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Handgranate unter dem Kreisverkehr

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Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Berchtesgaden stellten die Ausrüstung für den Sprengstoffexperten zur Verfügung.
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Polizei, Kampfmittelbeseitigung und Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts Traunstein haben die Granaten-Fundstelle am Dienstag begutachtet. (Fotos: Voss)

Berchtesgaden – Eine Phosphor-Granate und weitere alte Munition ist bereits am Montag, 27. Juli, am Obersalzberg aufgetaucht. Mitarbeiter einer Kanalfirma hatten diese bei Spülungen eines tiefen Schachtes direkt am Kreisverkehr neben der Busabfahrtsstelle zum Kehlstein gefunden. Da ihnen offensichtlich die hohe Gefahr dieser Kriegsmunition nicht bewusst war, übergaben sie die Granate der Straßenmeisterei Bischofswiesen. Dort lagerte die Munition dann eine Woche, bis vorgestern Montag endlich die Polizei informiert wurde. Am gestrigen Dienstag rückten Spezialkräfte der Kampfmittelbeseitigung an und kümmerten sich um den sicheren Abtransport der Granate nach München, wo sie vernichtet wird.


Alles hatte mit einem Auftrag des Bischofswieser Straßenmeisters an eine regionale Kanalreinigungsfirma begonnen. Sie sollten am Montag vor einer Woche den Spülwagen, mit dem Kanäle gereinigt werden, durch den Kanal am Obersalzberg schicken. Der Einstig befindet sich direkt neben dem Kreisverkehr. Doch die Firma hatte Probleme, mit den Geräten durch den Schacht zu kommen. Daher stiegen die Arbeiter hinunter, um per Hand nachzuarbeiten. Dabei wurde Munition abgesaugt und an die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Bischofswiesen übergeben. Die brachten das Fundgut in die Straßenmeisterei, ohne die Gefahr zu erkennen. Dort lagen die Phosphorgranate und weitere Munition erst einmal eine Woche.

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Straßenmeister Robert Graßl befand sich zu der Zeit auf Lehrgang. Als der am Montag zurückkam, verständigte er sofort das Landratsamt, das wiederum die Polizei um Hilfe bat. Robert Graßl sagte zum »Berchtesgadener Anzeiger«, dass er die Granate nicht auf Anhieb erkannt hätte. »Sie war verwittert und mit Steinen überzogen. Es ist auch kein Wunder, die Granate ist vermutlich schon 80 Jahre alt.«

Wolfgang Spieß von der Polizeiinspektion Berchtesgaden erkannte die Phosphorgranate auf Anhieb. »Die konnten wir von der Polizei freilich nicht beseitigen«, sagte er. Deshalb verständigte er umgehend die Kampfmittelbeseitigung in München, die am gestrigen Dienstagvormittag mit zwei Mitarbeiterin angerückt ist. Sie haben die Granate sichergestellt. »Es werden aber weitere Maßnahmen notwendig sein«, informierte Spieß. Zum Beispiel muss genau geklärt werden, wohin der Schacht führt. »Der Schacht ist derzeit verschlammt. Die Spezialisten müssen jetzt überlegen, wie man bei der Entsorgung des Schlamms vorgeht.« Der Kampfmittelbeseitigungsdienst nahm die Munition laut Spieß mit nach München, dort werde diese fachgerecht »entsorgt.

Polizei, Feuerwehr und Sprengstoffexperten fuhren gestern auf den Obersalzberg, um sicherzustellen, dass nicht weitere gefährliche Munition in dem Kanal liegt. Ein Sprengstoffexperte der Kampfmittelbeseitigung aus München stieg in den Schacht, gesichert von einem Berchtesgadener Feuerwehrmann. Wenige Minuten später konnte der Experte Entwarnung geben: Er konnte keine weitere Munition entdecken.

Michael Wagner vom Staatlichen Bauamt Traunstein eilte gestern ebenfalls auf den Obersalzberg. »Gottseidank ist nichts passiert«, sagte er. Allerdings sei die Sache nicht ungefährlich. »Ob die Granate scharf war, wird noch untersucht. Man muss da auf jeden Fall mit erheblicher Vorsicht rangehen«, warnte Wagner.

Die Feuerwehr Berchtesgaden hat bei diesem Einsatz nur »Amtshilfe« geleistet, wie Christian Buchwinkler betonte. Die Einsatzkräfte haben Ausrüstungsgegenstände gebracht, wie eine Wathose für den Sprengstoffexperten, da im Schacht 40 Zentimeter Wasser standen. Das Wasser haben die Feuerwehrkräfte herausgepumpt und die Leiter zur Verfügung gestellt.

Dass Munition am Obersalzberg gefunden wird, kommt laut Polizist Wolfgang Spieß selten vor, »das letzte Mal beim Bau vom Intercontinental«.

Erst am Montagabend gab es in Oberleitersbach im Landkreis Bad Kissingen einen Unfall mit einer Phosphorgranate: Nach dem Fund der Munition bei Straßenarbeiten ist bei der Explosion einer geringen Menge Schwarzpulver ein Sprengmeister verletzt worden. Beim Versuch, die Granate zu entschärfen, detonierte der zusätzlich enthaltene Schwarzpulversprengsatz. Mehrere Splitter trafen den Sprengmeister am Oberkörper. Am Obersalzberg ging die Sache aber glimpflich aus. Annabelle Voss