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»Haus der Berge« bleibt Chefsache

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Durchschnitten das Band (v.l.): Bürgermeister Franz Rasp, Umweltminister Dr. Marcel Huber, Ministerpräsident Horst Seehofer, Landrat Georg Grabner und Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel.
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Zeit für ein Späßchen am Rande des Festakts. Der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer weiß, wem er heute Abend beim Champions-League-Endspiel die Daumen drückt. Fotos: Anzeiger/Kastner
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Schlüsselübergabe (v.l.): Umweltminister Dr. Marcel Huber, Extremkletterer Thomas Huber, Projektleiter Ulrich Brendel und Bereichsleiterin Doris Lackerbauer vom Staatlichen Bauamt Traunstein.
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Staatskarossen und Staatsbeflaggung vor dem »Haus der Berge«.
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Segneten das Haus: Dekan Peter Demmelmair (l.) und Pfarrer Peter Schulz.

Berchtesgaden – Das »Haus der Berge« war von Anfang an als »Chefsache« ausgeschrieben – und das blieb es bis zuletzt. Nachdem der damalige bayerische Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber das Projekt vor zehn Jahren der Berchtesgadener Bevölkerung zum 25-jährigen Bestehen des Nationalparks versprochen hatte, kam zur Einweihungsfeier gestern Freitag sein Nachnachfolger Horst Seehofer nach Berchtesgaden. Den symbolischen Schlüssel konnte Bereichsleiterin Doris Lackerbauer vom Staatlichen Bauamt Traunstein vor rund 400 Festgästen an den bayerischen Umweltminister Dr. Marcel Huber übergeben.


Seehofer ging zum Beginn seiner Festrede auf einen gestern in der »Süddeutschen Zeitung« erschienenen Artikel ein, in dem von »durchwachsener Freude« zur Einweihung des »Hauses der Berge« die Rede war. In dem Artikel war kritisiert worden, dass für die Einrichtung vom Freistaat Bayern nur sechs anstatt der zugesagten zehn zusätzlichen Personalstellen zur Verfügung gestellt würden. Der Ministerpräsident ging auf das Thema nicht näher ein, sondern stellte nur fest: »Ich freue mich jedenfalls uneingeschränkt«, wofür ihm der Applaus der Festgäste sicher war.

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»Das ›Haus der Berge‹ ist ein Edelstein für das Berchtesgadener Land und alle Freunde bayerischer Naturlandschaft«, sagte Seehofer und stellte fest, dass Bayern schon immer Vorreiter in Sachen Natur- und Landschaftsschutz gewesen sei. Eine positive wirtschaftliche Entwicklung müsse immer Hand in Hand gehen mit dem Erhalt der Artenvielfalt. Ausführlich ging der Ministerpräsident auf die Bemühungen der Staatsregierung in puncto Energiewende ein, um dann zusammenzufassen: »Wir wollen Ökologie, Ökonomie und sozialen Wohlstand miteinander vernetzen.«

Der Respekt vor der Schöpfung sei fester politischer Grundsatz, sagte Horst Seehofer. Man dürfe der jungen Generation nicht Wunden in der Natur und Schulden überlassen, sondern müsse der Jugend Chancen gewähren. »Deshalb ist das ›Haus der Berge‹ ein Gewinn für Mensch und Natur«, sagte der Ministerpräsident und richtete den Dank an alle, die das Projekt initiiert haben, und an diejenigen, die es nun betreiben.

Bereits zur Eröffnung des Festakts hatte der bayerische Umweltminister Dr. Marcel Huber von einem »wunderbaren Tag für ganz Bayern« gesprochen. »Der Nationalpark Berchtesgaden ist ein einmaliger Schatz der Biodiversität«, sagte Huber, denn hier lebten rund 1 000 Tierarten und es gebe hier ebenso viele Pflanzenarten. Deshalb müsse es im »Haus der Berge« darum gehen, die Menschen zu sensibilisieren für das Existenzrecht unberührter Wildnis.

»Das ›Haus der Berge‹ setzt international neue Akzente«, sagte Huber und bezeichnete die hier zu betrachtende Architektur als Kunst. Die verwendeten Materialien seien dem Zahn der Zeit ausgesetzt und gäben deshalb den Inhalt der Ausstellung wieder: Natur Natur sein lassen. »Die Architektur ist schlicht und gleichzeitig hochmodern«, stellte der Umweltminister fest. Insgesamt sei die Investition von 19 Millionen Euro in die Zukunft der Region gut angelegt.

Zwei Gesprächsrunden moderierte schließlich Gisela Oswald vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit. Die Teilnehmer: Landrat Georg Grabner, Marktbürgermeister Franz Rasp, Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel, Bereichsleiterin Doris Lackerbauer und Projektleiter Andreas Fichtner vom Staatlichen Bauamt Traunstein, Projektleiter Ulrich Brendel und Prof. Uwe Brückner, der die Ausstellung konzipiert hatte. Die Zuhörer erfuhren beispielsweise vom Landrat, dass das »Haus der Berge« Strahlkraft entwickeln werde, »weil es der Hammer ist«.

Bürgermeister Rasp bezeichnete die Architektur als »überraschend für Berchtesgaden«. Doch der Bürgermeister räumte ein, dass man damit jetzt glücklich sei, weil die Formen zurückhaltend seien und sich die Struktur gut nach Süden ausrichte. »Und wer die Ausstellung gesehen hat, der kennt den Grund für das Äußere: Das Gebäude wurde wie eine Hülle um die Ausstellung herumgebaut und passt sich ihr an.«

Ausstellungserfinder Prof. Uwe Brückner aus Stuttgart, der unter anderem auch die BMW-Welt in München konzipiert hatte, erinnerte sich an seinen ersten Ausflug 1977 als Student nach Berchtesgaden. Umso glücklicher sei er jetzt, dass er Jahrzehnte später hier die Ausstellung für das »Haus der Berge« entwerfen durfte. »Wir wollten hier nicht die Natur nachbilden, sondern abstrakt bleiben«, sagte Brückner und wiederholte einen Satz, den man an diesem Tag noch öfter hörte: »Die Besucher sollen hier nicht belehrt werden, sondern sie sollen selber entdecken.«

Ökumenisch verlief die anschließende Segnung durch Dekan Peter Demmelmair und Pfarrer Peter Schulz. Gerne sangen die Festgäste anschließend mit den beiden Geistlichen die erste Strophe von »Großer Gott wir loben Dich«.

Lob gab es im Anschluss auch für den Berchtesgadener Extremkletterer Thomas Huber, der sich in Sekundenschnelle an der Lärchen-Innenverschalung hoch hangelte und fast zehn Meter über dem Boden vor staunenden Zuschauern und zahlreichen Pressevertretern den dort deponierten symbolischen Schlüssel ergatterte. Den überreichte er prompt Architektin Doris Lackerbauer, die ihn weitergab an Minister Dr. Marcel Huber. Der wiederum überließ den Schlüssel Ulrich Brendel, dem künftigen Leiter des »Hauses der Berge«. Bevor sich die Festteilnehmer in die benachbarte Ausstellung zwängten, durchschnitten Horst Seehofer, Marcel Huber, Georg Grabner, Franz Rasp und Michael Vogel gemeinsam das Band.

Für die musikalische Umrahmung des Festakts sorgte das Lehrermusikensemble »Gmundberg-Brass«. Zu den zahlreichen Ehrengästen beim Festakt gehörten auch Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer und Regierungspräsident Christoph Hillenbrand.

Weitere Bilder vom Festakt gibt es im Internet in der Rubrik »Fotos« unter www.berchtesgadener-anzeiger.de. Bilder vom anschließenden Bürgerfest folgen in der Montagsausgabe und ab heute Nachmittag auf der »Anzeiger«-Homepage. Ulli Kastner