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Hans Lederbauer: mutig und bescheiden

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Das Grüne Kreuz nahm der Marktschellenberger Bergwachtmann Hans Lederbauer (l.) aus den Händen von DAV-Vorsitzendem Josef Klenner in Empfang. Foto: Bergwacht

Marktschellenberg/Stuttgart (BB) - Hohe Auszeichnung für einen Bergwachtmann aus Marktschellenberg: Hans Lederbauer erhielt jetzt vom Deutschen Alpenverein im Rahmen der Hauptversammlung in Stuttgart das »Grüne Kreuz«, die Auszeichnung für besondere Leistungen in der Bergrettung.


Rudolf Gantner, stellvertretender Vorsitzender der Bergwacht Bayern, erinnerte im Rahmen der Ehrung an die besonderen Verdienste Hans Lederbauers. Gantner rief einen Einsatz am Untersberg in Erinnerung, wo eine erfahrene Zweierseilschaft eine Tour im VII. Schwierigkeitsgrad geklettert war. Durch einen unglücklichen Umstand stürzte einer ins Seil und erlitt eine Fersenbeinfraktur. Beide Kletterer wurden mit einem Hubschrauber mit Bergetau gerettet und ausgeflogen. Da sich die Bergung mit dem Tau so schwierig gestaltete, konnte die Flugaktion für die beiden abgesetzten Retter nicht wiederholt werden. Den Weg aus der Wand mussten die Retter mit schweren Bergschuhen im oberen VI. Schwierigkeitsgrad bewältigen.

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Auch ein Einsatz am Watzmann in diesem Herbst, wo bei angesagtem Schlechtwetter fünf Bergsteiger bei winterlichen Verhältnissen vom Watzmanngrat erfolgreich gerettet werden konnten, war ein Beispiel für riskante Rettungseinsätze. Rudolf Gantner: »Die Frage nach der Schuld und nach Fehlern wird im Nachhinein an die Bergretter herangetragen. Die Öffentlichkeit erwartet mitunter, dass sie Stellung zu fremdem Versagen beziehen. Die Einsatzberichte der Bergwacht geben immer wieder ein eindrucksvolles Bild über die Gefahren, in die Menschen aus eigener oder fremder Schuld oder durch das Zusammenwirken verschiedener ungünstiger Faktoren geraten können.«

Gantner erinnerte daran, dass es letztlich nicht Versicherungen oder technische Transportmittel seien, die Menschen am Berg in Not helfen, sondern die Menschen, die sich ehrenamtlich in diesem Feld engagieren. »Der Wert ihrer Leistung ist ein gesellschaftlicher Wert. Bergretter übernehmen Verantwortung für Menschen in Notlagen und das in hoher Motivation, mit besten Fähigkeiten und dem Wissen um das erhöhte Risiko ihres Tuns«, sagte der stellvertretende Bergwacht-Vorsitzende.

Bei manchen Einsätzen sei die körperliche Belastung enorm, wenn die Verletzten beziehungsweise die in Not geratenen Personen nicht mit Fahrzeugen oder mit dem Hubschrauber erreicht werden können. Mut und Können sowie die Bereitschaft, mitunter auch ein hohes persönliches Risiko zur Rettung von Menschenleben einzugehen, ließen sich nur schlecht in Zahlen festhalten und aufsummieren.

Hans Lederbauer von der Bergwacht Marktschellenberg war einer der Bergretter, die in der Nacht die noch gehfähigen Mitglieder der in Bergnot geratenen Gruppe vom Hocheck zum Watzmannhaus brachte. Man schickte die Besten in diesen Einsatz - und dazu gehört auch Hans Lederbauer. Als selbstständiger Zimmerer im Ort war er bei mehreren hundert Rettungsaktionen in den heimischen Bergen mit im Einsatz. Sein Wissen und seine Fähigkeiten als Alpinist und Bergretter bringt er als Ausbilder in der Bergwacht Marktschellenberg und in der Region Chiemgau seit über 15 Jahren mit ein. Verantwortung trägt er nicht nur als zweifacher Familienvater, sondern seit den 1990er-Jahren auch als Einsatzleiter.

Mit seinen Fähigkeiten als Zimmermann bringt sich der 52-jährige Hans Lederbauer auch bei der Instandhaltung und Instandsetzung der Diensthütten und Bereitschaftsräume ein. Gantner: »Hans Lederbauer ist ein ruhiger, besonnener wie auch mutiger Bergretter, der in schwierigen Situationen immer einen klaren Kopf behält und somit vorausschauende Entscheidungen trifft. Bescheidenheit und Anerkennung in seiner Bergwacht zeichnen ihn aus.«