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Hausgeistlicher in der Felicitas

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In der Felicitas feiert Pfarrer i. R. Josef Neumann morgen mit einem Gottesdienst seinen 90. Geburtstag. (Foto: Berwanger)

Bischofswiesen – »Es war nicht langweilig«, stellt Josef Neumann fest, wenn er von den verschiedenen Stationen seines Lebens erzählt. Der Pfarrer im Ruhestand fügt hinzu: »Schön war es überall.« Wissbegierde und Wohlwollen halten den rüstigen alten Herrn jung. Am morgigen Donnerstag feiert der Hausgeistliche im Caritas-Altenheim St. Felicitas in der Stanggaß seinen 90. Geburtstag. Dazu gehört natürlich auch ein Gottesdienst, dieser beginnt um 10 Uhr. Im Anschluss gibt es zur Feier des Geburtstages einen Sektempfang.


Seit Mai 2007 lebt Pfarrer Josef Neumann schon in der Felicitas. Damals bereits im Ruhestand und mit Wohnsitz in Ising am Chiemsee, hatte er von der Suche der damaligen Einrichtungsleitung nach einem Hausgeistlichen gelesen. »Ich habe es mir anschaut und reiflich überlegt«, erzählt er. Dann sagte er zu: »Das ist das, was ich mir vorstellen kann, das ist ein Platz, wo man auch in fortgeschrittenen Jahren leben kann.«

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Geboren wurde der Jubilar 1926 im ehemaligen Jugoslawien. Seine Familie gehörte der deutschen Minderheit an. Als Gymnasiast in den Krieg geschickt und dort in russische Gefangenschaft gekommen, nutzten dem jungen Mann seine Kenntnisse der serbokroatischen Sprachen. Die Russen hielten ihn für unverdächtig und schickten ihn recht bald Richtung Heimat zurück.

Josef Neumann ging seinen eigenen Weg. Dieser führte ihn zunächst nach Österreich. In Wien konnte er eine Kriegs-Matura ablegen und dann Theologie studieren. Durch einen ehemaligen Landsmann lernte er einen Priester kennen, der von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Dachau verschleppt worden war und ihm fortan ein Vorbild und Förderer wurde. Priester indes habe er »immer schon« werden wollen, ebenso wie seine drei Brüder. Das sehr christlich geprägte Elternhaus habe diesen Berufswunsch ausgelöst. Am 29. Juni 1953 wurde Josef Neumann zum Priester geweiht. Es folgte seine erste Stelle im fränkischen Ort Haßfurt. »Ich habe meinen Beruf geliebt und bin überall hin«, sagt der Hausgeistliche schlicht.

Nach dem nächsten Arbeitsort nahe Mühldorf folgte dann Waging am See. Und wenn Josef Neumann von seinen Jahren dort bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1994 erzählt, strahlen seine Augen ganz besonders intensiv. »Es war eine schöne Zeit.« Die Kirchengemeinde war aktiv und rege und noch heute bekommt der frühere Waginger Pfarrer Besuch von seinen einstigen Schäfchen. Kontaktfreudig und kommunikativ spricht er aber auch mit den jungen unbegleiteten Flüchtlingen in der Felicitas, und so konnte er auch eine Katholikin aus Äthiopien im Gottesdienst begrüßen. »Das Wichtigste war die Sorge um die Menschen, die in den Gottesdienst gekommen sind«, bringt Josef Neumann sein Lebenswerk auf den Punkt. Er ist innerlich mit ihnen mitgegangen, hat sie begleitet.

Und geht noch heute selbst mit der Zeit. Gesundheitlich – bis auf die Beine, die nicht mehr so recht wollen – gut beieinander, geistig sowieso voll auf der Höhe, verfolgt Josef Neumann die Ereignisse auf der Welt aufmerksam und mit Sorge. Ein kleiner Exkurs zur politischen Lage muss schnell mal seine Erinnerungen unterbrechen, die Zuhörerin folgt gerne seinen schlauen Gedanken. Zum Schluss freut sich der Hausgeistliche auf seinen bevorstehenden Umzug in ein Zimmer mit freiem Watzmann-Blick. Allerdings wird der nicht erfolgen, bevor die Telekom ihre Arbeit getan hat. Denn ohne Internet-Anschluss mag Pfarrer Josef Neumann nicht sein. »Ich bin in kirchlichen Dingen so immer auf dem neuesten Stand«, sagt er mit einem feinen Lächeln. Ina Berwanger