes Programm konnte genau festgestellt werden, mit welchem Schlüssel wann etwas verbucht oder zurückgestellt worden war. »Dass einer so dreist handelt, konnten wir gar nicht glauben«, so der Zeuge, »wir waren selbst erschrocken, wie viel da zusammen gekommen ist.«

Ob denn so etwas nicht auffalle, fragten Richter Hippler und Staatsanwältin Susanne Schatt unisono. »Gemerkt hätte man das nur bei genauer Tagesabrechnung«, schilderte der Gastwirt, »oder beim Jahresabschluss des Steuerberaters.« Bei einem Tagesumsatz von bis zu 5 000 Euro ließe sich nicht sagen, ob nun 140 oder nur 120 Essen an die Gäste gegangen seien. Aber klar müsse dem Kellner gewesen sein, dass es irgendwann rauskomme.

Am 29. September hatten die Wirtsleute den Mann dann auf frischer Tat ertappt und fristlos entlassen. »Er hat uns Schadenswiedergutmachung versprochen«, schilderte der Gastwirt, »bekommen haben wir bis heute nichts.«

Richter Thomas Hippler setzte die Hauptverhandlung aus. Der Kellner wird nun ein paar Wochen hinter Gittern auf einen neuen Termin warten müssen. Hannes Höfer