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Hausverbot für Einkaufszentren

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Die Arbeitsgruppe »Flächennutzungsplan« der BBG (v.l.): Heinz Fraas, Konrad Bienerth, Ernst Jermann, Werner Sliwa, Frank Woodcock, Mathias Lenz, Gebhard Droßbach und Hans Kortenacker. Foto: privat

Berchtesgaden (BBG/cfs) - Die Berchtesgadener Bürgergruppe (BBG) hat in ihrer Quartalsversammlung eine Arbeitsgruppe für den neuen Flächennutzungsplan gegründet. Wichtigstes Anliegen: Der Talkessel braucht nicht noch mehr großflächige Einkaufszentren, die keine qualifizierten Arbeitsplätze bieten. Ein »Hausverbot in den Amtsstuben für die Aldis, Lidls, Kiks, Takkos und Co.«, forderte deshalb BBG-Gemeinderat Hans Kortenacker.


Eine Absage erteilte die Bürgergruppe auch den geplanten Ansiedlungen von Gewerbegebieten direkt an den Einfahrtsstraßen. Es gebe Beispiele für erfolgreiche Gewerbegebiete wie Pfaffenfeld und Gartenau oder Stangenwald, die Gäste nicht gleich an den Einfahrtsstraßen abfangen, erklärte Werner Sliwa. Die bestehenden Gewerbegebiete gehörten deshalb ausgeweitet, Betriebsansiedlungen dort forciert und dies einheitlich für den Talkessel. »Freilich schaut jede Gemeinde, dass sich Gewerbesteuerzahler niederlassen. Und so wird es, solange es in diesem Punkt kein Miteinander gibt, weiterhin überall Bürgermeister geben, die sich Ansiedlungen unter dem Anreiz des Geldsäckels beugen müssen. Daher denke ich, dass es sinnvoll wäre, wenn man über ein gemeinsames Konzept nachdenkt, die Gewerbesteuern im Talkessel gemeinsam zu erheben und nach einem Schlüssel aufzuteilen«, schlug Kortenacker vor. »Gewerbeflächenmanagement unter Gemeinden ist ja nichts Neues - es müsste hier nur perfektioniert werden, die Ausweisung künftiger Gewerbegebiete solle eben nur noch im »großgemeindlichen Kontext« entstehen.

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Qualifizierte Arbeitsplätze sind Hauptanliegen des BBG-Vorsitzenden Frank Woodcock: »Viele wollen nach dem Studium hier arbeiten. Aber es gibt nur ein begrenztes Angebot außerhalb des Tourismus«. Dies wollte Gebhard Droßbach noch vertiefen und brachte ein, dass durch die zahllosen erfolgreichen Spritzguss- und Formenbaubetriebe eine Art »Silicon Valley« für diese Sparte etabliert werden könnte.

Gebhard Droßbach war es, der das Konzept des »Shared Space« noch einmal ansprach. »Vom Luitpold bis zum Kreisverkehr im Nonntal könne man ohne Probleme ein neues und europaweit bereits mehrfach erfolgreich umgesetztes Konzept des gleichberechtigten Nebeneinanders von Fußgänger und Autofahrer nutzen. Das wäre zugleich die gewünschte Integration der Grießstätter- und Maximilianstraße sowie des Nonntals in die bestehende Innenstadtentwicklung. »Eine kleine Welt ohne Verkehrszeichen«, ergänzte Kortenacker. Ziel dieses Konzeptes sei, die fußläufig erreichbaren Geschäfte zu beleben. Mit einer erweiterten Fußgängerzone könne die Chance ergriffen werden, die Leerstände im Nonntal und an der Maximilianstraße zu beenden, ohne Fahrzeuge auszusperren.

Beim Thema Nonntal gingen die Wogen hoch. Nicht nur der einige Jahre zurückliegende Frevel beim damaligen Milchkurgarten, sondern auch die Ruine »Nonntal 15« würden dazu führen, dass der älteste Straßenzug Berchtesgadens weiter in Vergessenheit geriete. »Das muss nun endgültig gestoppt werden«, fordern die BBGler. Löblich sei das Konzept, für Fassadenerhaltung Zuschüsse zu verteilen. Es müsse nur noch weitaus mehr Anreiz geschaffen werden, diese zu erhalten und aus dem Nonntal, was nach Meinung Drossbachs möglich sei, ein Schmuckkästchen zu machen. Man sei vorsichtig optimistisch, dass dies schon beim Burmesterhaus möglich ist. Daher müsse vor allem beim »Nonntal 10« penibelst auf Erscheinungsbild und Wirkung geachtet werden, so Mathias Lenz, der massiv einforderte, dass »moderne Bauten einfach nicht nach Berchtesgaden gehören.«

Die BBG weiß: Neue Hotels müssen her. Allerdings sieht man diese eher in den Gemeinden Schönau am Königssee oder auf dem Areal des Hotels »Geiger« und der Kurklinik. »Wir denken ohnehin nicht in Gemeindegrenzen, sondern in gemeinsamen Steuereinnahmen, daher ist es auch egal, wo man neue Hotels ansiedelt« brachte es Werner Sliwa auf den Punkt. »Freilich müsse der Wegfall von Privatvermieterbetten aufgehalten werden, aber auch hier gilt, was für die Gewerbegebiete gilt: Bestehendes vor Neuem. Also zuerst Hotelinvestoren bestehende Hotels anzubieten und eng zusammenzuarbeiten, statt nur auf seinen Haushalt zu schauen und eigene Grünflächen auszuweisen«, warf Kortenacker ein.