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Hauptgefreiter von Feldjägern abgeholt

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Laufen/Bischofswiesen – Keine Meldung, keine Nachricht. Zwölf Tage lang war der 22-jährige Hauptgefreite nicht beim Gebirgsjägerbataillon 232 in Bischofswiesen erschienen. Der Hamburger lag während dieser Zeit Ende November vergangenen Jahres zu Hause. Wegen Rückenschmerzen, wie er vor dem Laufener Strafrichter beteuerte. Wegen »eigenmächtiger Abwesenheit« hat er nun 1 400 Euro Strafe zu zahlen.


»Es war ein Fehler, dass ich mich nicht gemeldet habe«, räumte er vor Gericht ein. Der Grund: Er fürchtete, trotz Beschwerden »runterkommen« zu müssen. »Ich lege mich doch nicht eine Woche lang hin und rufe keinen Arzt«, wunderte sich Richter Dr. Christian Liegl. Seine Freundin, die mit ihm zur Verhandlung gekommen war, habe ihn in dieser Zeit unterstützt, schilderte der Ex-Soldat. Bis ihn am 1. Dezember die Feldjäger abholten.

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Er war nach dem Vorfall aus der Bundeswehr entlassen worden. »Es war eine schöne Zeit bei der Truppe«, betonte der Mann ausdrücklich, der nun auf Prämien und sonstige Leistungen verzichten muss, die er nach regulärer Beendigung im Jahr 2014 erhalten hätte.

Inzwischen arbeitet der Hamburger in seiner Heimat wieder als Garten- und Landschaftsbauer. Ob denn das mit seinem Rücken zu machen sei, wollte Richter Liegl wissen. »Es geht so«, antwortete der Ex-Soldat, Beschwerden habe er immer wieder mal.

Rechtsanwalt Falko Hübner schlug vor, die Angelegenheit doch gegen eine kleine Geldauflage nach Paragraph 153 einzustellen. Allerdings hatte der zuständige Sachbearbeiter der Staatsanwaltschaft schon vorher erklärt, dass dies für ihn nicht infrage komme.

Mit der Entlassung sei der Angeklagte »schon ein Stück weit bestraft«, stellte Staatsanwalt Dominik Rami fest. Das Geständnis und die Reue wollte Rami ebenso strafmindernd werten wie die Tatsache, dass der Mann bislang unbescholten ist. Er plädierte für eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 35 Euro. Das erschien Falko Hübner doch zu hoch. »20 Tagessätze wären ausreichend«, meinte der Verteidiger.

Das Wehrstrafgesetzbuch sieht für »eigenmächtige Abwesenheit« eigentlich eine Freiheitsstrafe vor. Dieses Gesetz stamme tatsächlich aus der Zeit des Kalten Krieges, wie Liegl bemerkte, so »drakonisch« komme es für ihn in dem Fall freilich nicht in Betracht. Allerdings zeigte der Strafrichter Verständnis für die Belange der Bundeswehr, die darauf angewiesen sei, zuverlässig über Personal zu verfügen, und sich niemand selbst krankschreibe. Christian Liegl entschied auf 40 Tagessätze zu je 35 Euro, in Summe also 1 400 Euro. Hinzu kommen die Kosten des Verfahrens. Hannes Höfer